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Laszlo Dernovics, DZT: Der Wettbewerb wird härter werden


Laszlo Dernovics, Leiter der Auslandsvertretung Österreich und Slowakei und Regional Manager Südosteuropa der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. - Foto: Foto: DZT / Philipp Lipiarski
In einem schriftlichen Interview äußert sich Laszlo Dernovics, Leiter der Auslandsvertretung Österreich und Slowakei und Regional Manager Südosteuropa der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V., zur Lage des Incoming-Tourismus in Deutschland aus dem österreichischen Markt sowie einigen anderen Themen. 
 

Bereits das sechzehnte Mal in Folge erzielten die Übernachtungszahlen österreichischer Gäste in Deutschland im Vorjahr einen neuen Rekordwert. Noch Anfang des Jahres 2020 hatte es ganz so ausgesehen, als ließe sich der Erfolgskurs fortschreiben. Die Lockdown-Monate bescherten Einbrüche von über 90%, jedoch verringerte sich das Minus über das erste Halbjahr gerechnet auf 57% gegenüber dem Vorjahr. Was der Sommer gebracht hat, wie die Prognosen revidiert werden mussten und wie die DZT versucht, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, erklärt Laszlo Dernovics.

Fragen & Antworten

tip-online: Die Zahl der österreichischen Gäste in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Kannst du uns dazu ein paar Zahlen liefern?
Laszlo Dernovics: Seit 2006 konnte sich das Übernachtungsvolumen aus der Alpenrepublik fast verdoppeln. Mit seiner hervorragenden Markenpositionierung und einem facettenreichen Angebot empfiehlt sich Deutschland im Jahresrückblick für österreichische Gäste als etabliertes Urlaubsreiseziel. Im Gesamtjahr 2019 kann Deutschlands Übernachtungsvolumen aus Österreich, dem fünfstärksten Quellmarkt für den Incoming Tourismus, mit über 4,3 Mio. Übernachtungen (plus 3,2%) zum sechzehnten Mal in Folge ein Rekordergebnis bilanzieren.

tip-online: Wie ist das erste Halbjahr 2020 verlaufen, allgemein und in Hinblick auf österreichische Reisende?
Laszlo Dernovics: Zu Beginn des Jahres 2020 konnte im Januar ein Plus von 3,7% und im Februar ein Plus von 7,1% bei den Übernachtungen aus Österreich vermeldet werden, bevor noch im März das Reiseaufkommen aufgrund der wegen der Corona-Pandemie erlassenen Reisebeschränkungen stagnierte.

Für das erste Halbjahr 2020 meldete das Statistische Bundesamt aus Österreich ein Minus von 57,5% im Vorjahresvergleich nach Verlusten von 91,9% beziehungsweise 88,4% in den Lockdown-Monaten April und Mai. Für den gesamten Incoming-Tourismus meldete das Statistische Bundesamt im Juni ein Minus von 79,6% im Vorjahresvergleich nach Verlusten von 93,1% beziehungsweise 91,0% in den Lockdown-Monaten April und Mai.

Österreich bleibt "Quick Recovery-Markt"

 

tip-online: In der Jahrespressekonferenz habt ihr Österreich noch zu den „quick recovery-Märkten“ gezählt. 56,9% des Überachtungsvolumens von 2019 bis Jahresende galt als realistisch. Wird diese Prognose halten?
Laszlo Dernovics: Die Öffnung zahlreicher Grenzen in Europa kurz vor Beginn der Feriensaison hat dem internationalen Tourismus nur ein kurzes Aufatmen inmitten der Corona-Krise ermöglicht. Von einer Erholung im Incomingtourismus können wir aber nach wie vor nicht sprechen. Erfreulich ist jedoch, dass Österreich nach der aktualisierten Prognose des Instituts Tourism Economics (TE) auch weiterhin unter den TOP 5 quick recovery-Märkten liegt.

tip-online: Mit welcher Entwicklung rechnet ihr in den kommenden Monaten?
Laszlo Dernovics: Aus unserer Sicht bleibt die Marktlage in den kommenden Monaten für den gesamten Incoming-Tourismus volatil, die Situation disruptiv: Seit dem Ende der Sommerpause werden wieder zunehmend Reiseregionen und -länder zu Risikogebieten erklärt - auch in wichtigen Quellmärkten für das Deutschland-Incoming, wie z.B. Österreich. Zahlreiche deutsche Städte sind ebenfalls mit steigenden Fallzahlen konfrontiert. Zunehmende Regulierungen in vielen Bundesländern, wie das aktuelle Beherbergungsverbot, dämpfen die Reiselust eindeutig.

Gerade hat Tourism Economics seine im Auftrag der DZT erstellte Szenario-Rechnung von Anfang Juni aktualisiert. Die Prognose fällt im Oktober pessimistischer aus als vor vier Monaten: Für das Gesamtjahr 2020 erwarten die Analysten jetzt einen Rückgang der Übernachtungszahlen um 51,2 Mio. und einen Verlust bei den touristischen Konsumausgaben von 18,7 Mrd. Euro.

Investitionen in Qualität und Nachhaltigkeit

 

tip-online: Was macht die DZT, um die Reiselust wieder zu anzukurbeln?
Laszlo Dernovics: Die Frage nach einer zukunftsorientierten Ausrichtung des Auslandsmarketings in der Krise und darüber hinaus ist die strategische Weichenstellung, die wir in der DZT derzeit vorantreiben. Zukunftsorientiertes Marketing zielt aber nicht nur auf Absatz ab, sondern auch auf langfristige Kundenbindung und die Betonung der Stärken der Marke Reiseland Deutschland. Die Recovery-Strategie für das Deutschland-Incoming kann nur aufgehen, wenn die Marke im Gespräch und im Bewusstsein der Kunden bleibt. Dann besteht eine reelle Chance, die Krise nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Im engen Schulterschluss mit vielen Akteuren im Tourismus arbeiten wir mit Hochdruck am Recovery-Prozess. Die kommenden Jahre werden herausfordernd sein, um an alte Erfolge im Incoming wieder anschließen zu können. In Bezug auf Potenzial für Neukunden im Urlaubssegment haben wir als attraktives Reiseziel in Europa alle Chancen, weiter zu wachsen. Der Wettbewerb wird härter werden - Investitionen in Qualität und Nachhaltigkeit, aber auch in Technologie und Digitalisierung werden entscheidend sein, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Nicht zuletzt deshalb setzen wir unsere Marktbearbeitung auch im Krisenmodus fort. Seit September haben wir neben Endkundenkampagnen wieder B2B-Workshops und Presseveranstaltungen realisiert.

tip-online: Was spricht für einen Urlaub in Deutschland?
Laszlo Dernovics: Gerade die Markenwerte des Reiselandes Deutschland, die in der Vergangenheit unter anderem schon für Glaubwürdigkeit, Verantwortung und Sicherheit standen, sind in der verschärften Wettbewerbssituation der Destinationen essenziell. Unser Ansatz ist, potenzielle Reisende zu informieren, Empathie zu schaffen und zu inspirieren. Wir wollen nicht nur Touristen anwerben, sondern dauerhaft Kunden binden. Deshalb wirbt die DZT seit Beginn der Krise antizyklisch verstärkt und mit einem besonderen Schwerpunkt auf zukunftsträchtigen Nachhaltigkeitsthemen für das Reiseland Deutschland.  

tip-online: Mecklenburg-Vorpommern wird als eine der Haupturlaubsregionen präsentiert – womit punktet das Bundesland?
Laszlo Dernovics: Mit der Kampagne #WanderlustGermany“ stellt die DZT gemeinsam mit dem Premiumpartner Mecklenburg-Vorpommern hochwertige Aktivangebote mit den Kernaktivitäten Wandern und Radfahren in außergewöhnlich vielfältigen Naturregionen des Reiselandes Deutschland in den Mittelpunkt. Die Urlaubsregion zwischen Seenplatte, Ostseeküste und den unberührten Inselparadiesen überrascht und begeistert mit all ihren Facetten!

tip-online: Bis wann rechnet die DZT damit, die Zahlen von 2019 wieder zu erreichen?
Laszlo Dernovics: Nach Ansicht der Experten kann sich der Recovery-Prozess als langwieriger darstellen als bisher vorhergesagt. 2023 würden demnach nur 86,4% des Niveaus der 2019er Übernachtungen erreicht werden. Die Corona-Krise wird für das Incoming also länger dauern als noch zu Anfang des Sommers von Tourism Economics TE analysiert. Neben der zeitlichen Verzögerung zeichnen sich auch vielfältige Veränderungen in der Nachfragestruktur ab. (red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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