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Flugausfälle: Hausgemachte Probleme


Foto: Llyod Carr / shutterstock.com
Das Bedürfnis in die Welt zu reisen ist wieder hoch – die Flughäfen bringt die Nachfrage jedoch aufgrund von Personalmangel an ihre Belastungsgrenzen.

Am kommenden Wochenende beginnen im Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands die Ferien. Sein größter Flughafen, Düsseldorf, rechnet allein von Freitag bis Sonntag mit über 200.000 Passagieren - in den Ferien insgesamt sogar mit 3 Mio. Fluggästen. In den verkehrsreichsten Zeiten würden damit schon wieder fast so viele Passagiere abgefertigt, wie vor der Corona-Pandemie, berichtete Flughafenchef Thomas Schnalke. Der Flughafen Köln/Bonn rechnet während der Ferien mit 1,75 Mio. Reisenden, was rund 86% des Vorkrisenniveaus entspricht.

Zu wenig Flughafen-Mitarbeiter

Das Problem ist jedoch, dass sämtlichen Flughäfen und Airlines - von der Passagierkontrolle über die Flugzeugabfertigung bis hin zu den Flugbegleitern - Mitarbeiter fehlen, um den Ansturm der Urlauber reibungslos zu bewältigen. Viele frühere Flughafen- und Airline-Mitarbeiter haben sich in der Pandemie, als kaum noch Flugzeuge abhoben, andere Jobs besorgt. „Derzeit fehlen nach Angaben der Flugverkehrswirtschaft in allen Bereichen rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", berichtete das deutsche Bundesverkehrsministerium. Die Flughafenbetriebsräte schätzen den Gesamtbedarf bundesweit auf 5.500 Kräfte. Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen 7.200 Fachkräfte, zugleich gebe es „keine Reserven mehr am Arbeitsmarkt", um diese Lücken beim Luft- und Bodenpersonal zu füllen.

„Der akute Personalmangel ist selbstverschuldet", erklärte der Chef der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Stefan Herth. Die Unternehmen hätten die Pandemie als Vorwand genutzt, Stellen abzubauen und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Jetzt habe die Branche insgesamt für Arbeitnehmer an Attraktivität verloren. Die VC forderte eine konzertierte Aktion, an der neben Politik und Unternehmen auch die Gewerkschaften beteiligt werden, um die Probleme anzugehen.

Was Flughäfen gegen die Engpässe unternehmen

Um Schadensbegrenzung ist man bemüht. Der Flughafen Köln Bonn etwa hat zusätzliche Personen für die Abfertigung eingestellt. Um die langen Schlangen am Düsseldorfer Flughafen zu verkürzen, kündige die Bundespolizei Verstärkung für die Sicherheitskontrollen an. Und der Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt will angesichts der Personalengpässe Mitarbeiter aus der Verwaltung bis hin zum Vorstand bei der Abfertigung einsetzen. Der Düsseldorfer Flughafenchef Schnalke warnte bereits, er befürchte, "dass die Reisen zahlreicher Passagiere mit Unregelmäßigkeiten, Verzögerungen und langen Schlangen beginnen oder enden".

Flugabsagen häufen sich

Doch auch Flugabsagen häufen sich. So etwa bei der Lufthansa-Tochter Eurowings. Aufgrund der Personalengpässe beim Bodenpersonal an Flughäfen, aber auch wegen steigender Krankheitsfälle unter Crews müssten in den kommenden Tagen kurzfristig weitere Flüge aus dem System genommen werden, erklärte die Airline am Dienstag. Die Ausfälle überträfen die Personalreserven. Am Dienstag und Mittwoch fielen rund 40 Flüge von täglich rund 500 aus. Betroffen seien vor allem die beiden größten Abflugorte Düsseldorf und Köln-Bonn. „Wir gehen davon aus, die Lage dadurch bis Ende Juni stabilisieren zu können." Eurowings sagt wie die Lufthansa oder Easyjet Flüge ab, um Chaos zur Hauptreisezeit zu verhindern.

Der Fachkräftemangel dürfte sich noch verschärfen, denn noch immer heben laut Studie nicht so viele Flugzeuge ab wie vor der Corona-Krise. Zudem wurden geplante Flüge wegen Personalmangels gestrichen. „Der reibungslose Start in den Sommerurlaub dürfte für viele eine unrealistische Hoffnung bleiben", warnte IW-Ökonom Alexander Burstedde. "Mittelfristig muss die Branche daran arbeiten, als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden." (APA/red)


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Foto: Christiane Reitshammer privat

Autor/in:

Freie Journalistin

Christiane Reitshammer war von 2003 bis 2012 fix im Team als Redakteurin und Chefin vom Dienst. Als freie Journalistin ist sie nicht nur gerne für „tip“ und „reisetipps“ unterwegs, sondern unterstützt auch regelmäßig die Redaktion im Print, online und in den Sozialen Medien.





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