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Das Coronavirus und die Auswirkungen auf den Tourismus


Krankheiten belasten das Reisegeschäft
Strengere Reisevorschriften in China lassen in manchen Regionen das Tourismus-Geschäft schwächeln. Auch in Österreich erwartet man dadurch einen Rückgang.

Mit drastischen Reisebeschränkungen versuchen die chinesischen Behörden, den Erreger im Zaum zu halten, durch den bereitszahlreiche Menschen gestorben sind. Urlaubsorte in Japan, Thailand und auch in Australien spüren bereits erste Folgen. Die Touristiker in Europa sind ebenfalls in Alarmstimmung.

Chinesische-Reisende am Vormarsch

Denn Reisen ins Ausland erleben bei den Chinesen einen wahren Boom: Seit 2003 hat sich die Zahl der Chinesen, die im Ausland Urlaub machen, nach Angaben der Forschungsfirma Capital Economics fast verzehnfacht. Allerdings weckt die Epidemie Erinnerungen an den gefährlichen SARS-Erreger, der in den Jahren 2002 und 2003 dem Tourismus in Asien schwer zusetzte. Damals schrumpfte die Zahl der chinesischen Touristen um ein Drittel. Urlaubsziele, die zahlreiche Touristen aus China erwarten, trifft der Ausbruch des neuen Coronavirus schon jetzt.

PATA-Länder alarmiert

Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein für Südostasien. Zum Beispiel kommt mehr als ein Viertel der ausländischen Urlauber in Thailand aus China. Das Tourismusministerium in Bangkok warnte wegen des Coronavirus bereits vor einer Krise, die das Land schätzungsweise 1,6 Mrd. USD (1,45 Mrd. Euro) kosten könnte. Auf der Insel Phuket seien die ersten Folgen spürbar. „Seit zwei Tagen sind die Geschäfte und die Strände verwaist", sagt Claude de Crissey, dem dort ein Hotel mit 40 Zimmern und einem Restaurant gehören. Phuket habe sich „fast ausschließlich" auf Touristen aus China konzentriert. „Wenn es so weitergeht, wird das auf uns alle Auswirkungen haben."

Das wird auch in Australien der Fall sein, das ohnehin schon unter den Folgen der verheerenden Buschbrände leidet. Innerhalb von sechs Jahren hat sich dort die Zahl der chinesischen Urlauber bis Juni 2019 verdoppelt. 15% der ausländischen Touristen stammen aus China.

Die Branche sorgt sich deshalb länderübergreifend um ihre Zukunft. Für den Vorsitzenden des Pazifischen-Asiatischen Reiseverbands PATA , Mario Hardy, sei es schwer abzuschätzen, wie lang die Krise um das Coronavirus noch andauert: „Das hängt davon ab, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickelt."

Der Ausbruch des Coronavirus hat auch in Japan bereits seine Spuren hinterlassen: Nicht nur, dass die Zahl der Einreisen von Gästen aus China – immerhin 8,4 Millionen im Jahr 2018 – einbrechen, sondern auch die damit erwarteten Umsatz-Einbußen machen sich bereits bemerkbar. Die Aktienkurse der bei Chinesen beliebten Kosmetikfirma Shiseido und des Mutterkonzerns der Modekette Uniqlo, Fast Retail, brachen am Montag um mehr als 5% ein.

Virus geht an Europa nicht spurlos vorüber

Auch in Europa ist die Tourismusbranche in Alarmstimmung ob des neuartigen Virus, wenngleich es noch zu früh ist, Auswirkungen in Zahlen zu sehen. In Wien erwartet der Stadt-Tourismus einen Knick bei den Buchungen von chinesischen Gästen, zumal ja Peking am Freitag ein Verkaufsverbot von Pauschalreisen ins In- und Ausland erlassen hat. Zudem sind laut Medienberichten seit heute, Montag, alle Gruppenreisen aus China ins Ausland untersagt. Der WienTourismus sei aber breit aufgestellt, wirbt in 17 Märkten, daher werde ein Buchungsrückgang verkraftbar sein. Im bei Chinesen beliebten Salzkammergut-Ort Hallstatt merke das Tourismusbüro ebenfalls noch nichts vom Coronavirus, wie es zur APA hieß.

AUA erwartet spürbaren Rückgang und „muss“ umbuchen

Bei den Austrian Airlines (AUA) werde man die Auswirkungen des jüngst verhängten Reiseverbots chinesischer Reisegruppen durchaus spüren, sagte ein AUA-Sprecher zur APA. Ob in Folge auch Flüge nach und aus der Volksrepublik reduziert werden müsse, könne man derzeit noch nicht sicher sagen. Bisher fliegt die AUA neunmal wöchentlich nach China, davon sind fünf Peking- und vier Shanghai-Verbindungen. Das Bordpersonal, das für die AUA nach China fliegt, sei über die Situation informiert worden und habe Verhaltensempfehlungen bekommen - beispielsweise häufiges Händewaschen, nur durchgegartes Fleisch essen und nach Möglichkeit das Hotel in China nicht verlassen.

Die Lufthansa Group – also auch die AUA - bietet Passagieren wegen des Coronavirus eine kostenlose Umbuchung von Flügen von und nach China an. Dies war eine Anordnung der chinesischen Regierung, wie die AUA der APA am Montag bestätigte.

Outgoing und Incoming sind verschiedene Paar Schuhe

In den heimischen Reisebüros herrsche indessen so etwas wie Ruhe vor dem Sturm. „Unsere Reisebüros spüren momentan noch nichts von den Auswirkungen des Coronavirus. Sollte sich der Virus im asiatischen Raum weiter ausbreiten, wird es wahrscheinlich Auswirkungen auf Asien-Buchungen geben", so Sarah Peters vom Reisebüro Mondial zur APA. Im Incoming-Bereich sehe die Situation bei Mondial schon jetzt dramatischer aus. "Die chinesische Regierung hat veranlasst, dass keine Reisegruppe das Land verlassen darf, bis sich die Situation beruhigt hat. Da China einer unserer wichtigsten Märkte im Incoming-Bereich ist, bei dem wir über 1 Mio. EUR Umsatz im Jahr machen, würde uns das sehr treffen, wenn die Situation mehrere Monate anhalten würde." (APA/red)


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Dieter Putz

Autor/in:

Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit knapp 20 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlags-Teams. Fast jedes geschriebene Wort das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.




Touristiknews des Tages
8 April 2020


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