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Einstimmiger Tenor auf Hörls Vorschlag zu Werbeverbot


Foto: Ollyy / shtutterstock.com
Mit einem kurzsichtigen Vorschlag sorgt WKO-Seilbahnen-Chef Franz Hörl – einmal mehr - für Verwunderung. Er fordert ein Werbeverbot für Flugreisen bzw. eine Sondersteuer für CO2-intensive Reiseformen.

Da er die Seilbahnwirtschaft in den Medien als nicht faktengerecht dargestellt sieht, geht Franz Hörl, Zillertaler Hotelier, Seilbahnen-Chef der WKO und nicht zuletzt Tourismussprecher der ÖVP, wieder einmal auf verbale Barrikaden: „Statt auf die Seilbahnen ‚hinzuhauen‘, die am wenigsten CO2 verursachen, solle man eine Sondersteuer für die Bewerbung ‚besonders umweltschädlicher Urlaubsformen‘ wie Flugreisen, etwa für Städtetrips, sowie Kreuzfahrten verhängen oder gleich ein Werbeverbot dafür einführen,“ fordert Hörl in einem Gespräch mit der APA. Zudem könne er sich vorstellen, dass diese „besonders CO2-relevanten Urlaubsformen wie bei der Tabakwerbung mit einer Kennzeichnung versehen werden“, um darauf hinzuweisen, wie umweltschädlich sie seien. Davon verspricht sich Hörl Chancengleichheit am Markt und hofft, dass die Gäste dadurch erkennen, „wie grün der Urlaub in der österreichischen Sommer- und Wintersaison ist“.

Was Hörl bei seinem Vorpreschen außer Acht lässt, ist, dass ein beträchtlicher Teil der BesucherInnen Tirols – wie auch Salzburgs – mit Charterflügen anreist, sei es aus Großbritannien, Skandinavien oder den Emiraten. Und bis 2021 auch aus Russland und der Ukraine. Das Gros der Gäste setzt allerdings immer noch auf den eigenen PKW.

Schwachstelle An- und Abreise

Den Medien wirft Hörl vor, bei der Berichterstattung über Seilbahnwirtschaft, Tourismus und Klimawandel „Faktenbefreit und einseitig“ zu sein. Im selben Atemzug rechnet er vor, dass die „Seilbahnen laut Umweltbundesamt 0,33% des Gesamtenergiebedarfs der Republik“ verbrauchen. Immerhin konzediert der streitbare Kämmerer die An- und Abreise der Gäste als die „einzige Schwachstelle“. Immerhin, so Hörl weiter, habe man „mit dem Nightjet zum Schnee die CO2-Prasserei wie Tagesflüge zum Skifahren abgelöst.“

Reaktionen von allen Seiten

Walter Säckl, Generalsekretär ÖRV

Bei allem Verständnis, dass bei der Seilbahn-Wirtschaft aufgrund der Schneesituation die Nerven blank liegen, ist es absolut ungerechtfertigt, eine Umweltdiskussion auf Kosten anderer touristischer Anbieter vom Zaun zu brechen. Dass sich ein Tourismussprecher, der eigentlich den gesamten Tourismus Österreichs - Incoming genauso wie Outgoing- vertreten sollte, zu derartigen Aussagen hinreißen lässt, ist mehr als bedenklich. Uns ist bewusst, dass der Flugtransport momentan emissionsbedingt klimapolitisch heiß diskutiert wird, an dieser Baustelle wird aber bereits massiv gearbeitet. Nach wie vor ist es allerdings auch eine Tatsache, dass viele Gäste im Wintertourismus, insbesondere ausländische Schiurlauber, für ihre Anreise zu den Schigebieten oder eben anderen Urlaubsdestinationen in Österreich selbst das Flugzeug wählen.

Peter Malanik, Geschäftsführer des Dachverbands Luftfahrt

Der Dachverband Luftfahrt ist über den unbedachten Ablenkungsversuch von Herrn Franz Hörl, immerhin Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Tourismussprecher, gegenüber der APA ausgesprochen verwundert. Denn seine Aussagen disqualifizieren sich selbst: Gerade der Tiroler Skitourismus, den Herr Hörl ungeschickt gegen alternative Urlaubskonzepte zu verteidigen versucht, hängt ganz wesentlich am Luftverkehr und den Incoming-Charterflügen nach Innsbruck. Und das ist auch gut so, denn die dafür eingesetzten modernen Flugzeuge verbrauchen nur ungefähr 3,5l Kerosin pro 100 km und Passagier. Also deutlich weniger als die meisten Autos, mit denen die Skiurlauber sonst kommen würden. Auf vorgebliches „Bashing“ mit ebensolchem gegenüber anderen zu reagieren, zeugt nur von Hilflosigkeit.

Günther Ofner, WKÖ-Luftfahrtobmann und Vorstand VIE

Der Vorschlag eines Werbeverbots für Flugreisen von ÖVP-Tourismussprecher Franz Hörl ist weder sinnvoll noch durchdacht. Angesichts der hohen Abhängigkeit von ausländischen Gästen sind ohne Luftfahrt weder Konferenz-, Städte-, noch Festspieltourismus in Österreich möglich, wobei im Westen Österreichs, besonders aber in Tirol, auch der Wintertourismus ohne mit Flugzeug anreisenden Touristen wirtschaftlich nicht darstellbar wäre. Die Realisierung einer solchen Diskriminierung wäre ein Tiefschlag für den gesamten Tourismus in Österreich. Eine Sondersteuer sei längst Realität in Form der Ticketsteuer, die Flugpassagiere bereits seit Jahren massiv belastet.

Norbert Kettner, Direktor Wien Tourismus

Ich habe Verständnis für die Herausforderungen, denen sich die Seilbahnwirtschaft derzeit stellen muss. Es ist allerdings verwunderlich, dass sich der Vertreter einer Branche, die selbst vom Flugverkehr profitiert, gegen ebendiesen ausspricht. Nicht nur Österreichs Städte, sondern der gesamte Tourismus unseres Landes profitiert von Gästen, die auf dem Luftweg anreisen. Weltweit verursacht der Flugverkehr etwa 2,7% aller CO2-Emissionen, der Verkehr auf der Straße ist europaweit für ein Fünftel der Emissionen verantwortlich. …. Das vieldiskutierte Thema der so genannten ‚last mile‘ ist in den Städten längst kein Thema mehr, der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut.

Kettner regt an, die Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich zu führen, anstatt einzelne Segmente in Österreichs Tourismusbranche zu diskreditieren.

Susanne Kraus-Winkler, Tourismus-Staatssekretärin

Alle touristischen Anbieter und Dienstleister sind sich der ökologischen Nachhaltigkeitsherausforderungen bewusst. Ein Auseinanderdividieren einzelner Branchensegmente ist nicht zielführend. Die gesamte Tourismusbranche arbeitet intensiv an ökologischen Nachhaltigkeitsstrategien, um auf aktuelle Umwelt- und Klimaherausforderungen entsprechend verantwortungsvoll zu reagieren. Damit der Tourismus generell Umweltmusterschüler wird, müssen wir im Bereich der Mobilität intensiv an Lösungen für die letzte Meile arbeiten.

Gregor Kadanka, WKO-Fachverbandsobmann der Reisebüros und Geschäftsführer Mondial Reisen

Unser Outgoing ist das Incoming der anderen Länder. Die Aussage von Franz Hörl ist kurzsichtig und macht keinen Sinn. Er blendet dabei aus, dass die Mehrzahl der An- und Abreisen mit dem PKW erfolgen. Das geht nach hinten los. Eine Beschränkung für den Tourismus ist nie zu begrüßen. Es ist eine weltweite Aufgabe des Tourismus, den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten. Einzelne Bereiche gegeneinander auszuspielen, macht keinen Sinn. Der CO2-Ausstoß der Passagier-Kreuzfahrt beträgt 0,01% weltweit. (red)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 30 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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