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P.- M. Kubsch, Studiosus: Wir sind gewohnt, selbst Lösungen zu finden


Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer Studiosus
Der Geschäftsführer von Studiosus Reisen nimmt zu den aktuellen Herausforderungen durch die Pandemie Stellung. 

In einem schriftlich geführten Interview äußert sich Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer Studiosus Reisen, zur Bedeutung gemeinsamen Vorgehens in der Krise, über staatliche und Selbst-Hilfe, den hohen Anteil an Reisebüro-Buchungen, sein Engagement für Klimaschutz und einige andere Themen.

Fragen & Antworten

tip-online: Trotz der Herausforderung durch die Pandemie hat sich Studiosus als fairer Partner – für Reisebüros und für Kunden – erwiesen. Wie war das möglich?
P.- M. Kubsch: Die Corona-Pandemie ist eine einzigartige Herausforderung, die man nur gemeinsam stemmen kann. Umso wichtiger ist es, sich als verlässlicher Partner zu erweisen. Wir haben deshalb den vollen Kundenservice durchgängig aufrechterhalten. Zudem haben wir allen Gästen EU-rechtskonform ihre Anzahlung zurückerstattet und keine Gutscheine ausgegeben. Das konnten wir nur schaffen, weil wir für Zeiten wie diese vorgesorgt und große Rücklagen gebildet haben.

tip-online: Können inhabergeführte Unternehmen in einer Krise wie der jetzigen effizienter reagieren als große Konzerne?
P.- M. Kubsch: Das mag so sein. In jedem Fall sind wir es als Mittelständler gewohnt, selbst Lösungen für Herausforderungen zu finden. Das Kurzarbeitergeld ist bislang auch die einzige staatliche Hilfe, die wir in Anspruch nehmen können. Aber die hilft natürlich sehr, die Kosten im Griff zu behalten, um Arbeitsplätze zu sichern und die Krise zu meistern. 

Praxistest bestanden

tip-online: Welche Maßnahmen setzt Studiosus, um den Neustart voranzutreiben?
P.- M. Kubsch: Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt, das den Praxistest bestanden hat. So konnten wir bis Ende Oktober rund 100 Reisen in mehr als zwölf europäische Länder erfolgreich durchführen – von Österreich über Italien bis nach Zypern. Die vielen positiven Kundenstimmen, die wir erhalten haben, bestätigen uns auf dem richtigen Weg zu sein. Dabei konnten wir natürlich auf unser bewährtes Sicherheitsmanagement und unseren Erfahrungsschatz zurückgreifen, denn Krisen begleiten den Tourismus seit langem.

tip-online: Wie ist das Verhältnis von Direktbuchungen und Buchungen über den stationären Vertrieb?
P.- M. Kubsch: 80 Prozent unserer österreichischen Gäste buchen über ein Reisebüro und 20 Prozent direkt. Die Quote hat sich im Zuge der Corona-Krise nicht wesentlich verschoben.

tip-online: Welchen Einfluss hat die Pandemie auf das neue Programm?
P.- M. Kubsch: 2021 wird wahrscheinlich ein Europajahr. Wir haben unsere Programme angepasst und bieten vermehrt Reisen mit Bus und Bahn in europäische Zielgebiete an. Ausgebaut haben wir unser Angebot unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deutschland feiert dabei übrigens ein Comeback in unserem Studienreisen-Angebot – nach 32 Jahren. Bisher hatten wir Deutschland-Angebote ausschließlich in unserem Eventreisen-Katalog kultimer veröffentlicht.

Umfassend klimaneutral unterwegs

 

tip: Trotz Krise setzt Studiosus die Kompensation von Emissionen bei Flugreisen um. Luxus oder Notwendigkeit?
P.- M. Kubsch: Sich für Klimaschutz zu engagieren, ist notwendig und zwar mehr denn je. Der Klimawandel wird zwar derzeit medial von der Corona-Krise überlagert, die Herausforderung bleibt aber bestehen und Unternehmen müssen dabei Verantwortung übernehmen. Deshalb kompensieren wir ab 2021 bei Studiosus und Marco Polo auch alle Flüge sowie die Hotelübernachtungen inklusive der Verpflegung durch Investitionen in Klimaschutzprojekte. Bereits seit 2012 gleichen wir ja die Bus-, Bahn- und Schiffsfahrten aus. Damit sind unsere Gäste künftig umfassend klimaneutral unterwegs.

tip: Werden Nachhaltige Reisen durch die Krise an Bedeutung gewinnen?
P.- M. Kubsch: Das werden sie. Durch den Klimawandel, aber auch durch die Corona-Krise rückt der Sinn und Zweck des Reisens immer mehr in den Mittelpunkt. Können wir uns Reisen noch leisten und zu welchen Bedingungen? Und was steht auf dem Spiel, wenn wir nicht mehr reisen? Auf diese Frage haben nachhaltige Tourismusangebote schlichtweg die besseren Antworten.

Neuer Wert des Reisens

 

tip: Wird sich das Reiseverhalten mittelfristig ändern?
P.- M. Kubsch: Auf jeden Fall wird es unberechenbarer werden und es wird wegen der Unsicherheiten sehr viel kurzfristiger gebucht werden. Aber ich glaube auch, dass deutlich bewusster gereist werden wird. Wir werden der Möglichkeit des Reisens einen neuen Wert beimessen und den Nutzen im Verhältnis zu Kosten, Zeitaufwand und Ressourcenverbrauch optimieren wollen.

tip: Wie entwickelt sich der Markt in Österreich?
P.- M. Kubsch: Aktuell sehen wir keine großen Unterschiede zum deutschen Markt und rechnen bis zum Ende des Geschäftsjahres (31.12.2020) mit zehn Prozent des Umsatzes des Vorjahres.

tip: Marco Polo war bisher in Österreich wenig präsent – warum?
P.- M. Kubsch: Einspruch: Wir haben unsere österreichischen Reisebüro-Partner natürlich auch zu Marco Polo umfassend geschult, aber Studiosus ist natürlich in den Köpfen noch stärker verankert. Wir arbeiten aber kontinuierlich daran, beide Veranstaltermarken im Vertrieb gleichrangig zu verankern. Studiosus für hochwertige Studienreisen und Marco Polo für die Rundreisen zu den Highlights einer Region.

tip: Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen?
P.- M. Kubsch: Jede Krise bietet auch eine Chance. Gleichwohl fällt mir dazu nur Privates ein und wenig für unsere Branche…

tip: Was erwarten Sie für das Jahr 2021?
P.- M. Kubsch: Wir rechnen mit einer schrittweisen Belebung der Nachfrage ab dem 2. Quartal 2021 und haben verstärkt Termine für die zweite Jahreshälfte 2021 aufgelegt. Wie viel Umsatz wir erzielen können, das wird sich zeigen und hängt natürlich von der Entwicklung des Infektionsgeschehens ab. Wir haben aber für Zeiten wie diese vorgesorgt und sind gewillt, mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Corona-Krise zu meistern. Dafür braucht es aber Geduld und einen langen finanziellen Atem. Und beides haben wir.

Die Fragen stellte Elo Resch-Pilcik

(red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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