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Flugstreichungen: DACH-Verbände fordern Entschädigung


Foto: Pung / shutterstock.com
Das aktuelle Flugchaos beschert den Reisebüros enormen Mehraufwand. Daher fordern die Interessensvertretungen ÖRV, SRV und DRV nun von der Lufthansa-Gruppe einen Kostenersatz. 

Die Ausgangslage ist bekannt: In den mehr als zwei Jahren Pandemie haben Airlines und Airports ihre Personaldecke weitgehend ausgedünnt. Gleichzeitig ist der Nachholbedarf bei Reisen seit dem Frühjahr sprunghaft angestiegen.

Die Lufthansa Gruppe hat für die Sommer-Monate die Streichung tausender Verbindungen angekündigt. Hinzu kommen stark steigende Coronazahlen, die naturgemäß auch Flug- und Bodenpersonal betreffen. Aktuell erreichen die Krankenstände bei der Lufthansa bis zu 30%, „bedingt durch Corona, aber auch durch Überlastung“, so ein Konzernsprecher. Vor allem beim Bodenpersonal seien die krankheitsbedingten Ausfälle stark angestiegen.

Am Frankfurter Flughafen blieben derzeit täglich rd. 5.000 Koffer von Lufthansa-Passagieren liegen. Teilweise wird das Gepäck per LKW von verschiedenen deutschen Flughäfen nach München transportiert, wo nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums ebenfalls rd. 5.000 Gepäckstücke verschiedener Airlines noch nicht zugestellt werden konnten.

Gespräche am Laufen

Bereits seit Wochen laufen Gespräche von ÖRV, SRV und DRV mit der Lufthansa-Gruppe. Verhandlungsgegenstand ist eine Entschädigung des stationären Vertriebs für den Mehraufwand, der durch die zahlreichen Streichungen entsteht. Allein in den vergangenen Wochen seien bei der Lufthansa rd. 5.000 Flüge gestrichen worden. Auch Eurowings und Swiss reduzieren ihr Flugangebot deutlich. Austrian versuche, so der ÖRV, zumindest das Charter-Angebot wie angeboten durchzuführen. Dafür werden Städteflüge, die mehrmals am Tag bedient werden, gestrichen. Sehr zum Ärger der wieder reisefreudigeren Business Traveller, die zumindest in Deutschland wegen des Personalmangels vorübergehend auch auf die "Fast Lanes" verzichten müssen.

Für Reisebüros und Veranstalter bedeutet beides zeitlichen und finanziellen Mehraufwand, zumal auch die Call Center der Lufthansa Group komplett überlastet sind.

„Die Reisebüros sehen sich durch diese Ressourcen-Engpässe gezwungen, immer mehr Aufgaben von den völlig überforderten Callcentern zu übernehmen, um die Kunden vertragskonform betreuen zu können“, heißt es in einer Aussendung des ÖRV. 

„Aus diesem Grund fordern DRV, SRV und ÖRV eine Abgeltung dieses Mehraufwandes bei den von Flugstreichungen betroffenen Buchungen,“ erklärt ÖRV-Generalsekretär Walter Säckl.

Die betroffenen Flüge könnten im Nachhinein im BSP objektiviert und dann gesammelt der Airline jeweils am Ende des Monats ein Betrag in Rechnung gestellt werden.

Frankfurt reduziert Flugbewegungen

Um das anhaltende Chaos in den Griff zu kriegen, will der Flughafen Frankfurt (Fraport) den Stundenhöchstwert der Flugbewegungen weiter senken. Bereits vor Wochen wurde der Wert von 106 auf 96 Starts und Landungen reduziert, nun sollen es nur noch 88 sein. Erstmals will der Flughafen Frankfurt nicht nur die Lufthansa, sondern auch andere Airlines überzeugen, Flüge zu streichen oder in weniger genutzte Randzeiten zu verschieben. Allein für die Monate Juli und August hat die Lufthansa bereits knapp 6.000 Flüge ab Frankfurt und München gecancelt.

Täglich starten und landen in Frankfurt derzeit bis zu 1250 Flugzeuge mit 285 Reisezielen, rund 80% entfallen dabei auf den Lufthansa-Konzern und ihre Partner aus der Star Alliance. Zweitgrößter Kunde am Standort ist der Ferienflieger Condor, der nach eigenem Bekunden bislang keine Flüge gestrichen hat und dies auch nicht plant. Man sei aber an Maßnahmen zur Entzerrung des Fluggeschehens bereits beteiligt, erklärte ein Condor-Sprecherin.

Lufthansa begrüßt Entscheidung

LH-Chef Jens Ritter begrüßt die Entscheidung des Flughafens: „Da die bereits aufgestockten Kapazitäten der Bodenverkehrsdienste in Frankfurt auch für den mehrfach reduzierten Flugplan aufgrund von hohen Krankenständen noch nicht ausreichen, ist die Entscheidung der Fraport richtig. Zu einer gleichmäßigen Reduzierung und Stabilisierung werden nun auch andere Fluggesellschaften, die von und nach Frankfurt fliegen, mit Flugstreichungen beitragen."

Dauerzustand?

Laut einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade könnte das aktuelle Chaos weit über den Sommer hinaus anhalten, berichtet das Online-Portal reisevor9.de. Milo Bogaerts, Allianz Trade-CEO in den DACH-Ländern, begründet das mit den voraussichtlich weiter steigenden Kerosinkosten. Die größten Fixkosten bei Airlines seien Gehälter und Löhne. Treibstoffkosten hingegen seien variabel und sind in diesem Jahr bisher um 89% gestiegen. Bis Ende 2022 geht die Allianz Trade von einer Preissteigerung um 21% im Vergleich zum Vorjahr aus. Das würde den europäischen Fluglinien zwar um 102% mehr Einnahmen bescheren, was aber immer noch nicht ausreiche, um die Verluste der zwei Jahre Pandemie auszugleichen. Bei den europäischen Airlines entfielen 25% des Umsatzes auf Personalkosten, weltweit seien es 19%, so die Analyse.

Wann die bis zur Pandemie gut eingespielten Abläufe zwischen Flughäfen und Airlines wieder rund laufen, dürfte aus heutiger Sicht schwer abzuschätzen sein. (red./APA)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 30 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.




Touristiknews des Tages
7 Dezember 2022


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