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Max Schlögl: Wahnsinnige Innovationskraft im Team


Max Schlögl, Gruber Reisen - Foto: Gruber Reisen
Wenn sich die zweite Generation, die gerade das Ruder bei Gruber Reisen übernimmt, in einer nie dagewesenen Krise behaupten muss, kommt das einer Feuertaufe gleich. Wie das Unternehmen diese Bewährungsprobe mit Zusammenhalt und Solidarität bewältigt, erzählt Max Schlögl. 

Euphorie in der Krise? Was aufs Erste völlig undenkbar klingt, kann Max Schlögl, einer der Geschäftsführer von Gruber Reisen, im Gespräch mit tip-online absolut überzeugend vermitteln. Nicht, weil das an sich sehr gut aufgestellte Unternehmen locker durch die Krise navigieren kann. Ohne staatliche Unterstützung würde selbst eine gesunde Firma wie Gruber Reisen die Herausforderung schwer schaffen. Was Max so optimistisch stimmt, ist der Zusammenhalt im gesamten Unternehmen. Die fünfköpfige Geschäftsführung, für die er hier spricht, hat die vielzitierte Chance in der Krise erkannt und genutzt, um den Teamgeist im Unternehmen an vorderste Stelle zu rücken.

Die Digitalisierung spielt dabei natürlich eine wesentliche Rolle. Mit neuen Kommunikations-Tools fällt nicht nur die Arbeit im Home-Office leichter, sondern man trifft sich auch per Videokonferenz zum wöchentlichen „Fern-Bier“ für den internen Austausch. Das dient auch schon als Vorbereitung für künftige Kundengespräche – die dann virtuell ebenso wie reell stattfinden können.

Was den jungen Geschäftsführer dabei besonders begeistert, ist die riesige Innovationskraft innerhalb seines Teams. Und ja, seine Zuversicht ist durchaus ansteckend.

Fünf Fragen an Max Schlögl

tip-online: Wie geht es euch aktuell?

Max Schlögl: Danke, wir sind alle gesund und seit Ende März war niemand krank. Wirtschaftlich gesehen ist die Krise eine Herkulesaufgabe für die Firma. Das Kernthema ist die Liquidität. Wir sind generell ein Unternehmen, das immer gut gewirtschaftet hat. Ich zähle uns zu den gesündesten Betrieben in der Branche, aber ohne finanzielle Unterstützung durch den Staat würden selbst wir das schwer durchstehen. Kurzarbeit, die wir seit 20. März haben, ist keine Lösung. In den Reisebüros gab es anfangs sehr viel zu tun. Dank unserer Größe haben wir dann aber die Aufgaben auf mehrere Büros mit Minimalbesetzung aufteilen können. Bei der staatlichen Hilfe gibt es ja auch schon teilweise Nachbesserungen, teilweise muss noch was kommen, vor allem müssen unsere Forderungen der Fachgruppe an die Regierung Gehör finden.

tip-online: Nach der Krise wird alles anders, sagen viele. Wie siehst du das?

Max Schlögl: Ich bin zuversichtlich, dass wir positiv aus der Krise hervorgehen und danach sogar stärker dastehen werden. Es wird sich jedenfalls viel verändern. Ich kann aber noch nicht genau sagen, was und wie. Es wäre töricht zu glauben, dass alles gleichbleibt. Wir stellen aktuell unsere Strategien auf den Kopf und klopfen jeden Geschäftsbereich ab, um neue Möglichkeiten für uns zu erkennen. Ich sehe wahnsinnig viel Innovationskraft in unserem Team und wahnsinnig viel Wir-Gefühl. Alle Mitarbeiter sehen sich als Gruber-Familie. Sie wollen etwas bewegen. Das ist ein sehr beflügelndes Gefühl.

Vor allem im Bereich der Kommunikation hat sich schon jetzt sehr viel geändert. Bisher haben wir zwar immer aktiv kommuniziert und alle an einem Strang gezogen, jedoch verlief die Kommunikation sehr stark in eine Richtung. Sozusagen von oben nach unten. Seit Anfang März, als klar wurde, dass die Krise voll auf uns zukommt, haben wir auf Microsoft Teams umgestellt, was extrem gut angenommen wurde. Jetzt kommunizieren die einzelnen Teams miteinander, jeder mit jedem und Dinge, die alle betreffen, werden intern öffentlich diskutiert. Jede Krise hat eben auch was Positives. Die Bereitschaft, sich mit neuen Dingen auseinander zu setzen, ist stark gestiegen. Alle sind über die sprichwörtliche „rote Linie“ gegangen. Ich bin überzeugt, dass wir das gemeinsam gut schaffen werden.

tip-online: Bei Gruber Reisen übernimmt mit deiner Cousine Eva, deinem Bruder Florian und dir gerade die zweite Generation das Ruder. Eine ziemliche Feuertaufe in einer noch nie dagewesenen Krise. Wie schafft ihr das?

Max Schlögl: Unser Krisenteam besteht aus uns fünf Geschäftsführern und einem erweiterten Krisenstab. Michael Schlögl zieht sich bald von der vordersten Front zurück, Florian ist für Gruber Golfreisen zuständig, Eva für unser Hotel Bretanide, Ioannis Afukatudis, der sehr gut zu uns passt, verantwortet mit mir zusammen den Veranstalterbereich. Ich kümmere mich zudem um die Reisebüros. Gemeinsam leiten wir das Krisenmanagement. In einer Situation wie jetzt ist es besonders wichtig, dass man ruhig bleibt, vor allem in der Führung, es braucht schnelle Entscheidungen und schnelle Antworten.

tip-online: Was ändert sich durch die Krise in Bezug auf die Digitalisierung?

Max Schlögl: Da hat sich schon jetzt sehr viel verändert. Die Krise hat uns gezwungen, digitale Tools mehr zu nutzen und diese werden von den Mitarbeitern sehr gut angenommen. Intern heißt das zum Beispiel, dass man an Besprechungen zukünftig auch immer online teilnehmen kann. Privat treffen wir uns wöchentlich jeden Freitag auf ein „Fern-Bier“, da sind ca. 30 MitarbeiterInnen dabei. Das ist total cool. Alle erzählen und reden miteinander. Das hat auch schon bis Mitternacht gedauert. Extern sehen wir, dass die Mitarbeiter digital fit sind. Für die Beratung muss der Kunde künftig nicht mehr unbedingt ins Reisebüro kommen. Das ist ein großer Evolutionsschritt. Wir wollen alle Mitarbeiter durch die Krise mitnehmen. Sie sind dankbar, wie wir mit der Situation umgehen. Wir sehen sehr viel Vertrauen, Solidarität und Zusammenhalt. Insofern haben wir durch die Krise extrem profitiert. Danach wird nicht mehr das sein, was vorher war. Daher stellen wir, wie gesagt, alles auf den Prüfstand und stellen alle Fragen jetzt.

tip-online: Was ist euer Best Case-/Worst Case-Szenario? Reagiert ihr mit neuen Produkten?

Max Schlögl: Vor zwei Wochen war ich mit meiner Einschätzung, was den Sommerurlaub 2020 im Ausland betrifft, noch sehr pessimistisch. Am Anfang hatten wir drei Szenarien. Nach der ersten Woche war der Worst Case dann auf einmal der Best Case. Jetzt werden die Einschätzungen realistischer. Jetzt gibt es z.B. Gespräche der Bundesregierung mit Deutschland, Kroatien oder Tschechien. Kroatien will eine Sogwirkung erzeugen, das gibt Hoffnung, dass wir den Sommer, wenn auch mit massiven Einschnitten, überstehen. Ich bin jetzt zumindest zuversichtlicher. Anfang Mai wird man mehr sagen können. Eine komplette weltweite Reisefreiheit wird es meiner Meinung nach heuer nicht mehr geben, das braucht Zeit. Wir haben mit unserem Wellness-Angebot bereits ein Österreich-Produkt, das wir entsprechend erweitern und anbieten wollen. Wir können aber noch nicht abschätzen, wie gut das angenommen wird. Damit können wir aber in keinster Weise gutmachen, was wir im Ausland verlieren. Die Nachfrage nach Inlandsurlaub werden wir beim Veranstalter und im Reisebüro abdecken können. Wir schaffen das. Da hilft uns unser USP, dass wir im Unternehmen ein eingeschweißtes Team sind und wie eingehängt Arm in Arm zusammenhalten, als Gruber-Familie! Die Krise ist katastrophal. Aber wir werden sie überstehen, damit wir all das Positive zukünftig für uns nutzen können.

(red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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