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Grenzen im Kopf


Ich liebe es, in Österreich Urlaub zu machen. Ich liebe die Landschaft, die Seen und Flüsse, die Wälder, in Maßen die Berge (muss man denn immer überall rauf?), noch lieber die Weinberge.

Christiane Reitshammer

... Die Restaurants, Bars, Wirtshäuser und Jausenhütten, die guten Produkte aus der Natur, der Landwirtschaft, aus den Gärten, Brauereien und Kellern… Die Museen, die Schlösser und Burgen, die Festivals… Wirklich, ich bin begeistert! Das war nicht unbedingt immer so. Denn wenn man jung ist – oder zumindest noch jünger als ich gerade bin -, dann will man weg. Weit weg möglichst. Andere Länder und Kulturen und Landschaften und alles was dazugehört kennen lernen. Und ich hatte bereits das Glück, sowohl privat und noch viel mehr mit meiner Arbeit, viele Regionen der Welt zu bereisen. In den vergangenen Jahren (Stichwort: Alter!) habe ich aber auch immer wieder bewusst Ziele in Österreich ausgesucht, ganz nach dem Motto: Das Gute liegt so nah. Und wurde eigentlich nie enttäuscht. Aber das Reise-Gen ist in mir, und darum werde ich auch wieder weiter wegfahren. Wenn es dann soweit ist, die nächsten Monate ja leider nicht.

Dass die Regierungsmitglieder nun vehement den Österreich-Urlaub propagieren, ist wichtig und vernünftig, aber auch naheliegend, denn richtig große Wahl haben wir ohnehin nicht. Die österreichischen Betriebe müssen rasch wieder auf die Beine kommen, Hotels, Privatvermieter, Gastronomie, Zulieferer, Werkstätten, Geschäfte, Busunternehmen, Fremdenführer und und und. Die Menschen brauchen nicht nur ein Einkommen, sondern auch eine Beschäftigung, die Sinn und im besten Fall auch Freude machen. Alle diese Unternehmen brauchen die Unterstützung. Nicht nur jetzt, sondern eigentlich immer. Österreich-Urlaub ist toll! Das wissen nicht zuletzt auch Millionen Menschen, die jedes Jahr zu „uns“ kommen. Und auch die werden in naher Zukunft hierzulande wieder erwünscht sein (genauso wie die „Wiener“ im Ausseerland, am Attersee und in Kritzendorf. Aber das ist eine andere Geschichte).

Irritiert bin ich dennoch, so wie viele Leute aus der Reisebranche, wenn ich die Statements der Regierung (respektive „Tourismus“-Ministerin Köstinger, Außenminister Schallenberg) lese oder höre. Für mich kommt da diese „Österreich zuerst“-Ideologie deutlich durch. Zuerst auf die „eigenen Leute“ schauen und dann eventuell auf die „anderen“ (also die im Ausland, in jedem anderen Land). Sprich: Kein Geld ins Ausland tragen. Dass im selben Atemzug auf eine ganze (Reise-)Branche „vergessen“ wird, wie jetzt schon mehrmals hingewiesen wurde, nämlich auf, ja, österreichische Betriebe, Reisebüros, Reiseveranstalter usw., Menschen, die hier leben, arbeiten, sich was aufgebaut haben, ist mehr als befremdlich. All diese Firmen sind dafür verantwortlich, dass sie Menschen, die – wiederum - in Österreich leben, in andere Länder bringen – oder nach Österreich -, sie sicher wieder heimbringen, ihnen ihren Traumurlaub in welcher Form auch immer ermöglichen. Viele Menschen, die eben nicht nur innerhalb der Grenzen Österreichs, so sehr wir das Glück haben, hier leben und auch noch Ferien machen zu können, verweilen wollen („Dahoam is’s eh so schen“), sondern auch noch andere Wünsche und Bedürfnisse haben. Wenn es diese Firmen aber in Zukunft nicht mehr gibt – was dann? Es zeigt sich immer wieder, nur in seinen eigenen Grenzen zu denken, ist für alle schädlich.

Christiane Reitshammer / www.textkitchen.at


  kommentar, corona, österreich, ausland, inland


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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