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M. Schlögl, GRUBER-reisen: Der erste Schritt der Beratung findet im Web statt

Nach monatelanger Ruhephase ziehen Nachfrage und Buchungen langsam wieder an.

„Der Schlafmodus ist beendet“, sagt Max Schlögl, Geschäftsführer GRUBER-reisen, über die aktuelle Stimmung in seinem Unternehmen. Er rechnet damit, dass „in den Reisebüros schon bald sehr viel zu tun sein“ werde. Daher sind die Filialen alle wieder geöffnet. Beratung wird seit einigen Monaten aber auch per Video geboten. Über diese und weitere Neuerungen spricht Schlögl im virtuellen Interview mit tip-online.

„Ein bissl in einer Aufbruchsstimmung“

tip-online: Wie ist die Stimmung aktuell bei GRUBER-reisen?
Max Schlögl: Wir sind im Moment ein bissl in einer Aufbruchsstimmung. Ich möchte meinen MitarbeiterInnen vermitteln, dass wir mit Optimismus in die Zukunft schauen. Wir hatten doch eine sehr lange Ruhephase, in der nicht viel passiert ist. Wir haben den Betrieb aufrechterhalten. Jetzt, mit der Ankündigung, dass eine Rückreise z.B. aus Kroatien ohne Quarantäne möglich ist und der Grüne Pass umgesetzt wird, ist der Start eingeleitet.

tip-online: Was bedeutet das für eure Reisebüros?
Max Schlögl: Wir haben alle Reisebüros wieder täglich geöffnet, aber nicht ganztags. Mit unserer Service-Hotline und der Video-Beratung, die wir seit Oktober anbieten, stehen wir jedoch den ganzen Tag zur Verfügung.

tip-online: Zieht die Nachfrage langsam an?
Max Schlögl: Ja, seit einigen Wochen sehen wir eine verstärkte Nachfrage, jetzt auch verstärkte Buchungen. Ein gewisses Grundrauschen hatten wir ja eh auch im Winter. Bisher sind uns die Kunden noch nicht die Türen eingerannt, aber ich glaube, sie waren von den vielen Informationen überfordert und wollten den 19. Mai und die Öffnungen abwarten. Die Medien berichten auch erst seit kurzem wieder positiv über Urlaub, dass war ja leider nicht immer so. Jetzt geht es los!

„Wir haben auf Reserven zurückgegriffen“

tip-online: Wie ist GRUBER-reisen durch die Pandemie gekommen?
Max Schlögl: In der Zeit sind wenige Buchungen hereingekommen. Wir sind aber sehr gut dagestanden und haben auf Reserven zurückgegriffen. Wir haben keine Mitarbeiter gekündigt, allerdings haben uns manche verlassen, um die Branche zu wechseln.

tip-online: Habt ihr in den vergangenen Monaten in Aus- und Weiterbildung investiert?
Max Schlögl: Ja, natürlich. Aber das ist gar nicht so einfach. Kurzarbeit beinhaltet an sich auch Fortbildung, aber die Förderbestimmungen sind ziemlich kompliziert. Wir haben teilweise intern, teilweise mit dem TTC und teilweise mit dem Wifi geschult. Das ist sehr gut angenommen worden. Wir haben da sehr viel Zeit investiert und tun das auch noch in den nächsten Wochen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass wir dabei bei unseren Systemen die Standards überprüft und auch nachgeschärft haben, so dass jetzt alle MitarbeiterInnen auf einem ähnlichen Niveau sind.

tip-online: Du hast vorhin eure neue Video-Beratung erwähnt. Eine Reaktion auf die Krise?
Max Schlögl: Das war schon immer auf der Agenda, aber durch die Krise haben wir es schneller umgesetzt. Die Video-Beratung ist ein ganz wichtiger Baustein im Omni Channel-Kuchen. Für IT-affine Kunden ist das besonders lässig, wenn sie mit jedem Mitarbeiter einen virtuellen Beratungstermin ausmachen können. Unser Ziel ist, Kunden in einem Büro in der Nähe ihres Standorts unterzubringen. Bei besonderen Fachgebieten wie z.B. Golfreisen kann der Kunde einen Berater auswählen oder er klickt sich über eine Weltkarte in die Buchungsmaschine oder zu dem entsprechenden Spezialisten für die jeweilige Destination. Für Kunden ist das ein selbstverständlicher Service.

tip-online: Habt ihr das selbst programmiert?
Max Schlögl: Nein, wir basteln nicht mehr selbst. Wir setzen auf Standardlösungen.

„Es braucht weiterhin eine Unterstützung der Reisebranche“

tip-online: Was erwartest du für die Sommersaison?
Max Schlögl: Das hängt vom Maßstab ab, den man anlegen will. Im Vergleich zu 2019 haben wir keine Chance. Es braucht weiterhin eine Unterstützung der Reisebranche, eventuell mit einem eigenen Kurzarbeit-Modell für besonders betroffene Branchen. Außerdem sollte es dahingehend geändert werden, dass Mitarbeiter dabei keine Einkommensverluste haben, aber darauf haben wir leider keinen Einfluss. Auch für den Fixkostenzuschuss braucht es eine Verlängerung und die Deckelung muss aufgehoben werden. Die aktuelle Obergrenze von 1,8 Mio. EUR muss für mittlere und große Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Mio. EUR pro Jahr ausgeweitet werden. Da braucht es eine Sonderlösung. Fernreisen sind in weiter Ferne, da wird die Erholung noch dauern.

tip-online: Sind diese Forderungen realistisch?
Max Schlögl: Es muss ja was passieren. Mein großes Lob geht an die KollegInnen in der Kammer und bei den Verbänden ÖRV und ÖVT. Sie haben großartige Arbeit geleistet. Ich glaube, die meisten Förderungen sind bei den Unternehmen angekommen.

„Die Menschen wollen weg“

tip-online: Wird Urlaub an der Adria im Sommer einfach möglich sein?
Max Schlögl: Anfangs hatte ich bei Kroatien Bauchweh. Der kritische Faktor ist die Rückreise nach Österreich. Bei einer 14-Tage-Inzidenz von mehr als 500 gilt ein Land als Hochrisikogebiet und ist auf der Corona-Ampel dunkelrot. Das bedeutet dann, dass man bei der Rückkehr in Quarantäne muss, auch mit Grünem Pass. Jetzt ist der Inzidenzwert in Kroatien gesunken, so dass es mit Italien und Slowenien bei den Reisezielen sicher ganz vorne mit dabei sein wird. Im Flugbereich sind es Griechenland und auch Spanien, wo die Post abgeht. Eine Befragung unserer Kunden hat ergeben, dass Kroatien ihre liebste Destination ist. Generell glaube ich, dass in den Reisebüros bald sehr viel zu tun sein wird. Die Menschen wollen weg. Ich geh davon aus, dass es nach Pfingsten richtig losgeht.

tip-online: Welche Bedeutung kommt einer guten Web-Präsenz zu?
Max Schlögl: Es ist wichtig, dass Unternehmen gute Websites haben. Die Menschen haben gelernt, mit dem Internet besser umzugehen. Der erste Schritt der Beratung findet im Web statt. Auch Stammkunden erwarten einen guten Web-Auftritt. Wir haben in der Krise unsere Website neu gelauncht.

tip-online: Rechnest du mit einer Verlängerung der Sommersaison, wenn Buchungen und Reisen später starten als sonst?
Max Schlögl: Das kann man sich als ambitioniertes Ziel setzen. Aber bei bestimmten Destinationen gibt es natürliche Grenzen. Bei Badereisen nach Istrien und Dalmatien ist das schwierig, für Sportler, wie zum Beispiel die Zischka Tennis-Reisen, geht der Herbst auch noch gut. Zypern und Mallorca sind jedenfalls dann auch noch gefragt. Wir haben daher Zypern mit Vollcharter ab Graz, Linz und Klagenfurt im Programm. In der Krise haben wir unser MIXX-Produkt gelauncht, bei dem wir Pauschalreiseprodukte auf Linienverbindungen ab Graz, Salzburg, Wien und anderen Quellmärkten anbieten.

tip-online: Wie schaut das Charter-Programm bei GRUBER heuer aus?
Max Schlögl: Unser Brač-Charter fliegt ab Graz und Linz. Wien haben wir auf der Linie eingebunden. Zypern eben ab Graz, Linz und Klagenfurt. Im Bereich Länder und Städte machen wir viel mit Linienverbindungen, nach Madeira haben wir einen Teil-Charter. Vollcharter sind heuer eher die Ausnahme.

„Reiseberater ist fast ein Lifestyle“

tip-online: Wann rechnest du mit einer Rückkehr der Busreisen?
Max Schlögl: Da gibt es derzeit keine rechtliche Sicherheit. Busreisen werden als Veranstaltung eingeordnet, mit allen Auflagen. Wir müssen abwarten und hoffen, dass die Kollegen in der Fachgruppe Bus Druck machen, dass dieser Bereich so behandelt wird wie der Linien-Busverkehr. Wir merken eine Nachfrage bei den Kunden. Masken muss man schließlich überall tragen.

tip-online: Seht ihr eine gesteigerte Nachfrage nach nachhaltigen Produkten?
Max Schlögl: Das ist wichtig, aber es wird mehr darüber geredet, als die Leute es tatsächlich wollen. Der Großteil ist nicht bereit, für Nachhaltigkeit auf Komfort zu verzichten oder wesentlich mehr zu bezahlen. Das Reiseverhalten ändert sich nicht wegen der Nachhaltigkeit, sondern wegen dem Aufwand, den man treiben muss für den Urlaub. Daher geht der Trend auch in Richtung eine Woche oder 14 Tage. Generell wird hochwertiger gebucht als vor der Krise.

tip-online: Kannst du der Krise auch etwas Positives abgewinnen?
Max Schlögl: Naja. Es ist sehr anstrengend, aber wenn man, so wie wir, in der Lage ist, das zu stemmen, dann geht’s schon. Es gibt aber eben auch Positives wie Innovationen. Auch, dass wir als Team mehr zusammengeschweißt wurden. Jetzt ziehen alle an einem Strang. Bei den MitarbeiterInnnen sehe ich Dankbarkeit und Verständnis. Manche bedanken sich, dass sie einen Arbeitsplatz haben. Wir waren im Schlaf-Modus, trotzdem hatten wir ein starkes Wir-Gefühl. Ich finde es schade, dass sich manche MitarbeiterInnen umorientiert haben, würde aber niemanden aufhalten, wenn der Wunsch nach etwas Neuem da ist. Ich bin sicher, dass manche von ihnen wieder zurückkommen werden. Wir schauen auf unsere MitarbeiterInnen. Bei einem Branchenwechsel geht das Reisen ab. Reiseberater ist fast ein Lifestyle. Generell ist die Stimmung bei uns gut. Darüber bin ich froh.

#wirsindGRUBER

Das virtuelle Gespräch führte Elo Resch-Pilcik


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 30 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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