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Erster ÖBB-Nachtzug von Wien nach Brüssel


Verabschiedung des ersten ÖBB Nightjet
Sonntagabend ist der erste Nachtzug (Nightjet) vom Wiener Hauptbahnhof in die EU-Hauptstadt aufgebrochen.

Neben EU-Abgeordneten der ÖVP, SPÖ, FPÖ und der Grünen war auch ÖBB-Chef Andreas Matthä an Bord des Nightjets, der nach mehr als 14 Stunden Fahrt von zahlreichen Journalisten, Kamerateams und einer Musikkapelle am Bahnsteig 6 begrüßt wurde.

 "Mit unserer neuen Direktverbindung nach Brüssel übernehmen wir aktiv Verantwortung für den Klimaschutz", so Matthä.

Der mit Sitz-, Liege- und Schlafwägen ausgestattete Nightjet verbindet die beiden Länder von nun an zwei Mal pro Woche: sonntags und mittwochs von Wien nach Brüssel, montags und donnerstags in entgegengesetzter Richtung. Fahrkarten kosten ab 29,90 EUR, dafür gibt es allerdings lediglich einen Sitzplatz.

Die ÖBB betreiben derzeit 19 eigene Linien unter der Marke "Nightjet" und acht weitere Nachtzugstrecken mit Partnern - auch in Deutschland. Als nächstes Reiseziel soll Amsterdam hinzukommen.

"Es ist höchste Eisenbahn für Klimaschutz."

Laut Greenpeace verursacht ein Flugpassagier auf der rund 1000km langen Strecke von Wien nach Brüssel 410kg CO2, ein Fahrgast des Nightjet hingegen nur 40kg.

Der Nightjet ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ich freue mich sehr, bei der Premiere an Bord zu sein“, so Martin Selmayr, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich.

„Ein Viertel der Treibhausgasemissionen in der EU entfällt auf den Verkehrssektor. Im Zuge des Grünen Deals, den die Europäische Kommission im Dezember vorgestellt hat, soll Europa bis 2050 klimaneutral werden. Um das zu bewerkstelligen, müssen wir die verkehrsbedingten Emissionen um 90% senken. Dafür brauchen wir dringend Initiativen wie diese“, so Selmayr weiter. 

Verbesserungsvorschläge der EU-Abgeordneten 

Die mitgereisten österreichischen EU-Abgeordneten lobten den Reisekomfort, sehen aber noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der transnationalen Zugverbindung.

SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder sieht es als dringend notwendig an, dass die Streckenkapazitäten so frei gegeben werden, dass man vor allem im belgischen Teil schneller fahren könne. "Dann wäre es auch möglich, zwei Stunden früher in Brüssel anzukommen", sagte Schieder, der gemeinsam mit seinen Delegationskollegen Günther Sidl und Hannes Heide mit dem Zug nach Brüssel gekommen war.

EU-Delegationsleiterin Monika Vana von den Grünen wünsche sich neben einer früheren Ankunft auch eine höhere Frequenz. "Aus Sicht einer Europaabgeordneten würde ich es sehr begrüßen, wenn der Nachtzug täglich fahren würde und in Brüssel am Morgen mindest eine Stunde früher ankäme", so Vana.

EU investiert in Bahnnetz

Die EU fördert den Ausbau und die Verbesserung der Bahnverbindungen quer durch Europa. Von 2014 bis 2019 wurden rund 23 Mrd. EUR  aus der sogenannten Connecting Europe Facility in Verkehrsprojekte insgesamt investiert. Der Löwenanteil davon, 16 Mrd. EUR, ging in den Bahnsektor. Österreich erhielt 742 Mio.EUR an Förderungen für den Ausbau des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene. Unterstützt wurden beispielsweise die Koralmbahn als Teil der Baltisch-Adriatischen Verkehrsachse, der Brennerbasistunnel und die Nachrüstung von Güterwaggons mit sogenannten Flüsterbremsen zwecks Reduktion der Lärmbelästigung.

Im kommenden Finanzrahmen von 2021-2027, über den die Mitgliedstaaten derzeit verhandeln, wird klimafreundliche Mobilität und damit der Ausbau der Bahn ein Schwerpunkt sein. Die Connecting Europe Facility – sie dient der Finanzierung von Vorhaben im Bereich Verkehr, Energie und Digitalisierung – soll laut Vorschlag der Europäischen Kommission mit insgesamt 42 Mrd. EUR für 27 Mitgliedstaaten ausgestattet werden. Das ist eine massive Aufstockung gegenüber 30 Mrd. EUR für 28 Mitgliedstaaten im Haushalt 2014-2020. Die Kommission regt zudem an, rund ein Viertel des kommenden Finanzrahmens – das wären 320 Mrd. EUR – in den Kampf gegen den Klimawandel zu investieren. (APA / red) 


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Foto: privat

Autor/in:

Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.





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