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Travelkid: Warum werden wir nicht gehört?

Der auf Fernreisen für Familien spezialisierte Veranstalter Travelkid appelliert ebenfalls in einem Offenen Brief an das Ministerium, der Reisebranche endlich Hilfestellung zu gewähren.

100% Kundenschutz und 0% Unternehmensschutz – wie soll das gehen? Das fragt sich Patrice Kragten, Geschäftsführerin von Travelkid Fernreisen in Zell am See, in Hinblick auf die Gutscheinlösungen, die im Pauschalreiserecht – bisher jedenfalls – nicht verpflichtend vorgesehen sind. Kragten argumentiert, dass viele ihrer Zielländer – wie Bali, Namibia, Costa Rica oder Sri Lanka – nur sehr wenige infizierte Personen und auch eine sehr niedrige Todesrate melden, mit abnehmender Tendenz und daher deutlich sicherer wären, als manchen Länder in Europa. Zudem gibt sie zu bedenken, dass viele Zielgebiete durch das Ausbleiben von Touristen in eine humanitäre Katastrophe schlittern würden.

Die Gutscheinlösung der Airlines treibt sie, wie alle anderen in der Branche, auch an den Rand der Verzweiflung.

Der Brief im Wortlaut

Sehr geehrtes Ministerium, warum werden wir nicht gehört? Warum werden wir ignoriert? Nur mit eurer Hilfe können wir als Reiseveranstalter diese Katastrophe überleben!

1. Liquidität ist schwer gefährdet! Wir als Reiseveranstalter haben uns auf Fernreisen für Familien spezialisiert und bedienen den gesamten deutschsprachigen Raum. Wir können und wollen nicht auf Incoming oder Europa umstellen! Unser Herz liegt bei Fernreisen, sowie viele Österreicher.
• Viele Gäste buchen ihre Fernreise 7 bis 11 Monate im Voraus, also seit September 2019
• Die seit dem geleistete Anzahlungen werden für die Betriebs- und Personalkosten verwendet
• Die Organisation dieser individuellen Fernreisen ist sehr aufwändig und nicht auf Knopfdruck zu erledigen. Zeitaufwand pro Buchung: min. 25 Stunden!
• Bei kurzfristiger Absage haben wir unsere Leistungen bereits erbracht
• Wir haben schon seit Ende Januar Umsatzverluste. Gäste trauten sich wegen den ersten Corona Berichten keine Buchungen für Asien oder Afrika zu tätigen.
• Bei bleibenden Reisewarnungen und Verlust aller Sommer Reisen haben wir ein ganzes Jahr UMSONST gearbeitet? Arbeiten sie auch umsonst?
Eine 100 %-ige Rückzahlung der Zahlungen bedeutet bei TRAVELKID den Umsatz den letzten 11 Monaten zurückzahlen zu müssen. Wie soll das gehen?

2. Gutscheine von Airlines: dramatische Lösung
Als Reiseveranstalter müssen wir dem Gast 100 % der Flugtickets zurückzahlen, wir bekommen Vouchers auf den Namen des Gastes ausgestellt.
• Ohne Neubuchung des Gastes entsteht uns ein doppelter Verlust!
• Gutscheine der Airlines sind nicht Insolvenz abgesichert. Mit South African Airlines haben wir die erste bevorstehende Insolvenz schon in Sichtweite. Was sollen wir mit einem Gutschein?

3. Wiederaufnahme und Lockerung Einreisebedingungen

Unsere Zielländer haben vom Lockdown in Europa profitiert und haben sich gleichzeitig „mit uns“ unter viel strengeren Bedingungen in ihren Häusern verkrochen, noch bevor Corona überhaupt angekommen war. Wenn Europa gleich mit China Ende Januar diese Maßnahmen getroffen hätte, wären wir jetzt nicht in dieser Situation.

• Viele Zielländer wie Bali, Namibia, Costa Rica oder Sri Lanka melden sehr wenige infizierte Personen und Todesfälle. Und durch die bereits 6-wöchige kompletten Lockdowns ganz wichtig: Tendenz abnehmend! Warum will unsere Tourismusministerin Gäste im „verseuchten“ Europa herumschicken, wenn es viele sichere Länder gibt?
• Unsere Zielgebiete sind vom Tourismus abhängig, die humane Katastrophe wird noch viel größer sein. Bei längerer Reisewarnung bricht unser Unternehmen, weil wir ausschließlich Fernreisen organisieren, komplett zusammen.

Wir haben den Eindruck, dass unsere Branche komplett ignoriert wird. Ist es, weil wir Geld ins Ausland transferieren? Trotzdem zahlen wir Steuern und schaffen viele Arbeitsplätze in Österreich! Auch den Bürgern Österreichs ist es wichtig, bei einem zuverlässigen Reiseveranstalter mit ihren Kindern eine schöne Fernreise ins Ausland buchen zu können. Frau Köstinger kann nicht die komplette Outgoing Branche ignorieren und Hotels, die in dieser Zeit sowieso schon geschlossen hätten, unterstützen.

4. Änderung Pauschalreisegesetz

Diese Voucherlösungen sind jetzt hilfreich, aber unserer Meinung nach nicht unbedingt eine dauerhafte Lösung. Damit haben wir das derzeitige Problem und die dauerhafte Lücke im Gesetz nicht gelöst. Bei der nächsten Pandemie stehen wir vor dem gleichen Problem. § 8 ist auf Einzelfälle ausgerichtet und bietet 100 % Kundenschutz und 0 % Unternehmensschutz.
• Warum können wir das Gesetz und § 8 nicht so ändern, dass die Anzahlung niemals zurückerstattet werden muss? Immerhin hat der Gast eine aufwändige Beratung und sämtliche Leistungen unsererseits erhalten. In vielen Branchen werden Beratungshonorare nicht zurückerstattet.

Ob der Gast jetzt im Flugzeug einsteigt oder nicht, wir haben unsere Leistungen bis dahin erbracht. Warum sollen wir diese Leistungen zurückzahlen?

Ob Gesetzesänderung oder nicht, solange die Reisewarnungen bestehen und Flugraumsperrungen und Einreiseverbote aufrecht sind, können wir unsere Erwerbstätigkeit nicht nachgehen und werden weiterhin kein Einkommen haben. Wie lange wir das noch durchhalten können, hängt von euren Entscheidungen ab.

Lasst uns nicht im Stich!

Abenteuerliche Grüße,
Patrice Kragten
Geschäftsführerin & das gesamte Team sowie unsere Partneragenturen in den Zielländern
TRAVELKID Fernreisen GmbH & Co KG

(red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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