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Reisefreiheit – Wunsch und Wirklichkeit


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Die Aussage von Kanzler Kurz, dass die Reisefreiheit erst mit Verfügbarkeit einer Impfung gegen CoVid 19 wieder möglich sei, sorgt für Ernüchterung. Und Verunsicherung.

„Man könne nichts schönreden“, so der Kanzler in seiner Absage an „die Reisefreiheit, wie wir sie kennen“. Auch wenn die Regierung inzwischen wieder etwas zurückgerudert ist, die Verunsicherung in der Branche und bei den Konsumenten bleibt.

tip-online hat zwei Interessensvertreter der Reisebranche, Helly Hirner, ÖVT, und Josef Peterleithner, ÖRV, befragt, wie sie die Aussage des Kanzlers sehen und welche Szenarien – eine schlechtestes und ein bestes – sie sich vorstellen können. Auch wenn der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit in manchen Bereichen noch einem ziemlichen Spagat gleichkommt, die Richtung zeichnet sich ab: Ähnlich wie bei der schrittweisen Wiedereröffnung des Handels muss es auch bei Ländern und Regionen ein sukzessives Vorgehen geben. Nur so ist Planbarkeit gegeben, für die Leistungsträger und Reisebüros ebenso wie für Konsumenten.

3 Fragen

tip-online: Geht es nach Kanzler Kurz, gibt es Reisefreiheit erst wieder, wenn es eine Impfung gibt. Wie siehst du das?

Helly Hirner: Das ist natürlich harter Tobak. Ich denke aber, dass es im Grunde zwangsläufig richtig ist weil a) eine Reisefreiheit nichts bringt, wenn in anderen Ländern die Fallzahlen immer noch hoch sind, eine Ansteckung mit dem Virus und der spätere „Import“ nach Österreich möglich ist und b) viele Reisende Ihre Freiheit nicht nutzen würden, wenn es mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Aber und das führt uns zu Deiner zweiten Frage.

Josef Peterleithner: Die Aussage muss man jetzt so hinnehmen, weil sie bereits getätigt wurde. Aber sie darf so nicht stehenbleiben, sie ist zu pauschal. Damit hat die Regierung der Branche und den Konsumenten ganz klar keinen guten Dienst erwiesen. Wenn wir heute von einem Stufenplan für die Wiedereröffnung der Geschäfte sprechen, dann erwarte ich mir das auch für die bereisbaren Länder und Regionen. Es können nicht alle Länder in einen Topf geworfen werden. Es braucht laufende Evaluierungen. Die Branche braucht Planungssicherheit und eine Vorlaufzeit für ein Produkt.

tip-online: Was ist das Worst Case-Szenario? Und welche Konsequenzen würde das für die Reisebranche haben?

Helly Hirner: Wenn die Reisefreiheit über den Sommer hinweg wirklich so eingeschränkt bleiben wird, dann werden wir Tausende österr. Unternehmen mit 10.000en Arbeitsplätzen verlieren. Außer die Regierung erarbeitet mit den Branchenvertretern (WKO, ÖRV und wir als ÖVT) gemeinsam eine Lösung. Eine Lösung die nicht nur aus Haftungen und Stundungen bestehen darf, sondern auch Entschädigungen beinhaltet, wie sie im ursprünglichen Epidemie Gesetz vorgesehen waren.

Josef Peterleithner: Wenn die Entscheidung erst im Juni getroffen wird, dass man ab Juli wieder reisen kann. Dann wird es sich für viele Hotels gar nicht mehr auszahlen, für eine kurze Saison von nur zwei Monaten den Betrieb wieder hochzufahren. Dann würde es keine Sommerreisen geben und die Reisetätigkeit erst im Winter wieder beginnen. Wie sollen Reisebüros und Veranstalter das finanziell überstehen? Derzeit kann auch noch nicht beurteilt werden, wie und wann die Wirtschaft wieder anläuft.

tip-online: Was ist das Best Case-Szenario? Und welche Konsequenzen würde das für die Reisebranche haben?

Helly Hirner: Am besten für uns alle (Unternehmer und Konsumenten) wäre es, wenn es zeitnah gute Medikamente und bald darauf Impfungen geben wird. Nur dann werden die Leute wieder reisen wie vor der Krise. Die Reisebranche wird in Konsequenz 1) dringend an den Bestimmungen des PRG arbeiten müssen. Dieses sieht einfach keine realistischen Lösungen für Pandemien für Unternehmer vor. Denn, „alles zurückzahlen“ ist ein frommer Wunsch, in der Praxis aber unmöglich (in unserem Erklärungsvideo auf www.oevt.eu zeigen wir warum) und 2) Reisebüros und Reiseberater werden endlich anfangen müssen, ihre Arbeitsleistungen fair und nachvollziehbar zu verrechnen und das einheitlich für die ganze Branche.

Josef Peterleithner: Der beste Fall wäre, wenn Österreich das Virus gut im Griff hat und auch einzelne andere Länder. Dann braucht es eine laufende Evaluierung und eine sukzessive Freigabe der Reisemöglichkeiten, so wie auch die Reisebeschränkungen schrittweise eingeführt wurden. Eine Freigabe kann es auch nur für einzelne Regionen geben. Wichtig ist, dass jetzt schnell Entscheidungen getroffen werden, etwa bezüglich der Gutschein-Regelung, eines Lohnsteuererlasses u.a. Davon sind alle in der Branche betroffen, egal ob Ketten- oder kleine Einzel-Büros. (red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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