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PR in der Krise - darauf kommt es an


Hanna Kleber, KPRN, (li.) und Verena Kosnar, Kreativ Lounge
Wie kommuniziert man in Krisenzeiten - und vor allem was? Welche Nachrichten für welche Zielgruppe? 

Kommunikation ist immer wichtig, aber ganz besonders in Krisenzeiten. Getreu dem Motto „Schweigen ist Silber, Reden ist Gold“ gilt es in Phasen allgemeiner Unsicherheit, gezielt mit Informationen und Fakten an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass unterschiedliche Zielgruppen und verschiedene Kommunikationskanäle maßgeschneiderte Botschaften erfordern, zeigen die beiden PR-Expertinnen und Agentur-Inhaberinnen Hanna Kleber, KPRN in Frankfurt, und Verena Kosnar, Kreativ Lounge in Wien, in einem Gespräch mit tip-online auf.

Kommunikation ist Vertrauenssache

tip-online: Warum ist PR speziell in Krisenzeiten so wichtig?
Hanna Kleber: Jetzt ist es besonders wichtig, für den Kunden bzw. die Branche die richtigen Informationen und Fakten zu liefern, um auf Basis der aktuellen Lage einen Krisenplan für die nächsten Monate zu erstellen. Ein ausschlaggebender Faktor ist dabei das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und beratender Agentur, da hier eine nahtlose Zusammenarbeit stattfinden muss. Die Steuerung der Kommunikation intern und extern muss auf dem gleichen Level sein.
Verena Kosnar: Speziell in einer Krise ist es besonders wichtig, sichtbar zu bleiben. Offene Kommunikation ist bedeutender als je zuvor, um gezielt Informationen zu kommunizieren und das Vertrauen ins Unternehmen auch in schwierigen Zeiten zu sichern. Konsumenten sind aufgrund der aktuellen Lage und der überbordenden Informationsflut verunsichert, dadurch ist der Bedarf an guter PR höher als je zuvor. Zudem haben sie jetzt mehr Zeit als sonst, sich mit Inhalten und Themen auseinanderzusetzen. Mit aktiver Kommunikation und gezielten Marketingmaßnahmen erreicht man nun also mehr Menschen als je zuvor.

tip-online: Immer wieder hört man den Satz: Die Krise als Chance sehen. Welche Chancen ergeben sich aus dieser Krise für touristische Unternehmen?
Hanna Kleber: Jedes Unternehmen in der aktuellen Krise sollte seine Geschäftsbereiche auf Relevanz überprüfen und sich folgende Fragen stellen: Passen wir noch in die aktuellen Anforderungen? Wie sieht das Reisen in der Zukunft aus und wie kann ich als Dienstleister hier meinen Platz finden? Sind wir für neue Reisearten und für die sich daraus ergebenden Anforderungen gewappnet?
Verena Kosnar: Diese Fragen betreffen Reisebüros ebenso wie Veranstalter, aber auch uns als Berater. Jetzt ist die Zeit, sich als Unternehmen zu hinterfragen und bei Bedarf neue Strategien zu entwickeln: Wo liegen meine Stärken, wo meine Schwächen? Welche Projekte, die aufgrund von Zeitmangel bisher „geschoben“ wurden, kann ich nun realisieren?

tip-online: Was sind in der momentanen Situation die „No Go‘s“ in der Kommunikation?
Hanna Kleber: Die „No Go’s“ sind sicherlich, wenn sich das Unternehmen nicht den neuen Anforderungen und Fragen stellt und die Kommunikation nach außen verweigert, sprich, eine Abschottung gegenüber den Medien vornimmt.
Verena Kosnar: Stillstand und Schweigen sind die absoluten „No Go’s“ – sowohl im PR- als auch im Marketingbereich.

Zusammenarbeit mit Fachmedien

tip-online: Warum sollen Unternehmen speziell jetzt auf die Unterstützung durch eine Agentur setzen?
Hanna Kleber: Eine kompetente Agentur versteht sich als Partner und wird für ihren Kunden den richtigen Krisenplan erstellen, aus dem ein erfolgreicher Recovery Plan hervorgeht. Hier muss man auch auf die gute Zusammenarbeit mit den Medien vertrauen können und einen Weg gemeinsam aus der Krise finden.
Verena Kosnar: Die Krise ist genau die richtige Zeit, um sich Gedanken zu dem „Danach“ zu machen und dafür gemeinsam mit Experten Lösungen zu erarbeiten.

tip-online: Welche Kanäle für PR und Marketing sollten Unternehmen jetzt nutzen?
Hanna Kleber: Da sich die Krise leider länger hinzieht als erwartet, müssen wir alle Kommunikationskanäle nutzen. Sofortige Auswirkungen sieht man natürlich bei den Sozialen Medien, anhand derer man recht schnell Nachrichten verbreiten kann. Wer bereits gut funktionierende Kanäle mit einer großen Zahl an Followern aufgebaut hat, profitiert nun davon. Die klassischen Medien sind aber gerade für Reisegeschichten nach wie vor sehr wichtig, da in der aktuellen Zeit sogar mehr gelesen wird als vor der Krise. Die Redaktionen sind dankbar für guten Content und gutes Fotomaterial. Sehr schön zu sehen sind die aktuellen Video-Clips der einzelnen Destinationen, die zum „Jetzt träumen und später reisen“ einladen. Diese schaffen eine gute Bindung zum Konsumenten, der ja durchaus reisebereit ist.
Verena Kosnar: Mindestens genauso wichtig ist es, den Kontakt mit den Fachmedien aufrechtzuerhalten. Destinations- und Produkt-Updates sind nicht nur für den Veranstalter, sondern auch für den Vertrieb, das Reisebüro, essenziell. Die gute Zusammenarbeit mit den Fachmedien garantiert den Kunden, dass ihre Nachrichten entsprechend transportiert werden.

Keine Unwahrheiten, keine leeren Versprechungen

tip-online: Welche Fettnäpfchen gilt es zu vermeiden?
Hanna Kleber: Ganz einfach, die Unwahrheit zu sagen und Versprechungen zu machen, die man nicht halten kann.
Verena Kosnar: Das richtige Maß, das passende Thema und die richtige Formulierung sind die Gebote der Stunde. Jubelmeldungen können in solch einer Ausnahmezeit ebenso in den falschen Hals gelangen wie unpassende Angebote. Man sollte bei der Kommunikation generell nie aus den Augen verlieren, was die Menschen bewegt, und in Krisenzeiten noch weniger.

tip-online: Wie kann Reisen in Zukunft aussehen?
Hanna Kleber: Ich denke, dass die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit stärker in den Fokus rücken werden. Der Jahresurlaub wird bleiben, vielleicht sinken die Kurzurlaube und Städtereisen, um hier einerseits nachhaltiger, andererseits auch Budget schonender zu sein. Die Flugkapazitäten werden in der Zukunft entsprechend anpasst werden, was das Ticket und somit auch die Reise an sich teurer werden lässt. Das Produkt Reisen muss wieder mehr geschätzt werden.
Verena Kosnar: Ich hoffe, die Branche ergreift die Chancen, die sich aus dieser beispiellosen Krise ergeben: Weg vom billigen Massentourismus und der „Geiz ist geil“-Mentalität, hin zum nachhaltigeren Reiseerlebnis. Der wohlverdiente Urlaub sollte wieder eine Wertigkeit haben und nicht zu einem Ramschprodukt verkommen. Die große Herausforderung dabei: Dies gilt es auch nachhaltig im Bewusstsein des Konsumenten zu verankern. (red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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