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Gruppenreisen nur mit 2G-Nachweis?


Foto: nodrama_llama / shutterstock.com
Während politische Akteure in Österreich und Deutschland weiterhin zögern, klare Zugangsregeln für Nicht-Geimpfte auszusprechen, setzen immer mehr Leistungsträger auf Eigeninitiative.

Den Anfang machten Kreuzfahrtunternehmen, die Schritt für Schritt nur Geimpfte oder Genesene an Bord lassen. So hat etwa NCL schon im Frühsommer angekündigt, ab Herbst nur noch geimpfte Reisende mitzunehmen. Auch Hapag-Lloyd Cruises stellt seit Anfang September sukzessive um. Einige Hotels in beliebten Urlaubsregionen zogen ebenfalls bereits nach.

Für Veranstalter ist die Diskussion um die 3G-Regel nur bei Gruppenreisen Thema. Da immer mehr Destinationen, landesweit oder regional, unterschiedliche Vorgaben ausarbeiten, ist es zunehmend unmöglich, mit Nicht-Geimpften oder Nicht-Genesenen ein festgelegtes Programm einzuhalten. Die Gültigkeit der Tests wird kürzer, der Aufwand, regelmäßig valide Ergebnisse präsentieren zu können, immer größer. Wir haben uns bei einigen Veranstaltern umgehört, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen.

Geimpfte oder Reisebereite

In Deutschland hat G Adventures bereits Ende August angekündigt, ab 1. Oktober Reisen entweder für Geimpfte oder für Reisebereite (Link: https://www.tip-online.at/news/47741/g-adventures-reisen-fuer-geimpfte-und-fuer-reisebereite/) anzubieten. Die Variante „reisebereit“ soll Tourguides, den sogenannten Chief Experience Officers (CEO), in Regionen mit wenig Impfmöglichkeit die Chance bieten, weiterhin im Tourismus tätig zu sein. Bei "reisebereiten Reisen" müssen alle Teilnehmer und CEO entweder vollständig gegen Covid-19 geimpft sein oder einen maximal 96 Stunden vor dem ersten Tag der Reise gemachten negativen PCR-Test vorweisen. Die Entscheidung für die Einführung dieser zwei Reiseformen basiert auf einer Umfrage auf dem digitalen Verbraucher-Paneel, die ergeben hat, dass die eindeutige Mehrheit sich für „Impfreisen“ ausspricht. „Unser Ziel ist, schon bald nur noch „geimpft“-Reisen anzubieten“, erklärt Jeanette Buller, Director Sales Europe, im Gespräch mit tip-online.

Berufung auf „Hausrecht“

Auch Studiosus hat Ende August angekündigt (Link: https://www.tip-online.at/news/47747/studiosus-reist-nur-mehr-mit-geimpften-und-genesenen/), ab Anfang Oktober bei allen Reisen die 2G-Regel einzuführen. KundInnen, die nicht geimpft sind, wurden aufgefordert zu stornieren. Die Entscheidung komme „hervorragend an“, weil Studiosus-Kunden eine „hohe Impfquote von über 97%“ vorweisen können, erklärt Chief Marketing Officer Guido Wiegand. Die relativ wenigen negativen Reaktionen seien allerdings hochemotional. Studiosus beruft sich auf das Hausrecht, das es ermöglicht, allgemeine Voraussetzungen zur Teilnahme an Reisen zu definieren. Laut einschlägigen Gerichtsentscheiden sei die Einführung einer 3- oder 2G-Regel in Pandemiezeiten nicht diskriminierend und deshalb auch rechtens, so Wiegand weiter. Auch wenn Studiosus nicht geimpfte KundInnen nicht zu einem Storno zwingen könne, so könne der Veranstalter vom Reisevertrag zurücktreten, wenn die Voraussetzungen zur Teilnahme nicht erfüllt sind. Bisher sind bei Studiosus sechs Reisende betroffen, von denen vier ihrerseits – kostenlos – storniert haben. Bei zwei KundInnen musste der Reisevertrag gekündigt werden.

Vorreiter in Österreich

In Österreich werden ähnliche Überlegungen wie in Deutschland gewälzt, allerdings haben die meisten der von tip-online Befragten noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Die Stoßrichtung ist jedoch bei allen eindeutig in Richtung 1G oder 2G, wobei das zweite G für Genesen – teilweise auch für zusätzlich geimpft - steht. Zu den Vorreitern bei der Einführung der 2G-Regel in Österreich zählt Kneissl Touristik. „Wir hatten schon im Juni mit geimpft und genesen begonnen, nicht für alle Länder. Jetzt haben wir auf alle Ziele ausgeweitet. Und einige Länder verlangen ohnedies die Impfung und dazu noch den PCR-Test“, erklärt Geschäftsführerin Elisabeth Kneissl-Neumayer ihr klares Vorgehen.

Warten auf Österreich-Lösung

Noch keine Entscheidung gefällt hat Patrik Weitzer, Geschäftsführer Raiffeisen Reisen / GEO Reisen / ACC. „Derzeit gilt bei Gruppenreisen noch die 3G-Regel. 2G ist durchführbar, wenn vorwiegend Erwachsene unterwegs sind.“ Weitzer und sein Team wollen noch die für 17. September angekündigte Österreich weite Lösung von Gesundheitsminister Mückstein abwarten. Weitzer glaubt, dass viele KundInnen „erleichtert wären über eine 2G-Regel.

Ähnlich ist auch die Lage bei Columbus Reisen bzw. der Reisethek. „Wir sind noch mitten in der Diskussion für Angebote der Reisethek und auch bei Columbus, überall dort, wo wir Veranstalter sind. Ich rechne mit einer Entscheidung in ca. zwei Wochen“, fasst Mario Steinwedel, Mitglied der Geschäftsführung, zusammen.

Alle in die gleiche Richtung

Max Schlögl, Geschäftsführer Gruber Reisen, diskutiert das Thema ebenfalls bereits seit einigen Wochen. „Bei Rundreisen tendiere ich auch zu 2G im Sinne von Geimpften und Genesenen.“ Für ihn ist klar, dass die Veränderung der Bestimmungen kein Grund für einen kostenlosen Rücktritt sei. Das Ziel sei jedenfalls, die Verantwortung in Richtung KundInnen zu schieben. Auch Schlögl geht davon aus, dass bei einer Rundreise die regelmäßig erforderlichen Tests nicht in den Reiseablauf eingepasst werden können. „In Österreich könnten sich alle Kundinnen impfen lassen. Daher wäre es vernünftig, wenn alle Veranstalter in die gleiche Richtung gehen“, schlägt Schlögl vor. Wichtig sei zudem, eine klare und konkrete Definition, was genau unter 2G verstanden werde.

Erfreulich, dass nun die Veranstalter zumindest teilweise die Initiative ergreifen und nicht das vorwahlbedingte Zaudern der politischen Verantwortlichen in Österreich ebenso wie in Deutschland abwarten wollen. (red.)


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Dieter Putz

Autor/in:

Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit knapp 20 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlags-Teams. Fast jedes geschriebene Wort das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.





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