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ÖRV: "Kundendaten bleiben im Reisebüro"


TUI SMS-Assistent
In einem offenen Brief an Lisa Weddig, Geschäftsführerin TUI Österreich, spricht sich der ÖRV klar gegen die Einführung des „SMS Assistenten“ der TUI aus.  

In dem Brief heißt es sinngemäß, dass alle Mitglieder des ÖRV-Touristikausschusses - mit Ausnahme der TUI Reisecenter – die Einführung des TUI SMS-Assistenten ablehnen. In den vergangenen Tagen hatte die TUI das neue Tool - tip-online berichtete - als Kommunikationsmittel im Krisenfall sowie bei Transfers am Urlaubsort vorgestellt. Laut AGB habe sich die TUI verpflichtet, die Mobilnummern nicht für Werbezwecke zu verwenden, hatte Lisa Weddig, Geschäftsführerin TUI Österreich, gestern bei der Präsentation des Winterprogramms unterstrichen.

Bereits vor einigen Wochen hatte in Deutschland RTL-Chef Thomas Bösl gefordert, dass „die Kundendaten im Reisebüro bleiben müssen“. Von Seiten der TUI war bis Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme eingelangt. Der ÖRV rät seinen Mitgliedern von der Verwendung des SMS-Assistenten dezidiert ab, weist aber gleichzeitig auf die Bedeutung der gemeinsamen Kundenansprache - etwa mit einer Vermarktungspartnerschaft - hin. 

Der Brief im Wortlaut

 

Sehr geehrte Frau Weddig, liebe Lisa,

Eure Vertriebsinformation über den neuen SMS-Assistenten als neues Instrument im Krisenfall hat beim stationären Vertrieb für einige Unruhe gesorgt. Ausgenommen der TUI Reisecenter haben alle Mitglieder des ÖRV Touristikausschusses erklärt, sich an dieser Aktion nicht zu beteiligen und sie werden euch daher die Kundendaten nicht zur Verfügung stellen.

Offensichtlich wirkt auch Monate später die Aussage Eures Vorstandvorsitzenden, den TUI Direktvertrieb auf 80 % zu steigern, nach. Das schon in Deutschland von RTK-Geschäftsführer Thomas Bösl ausgegebene Motto „Kundendaten bleiben im Reisebüro“ gilt auch in Österreich. Es besteht grundsätzlich kein Zweifel, dass auch aufgrund der Konkurrenz der OTAs sowohl die Veranstalter und die Reisebüros ständig an der Verbesserung der Kundenansprache arbeiten müssen.

Hierbei gibt es grundsätzlich 2 Varianten. Variante 1: Der Reiseveranstalter schreibt direkt den Kunden an und bindet den stationären Vertrieb ein. Variante 2: Das Reisebüro schreibt dem Kunden selbst und beteiligt den Veranstalter. Der stationäre Vertrieb hat sich unisono für die Reisebürovariante entschieden, nicht nur aus Misstrauen, sondern auch um flexibel zu bleiben.

Grundsätzlich sind die Reisebüros der Meinung, dass sie gerade im Krisenfall sehr gut aufgestellt sind und in diesem Moment die Präsenz und das professionelle Service des Reisebüros vom Kunden wahrgenommen wird und als Mehrwert geschätzt wird.

Der Vollständigkeit halber wird noch erwähnt, dass die Verwendung der Kundendaten durch den Veranstalter außerhalb des Krisenfalles, der ja wohl nicht der Regelfall ist, für die Reisebüros völlig offen ist und sich auch jeglicher Kontrolle entzieht.

Zum Thema Misstrauen darf ich noch hinzufügen, dass nicht nur die Aussage des TUI Vorstandsvorsitzenden, sondern auch einige Maßnahmen im Rahmen der TUI Direktvertriebsaktivitäten in den vergangenen Jahren dieses Misstrauen verstärkt haben. Mehrmals wurde der Verdacht geäußert, dass die TUI mit diesen Maßnahmen versucht hat, Kundenströme an den stationären Reisebüros vorbei in die eigenen TUI Reisecenter zu lenken.

Wir werden daher aus der Sicht des ÖRV unsere Mitglieder informieren, dass wir eine Teilnahme beim TUI SMS-Assistenten nicht für sinnvoll halten. Es ist uns aber durchaus bewusst, dass wir alles unternehmen müssen, die gemeinsame Kundenansprache zu verstärken.

Es würde daher durchaus Sinn machen, an einer neuen Vermarktungspartnerschaft zu arbeiten, bei der die digitalen Möglichkeiten mit dem persönlichen Wissen des Counters verbunden werden. Es muss aber von vornherein klar sein, dass die Kundendaten als Kapital im Reisebüro bleiben. Vielleicht ergibt sich bei den in Kürze startenden Veranstalterjahresgesprächen mit dem Vertrieb, eine Möglichkeit, auch dieses Thema zu besprechen.

Mit bestem Gruß

Dr. Walter Säckl

ÖRV Generalsekretär


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.




Touristiknews des Tages
18 August 2019


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