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ÖRV: Prognosen verhalten, Zuversicht ebenso
Donnerstag und Freitag vergangener Woche trafen sich 165 Touristiker:Innen – mehr als jemals zuvor – zur ÖRV-Frühjahrstagung im Hotel Werzers in Pörtschach am Wörthersee.
Bei der 65. Generalversammlung, die traditionell im Vorfeld des Kongresses stattfindet, gab ÖRV-Präsidentin einen kurzen Überblick über die aktuelle Lage der Touristik: Einmal mehr setzt eine Krise der Reisebranche heftig zu. Der Krieg – der aktuelle Waffenstillstand soll vorerst bis Mittwoch anhalten – hat zu einem Revival der Flextarife, die während der Pandemie für Buchungssicherheit sorgten, geführt. Bei den Destinationen, so Buzzi weiter, gäbe es eine Verschiebung in Richtung westlicher Warmwassergebiete, „so lange Angebote noch verfügbar sind“.
Pauschalreise darf nicht verwässert werden!
Auch wenn die Rückholaktionen des Außenministeriums bei Ausbruch des Nahostkriegs grundsätzlich gutgeheißen wurden, gab es von Seiten der Anbieter organisierter Reisen auch Kritik daran: Während Expats (Österreicher, die im Ausland leben) vom Außenministerium kostenlos heimgeholt wurden, mussten Veranstalter bzw. Reisebüros laut Pauschalreisegesetz die Rückholung ihrer Kunden selbst finanzieren. Individualreisende, die ihr Reise selbst zusammengestellt und sich auf der Plattform des Außenministeriums registriert hatten, konnten von der staatlichen Rückholaktion ebenfalls profitieren. „Die Pauschalreise darf nicht verwässert werden!“, fordert daher Eva Buzzi, und fügt hinzu: „Ich stelle in Frage, wie weit das der Sache dienlich ist.“
Vor zwei Wochen gab es daher eine Sitzung im Außenministerium, bei der es um eine Nachschärfung auf der Registrierungs-Plattform ging. Aktuell ist nicht ersichtlich, wo die Reise gebucht wurde. Nun wurde ein Vorschlag eingebracht, diesen Punkt mit einem eigenen Feld zu ergänzen. Das würde künftig verhindern, dass manche Reisende mehrfach registriert waren und auf den an sich schon knappen Flügen zahlreiche Plätze leer blieben.
Malle statt Malé
Ein weiterer Fokus liege darauf, den Umsteigehub Dubai möglichst schnell aus der aktuellen „roten Zone“ mit Sicherheitswarnstufe 4 zu holen. Derzeit kann der gesperrte Luftraum über Dubai nur mit Sondergenehmigung genutzt werden. Für Veranstalter keine Option. Das größte Problem sei, so Buzzi weiter, nicht die Kosten oder mangelndes Angebot, sondern der Luftraum und der Kerosinmangel. Eine Anfang April durchgeführte Umfrage unter ÖRV-Mitgliedern hat ergeben, dass 72% von dem Nahost-Krieg „stark“ oder „sehr stark“ betroffen sind. 80% der 19 an der Befragung teilnehmenden Unternehmen erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung. Die 19 Unternehmen repräsentieren rund 70% - 80% des Marktvolumens. 89% der Kund:Innen seien stark verunsichert, was sich in deutlicher Buchungszurückhaltung niederschlägt.
Der Aufwand bei Beratung und durch Umbuchungen ist derzeit massiv. Neubuchungen würden eher für eine Woche Mallorca als für 14 Tage Malediven getätigt. 75% der Befragten rechnen mit einem zweistelligen Umsatzrückgang, 40% gar mit mehr als 20%.
Forderung nach Kurzarbeit
Als Maßnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen der Krise nennt die ÖRV-Präsidentin flexible Storno-Regelungen, intensivere Kommunikation – ehrlich, aber nach außen hin nicht zu negativ - und neue Destinationen. Parallel dazu fordert der ÖRV stellvertretende für die Reisebranche Kurzarbeit, wogegen sich derzeit allerdings die Gewerkschaft ausspreche, so Buzzi weiter. „Aber wir bleiben dran!“ Auch eine steuerliche Entlastung sei wünschenswert.
Tourismus am Kipppunkt
„Der Iran-Krieg ist kein kurzfristiger Schock, er verändert die Spielregeln der Tourismusbranche nachhaltig“, beschreibt der ÖRV die derzeitige Herausforderung. Jede zweite Buchungsentscheidung stehe aktuell auf der Kippe. Das Fazit des ÖRV: Ohne rasche Stabilisierung und gezielte Unterstützung drohen massive Umsatzverluste und strukturelle Schäden.
Chancen erkennen
Es gab aber auch durchaus Erfreuliches zu berichten: Erstmals war die junge Generation stark vertreten. Geschätzte 30% waren Erstbesucher:Innen. Einer der Gründe dafür war, dass am Samstag im Rahmen der „Initiative Z“ ein eigenes Programm für junge Touristiker:Innen angesetzt war. Das hochkarätige Vortragsprogramm – im Fokus standen KI und multiple Krisen – zeigte allerdings auch Szenarien auf, mit denen zumindest ein Teil der aktuellen Herausforderungen gemeistert werden kann. Ganz nach dem Motto, wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.
Elo Resch-Pilcik, Pörtschach
örv, kongress, tagung, reisebranche, kurzarbeit, nahost-krieg, iran-krieg
Autor/in:
Elo Resch-Pilcik
Herausgeberin / Chefredakteurin
Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach mehr als 30 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.
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20 April 2026
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