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LH: Interne Konflikte befeuern Flugchaos weiter


Lufthansa
Während die Interessenvertreter des Personals in Cockpit, Kabine und am Boden ein Ende des Sparkurses fordern, beschwört der Lufthansa-Aufsichtsratschef zu "Zusammenhalt" um "den Schlamassel in den Griff zu kriegen."

Lufthansa-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley hat angesichts interner Konflikte bei der Airline durch chaotische Zustände im Sommerreiseboom den Zusammenhalt beschworen. "Entweder wir verlieren gemeinsam oder wir gewinnen zusammen", erklärte Kley in einem im Intranet der AUA-Mutter Lufthansa veröffentlichten Interview, das Reuters am Mittwoch vorlag. Die Lage sei äußerst schwierig und extrem angespannt wie noch nie. "Und das macht auch die Entwirrung der Fäden so schwierig."
Doch wenn es nicht gelinge, zusammen mit Flughäfen und Dienstleistern den Betrieb zu stabilisieren und die unter Ausfällen und Verspätungen leidenden Kunden zufriedenzustellen, "können wir uns Gedöns sparen." Den öffentlich gewordenen Brandbrief der Lufthansa-Personalvertretungen, die über drei Seiten dem Vorstand schwere Vorwürfe wegen des Sparkurses in der Corona-Krise machen, erwähnte Kley nicht.

Mitarbeiter fordern Ende des Sparkurses 

Die Interessenvertreter des Personals in Cockpit, Kabine und am Boden forderte in dem Schreiben an den Aufsichtsrat, das Reuters vorlag, ein Ende des Sparkurses und des aus ihrer Sicht herrschenden Missmanagements. Der Aufsichtsrat müsse auf eine konstruktive Personalführung hinwirken, bei der Wertschätzung "nicht in Floskeln endet, sondern auch so gemeint und gelebt wird." Die Geschäftsführung müsse Rahmenbedingungen schaffen, damit alle Mitarbeiter wieder zu maximaler Leistung bereit wären. Die Personalvertreter sehen danach auch den Vorstand als Mitverursacher für das imageschädigende Flugchaos wegen zu harten Personalabbaus. Die Lufthansa wollte zu dem Brief keine Stellung nehmen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verweist als Ursachen dagegen in erster Linie auf Probleme der Flughäfen und Bodendienste. Er entschuldigte sich kürzlich aber dafür, dass die Lufthansa selbst an der ein oder anderen Stelle zu viel gespart habe. Die Mitarbeitervertretungen zeichnen derweil ein verheerendes Bild der Lage bei der Airline. Fast überall sei nach dem Stellenabbau, zu dem sich die Lufthansa wegen des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise gezwungen sah, zu wenig Personal an Bord für die starke Geschäftserholung in diesem Sommer. Der Ärger über das Management ist dem Schreiben zufolge groß: Seit Jahren sei das Verhältnis des Konzernvorstandes zu seinen Beschäftigten belastet und nach Kündigungsdrohungen nachhaltig beschädigt.

In dem Brief lehnen sich die Repräsentanten der Beschäftigten gegen den Sparkurs auf, den das Management mit Blick auf ein Renditeziel von mindestens 8% bis 2024 verfolgt. Dafür sollen 1,8 Mrd. EUR Personalkosten eingespart werden, wovon ein Großteil schon umgesetzt ist. Personalvertreter und Gewerkschaften sollten "zur Kapitulation gezwungen werden", um die Kosten zu drücken, warfen die Personalvertreter dem Management vor.
"Gerade das angeblich viel zu teure Personal hat in der Vergangenheit alle durch den Sparwahn hervorgerufenen Missstände ausgebügelt und vor dem Kunden kaschiert", hieß es in dem Brief weiter. Dazu sei es bei der jetzigen Überlastung nicht mehr in der Lage. "Ein Dienstleistungsunternehmen, welches in dieser Art und Weise gegen das eigene Personal geführt wird, hat keine Zukunft."

"Schlamassel in den Griff kriegen"

"Für unsere Mitarbeiter am Boden und in der Luft ist die Situation grauenvoll", erklärte Kley weiter. Ihm seien unerträgliche Berichte der Beschäftigten von Aggressionen und teilweise sogar körperlichen Attacken von Fluggästen, "von Verzweiflung und Tränen, von Hilflosigkeit bei gleichzeitiger Loyalität zu unserer Lufthansa" bekannt. Bei der Personalplanung seien Fehler gemacht worden, räumte auch der oberste Unternehmenskontrolleur ein. Der Aufsichtsrat sei davon überzeugt, die jetzt eingeleiteten Maßnahmen wie Flugstreichungen und zusätzliches Personal wären erfolgreich. Unterschiede in der Sichtweise im Unternehmen hätten über Jahrzehnte ihren Nährboden gefunden. "Sollen wir aber unsere Kraft jetzt da rein setzen, das alles hier und heute aufzuarbeiten? Aus meiner Sicht nein. Jetzt müssen wir erst einmal den Schlamassel in den Griff kriegen." (APA / red) 


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Foto: privat

Autor/in:

Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.





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