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H. Steinacker, Qatar Airways: Wir setzen auf gesunden Mix im Vertrieb


Hannes Steinacker
Im virtuellen Gespräch mit tip-online erzählt Hannes Steinacker, Country Manager Österreich, Deutschland und Slowakei, wie Qatar Airways durch die Krise geflogen ist.

Seit September 2019 ist Hannes Steinacker bei Qatar Airways Commercial Manager für Österreich und die Slowakei. Nachdem Johannes Falck aus der Leitung des DACH-Marktes nach knapp sechs Monaten im Oktober 2020 ausschied, übernahm Steinacker als „Acting Country Manager“ dessen Position. Im virtuellen Interview mit tip-online berichtet er über die Verschiebung der Geschäftsfelder seit der Pandemie, die Vorteile eines Hub-Carriers, seine Einschätzung zur Erholung der Branche und einige weitere Themen.

Fragen & Antworten tip-online:

Womit beschäftigen Sie sich im Moment am meisten?
Hannes Steinacker: (Lacht) Die freche Antwort darauf wäre „mit Interviews“. Im Ernst. Es ist eine sehr herausfordernde Zeit. Die Teams sind im Home Office, da gilt es, Kontakt und Motivation aufrecht zu erhalten. Die Geschäftsfelder haben sich dramatisch verändert. Als Qatar Airways hatten wir ein starkes Leisure-Angebot, wie nach Bali, Bangkok, auf die Malediven oder nach Südafrika. Durch die Krise mussten wir das Programm dramatisch reduzieren. Unser Fokus hat sich verlagert auf Repatriierungsflüge. Ein neuer Schwerpunkt ist das Marine Business für Schiffspersonal, besonders für Containerschiffe. Geschäftsreisen sind auch weiterhin wichtig. Viele Firmen haben für die Kommunikation in IT investiert. Daher muss man davon ausgehen, dass ein Teil des Geschäfts nicht wiederkommt. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass der Großteil wiederkehrt.

Wie ist Qatar Airways bisher durch die Krise gekommen?
Hannes Steinacker: Die Umstände sind beispiellos für die Airline- und Tourismusindustrie. Qatar Airways hat es geschafft, das richtige Produkt zur richtigen Zeit anzubieten. Der Flugbetrieb wurde nie eingestellt, es wurden nie weniger als 30 Destinationen mit mehreren hundert Flügen pro Woche bedient. Jetzt halten wir wieder bei 110 Zielen und mehr als 800 wöchentlichen Verbindungen. Vor der Krise waren es 172 Destinationen und dementsprechend mehr Frequenz. Im Verhältnis zu manchen anderen Unternehmen sind wir gut durch die Krise gekommen. Wir wollten ein stabiles Produkt für unsere Kunden anbieten. Mit unserer Flotte, einer der jüngsten weltweit, bestehend aus A350 und B787, schaffen wir viel Flexibilität.

In Österreich wurde das Büro zugesperrt und alles auf Home Office verlagert. Eine Dauerlösung?
Hannes Steinacker: Wegen der Gesundheitsmaßnahmen arbeiten global alle unsere Mitarbeiter im Home Office. Sobald die Bedingungen es erlauben, ist angedacht, dass ein Großteil wieder ins Büro zurückkehrt. In Österreich funktioniert das Home Office qualitativ sehr gut, daher wird das beibehalten. Das Team umfasst neun Personen im Commercial Part und zwölf am Airport. Das Büro für die Region ist in Frankfurt angesiedelt. Speziell in der DACH-Region ist der Austausch jetzt intensiver als vor Corona. Da wurden die entsprechenden Tools sehr gut genutzt.

Langsam steigende Nachfrage

Wie sieht der aktuelle Flugplan im Vergleich zum Vorjahr aus? Wie die Nachfrage? 
Hannes Steinacker: Wir erkennen langsam mehr Nachfrage. Sämtliche Menschen in den DACH-Ländern wollen wieder reisen. Vom Volumen sind wir noch nicht dort, wo wir vor der Krise waren, da ja auch viele Destinationen noch nicht wieder bereisbar sind. Ich bin jedoch überzeugt, dass, sobald es möglich ist, wieder viel gereist werden wird. Wir sehen bereits Anzeichen, dass es wieder nach oben geht.

Was ist für Wien geplant? Bleibt es bei viermal pro Woche?
Hannes Steinacker: Momentan fliegen wir viermal pro Woche mit einem B787-Dreamliner. Vor der Krise waren es 17 wöchentliche Verbindungen. Wir evaluieren die Nachfrage und passen unser Produkt daran an. Wie schnell die Nachfrage zurückkehrt, hängt von den Reisemöglichkeiten und dem internationalen Stand der Infektionen ab.

Sehen Sie einen Trend zur Kurzfristbuchung?
Hannes Steinacker: Das ist nicht einfach zu beantworten. In der Krise sind die Buchungen kurzfristiger, aber auch das Airline-Produkt wird kurzfristiger angeboten. Ich bin überzeugt, wenn wieder eine gewisse Normalität einkehrt, werden die Buchungen auch wieder langfristiger.

Vorteil: Flexible Flotte

Hat ein Hub-Carrier wie Qatar Airways eine bessere Ausgangslage als eine Airline, die auf Punkt zu Punkt-Verkehr setzt?
Hannes Steinacker: Es ist ganz klar, dass der Airport Doha mit schnellem und sicherem Umsteigen ein absoluter USP ist. Ein weiterer Vorteil für Qatar Airways ist – wie erwähnt – die Flotte mit A350 und B787: Unsere hochgradig flexible Flotte ermöglicht es uns, Verbindungen zu jeder Destination nach Bedarf strategisch anzupassen.

Wird Qatar Airways Schnelltests anbieten, um schneller wieder Reisen zu ermöglichen?
Hannes Steinacker: Momentan werden keine Schnelltests angeboten und es ist auch nicht vorgesehen. Es gibt bereits viele Sicherheitsmaßnahmen am Airport. An Bord der Maschinen wird die Desinfektion mit UV-Licht durchgeführt, am Hamad International Airport mit Robotern. Bei einer möglichen Impfpflicht warten wir, ob es einen IATA-Standard geben wird, etwa einen digitalen Travel Pass. Das ist allerdings ein sehr komplexes Vorhaben, da viele Fragen zu Datenschutz, auch politische Fragen, geklärt werden müssen. Die Welt nach Corona wird sicher anders sein als davor. Viele Vorgänge werden standardisiert und globalisiert werden. Der Faktor Zeit ist am wenigsten vorhersagbar. Die Frage ist, wie lange die Pandemie noch dauern wird, ein paar Wochen oder ein ganzes Jahr?

Welche Rolle spielt der stationäre Vertrieb gegenüber dem Direktverkauf bei Qatar Airways?
Hannes Steinacker: Online, auch Online-Plattformen von Reisebüros, haben an Bedeutung in der Krise etwas zugenommen, da stationäre Reisebüros in der Zeit nicht erreichbar waren. Wir setzen auch in Zukunft auf einen gesunden Mix von Direktvertrieb und Vertrieb über klassische Reisebüros, speziell im Geschäftsreiseverkehr, da es in diesem Segment um mehr als die reine Flugleistung geht.

Was glauben Sie, wann wird sich beim Reisen wieder halbwegs Normalität einstellen?
Hannes Steinacker: Wenn ich das beantworten könnte. Ich hoffe bald. Wir sehen schon jetzt eine deutliche Erholung gegenüber dem Tiefpunkt. Als Airline sind wir aber auch abhängig von den Einreisebedingungen der Länder. Über Weihnachten gab es mehr Nachfrage, besonders nach den Malediven und den Seychellen, nach Sansibar und Tansania sowie Südafrika. In diese Länder war die Einreise mit relativ wenig Aufwand möglich. Für Thailand gibt es wieder Touristenvisa. Man sieht also eine positive Entwicklung. Zu Ostern sollten schon mehr Länder bereisbar sein.

Reiselust ist ungebrochen

Glauben Sie, dass sich das Reiseverhalten durch die Pandemie mittelfristig ändern wird? Wenn ja, in welche Richtung?
Hannes Steinacker: Das ist Spekulation. Was wird sich ändern? Die Lust zu reisen ist ungebrochen. Passagiere werden viel bewusster entscheiden, die Qualität des Reisens wird mehr geschätzt. Als 5-Sterne-Airline sind wir da gut gerüstet.

Wird es zum Wiedereinstieg ins Reisegeschehen einen Preiskampf geben?
Hannes Steinacker: Ich glaube, die Preise werden weiterhin relativ stabil sein, weil das Angebot der Nachfrage angepasst wird, auch am Gesamtmarkt. Ich sehe keine großen Veränderungen.

Was möchten Sie im ersten Jahr ihrer neuen Position umsetzen?
Hannes Steinacker: Wir wollen weiter global führend am Markt sein und schneller und mehr Destinationen anbieten können. Es wird herausfordernd bleiben, ebenso wie der Druck auf die Airline- und die Reiseindustrie. Die Vorkrisenzahlen sind nicht in ein paar Monaten erreichbar. Laut IATA-Prognose wird die Erholung dauern. Es gibt da auch keine Erfahrung aus vergleichbaren Fällen. Prognosen sind daher schwer in Zahlen zu fassen. Es wird noch eine Zeitlang dauern bis zur Erholung. Aber wir sind gut gerüstet.

Zur Person

Hannes Steinacker ist vor rd. 20 Jahren über Lauda Air in die Airline-Branche gekommen. Nach weiteren Stationen bei Austrian, Lufthansa und Lufthansa LSG wechselte er zu Qatar Airways. Seit Herbst 2020 bekleidet er – vorerst für sechs Monate – die Position des „Acting Country Managers“ für Deutschland, Österreich und die Slowakei.


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Dieter Putz

Autor/in:

Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit knapp 20 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlags-Teams. Fast jedes geschriebene Wort das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.





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