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Bundesregierung beschließt Maßnahmenpaket für Tourismus


Foto: sutadimage / shutterstock.com
Die Bundesregierung kündigte heute eine kurzfristige Sofortmaßnahme zur Linderung des Personalmangels sowie die Planung langfristiger Lösungen an. Die WKÖ-Branchenvertreter begrüßen die vorgestellten Maßnahmen die unter anderem eine Aufstockung des Saisonierkontingents sowie die Verbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte beinhalten.

Nachdem sich der heimische Tourismus nach der Rücknahme der erschwerenden Corona-Maßnahmen zusehends erholt, steht die Branche vor der schwierigen Situation, dass der Aufschwung durch den akuten Mitarbeitermangel stark gebremst wird: in der gesamten Tourismus- und Freizeitbranche wird händeringend nach Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gesucht. Die WKÖ-Tourismus-Branchenvertreter, Robert Seeber, Hans Spreitzhofer und Mario Pulker zeigen sich dementsprechend erleichtert und sehr erfreut über die Aufstockung des Drittstaatensaisonierkontingents um 1.000 Plätze, die heute von der Bundesregierung auf den Weg gebracht und von Tourismusstaatssekretärin Susanne Kraus-Winkler verkündet wurde.

Maßnahmenpaket für den Tourismus

"Dies ist eine wichtige kurzfristige Sofortmaßnahme, um den Bedarf an Arbeitskräften während der aktuellen Sommersaisonspitze weiter abzufedern“, freut sich auch Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler über die Einigung zu den Saisonkontingenten. Die entsprechende Verordnung des Bundesministers für Arbeit soll so schnell wie möglich in Kraft treten. 
Außerdem wurden gemeinsam mit dem Koalitionspartner weitere Maßnahmen beschlossen: „Erstens werden Kellnerinnen und Kellner und Gaststättenfachberufe auf die bundesweite Mangelberufsliste genommen. Zweitens sollen Betriebe, die Saisoniers in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis übernehmen, künftig erleichterten Zugang zu Saisonierkontingent-Plätzen erhalten. Drittens wird die Beantragung der Rot-Weiß-Rot-Karte erleichtert, wenn sich die antragstellende Person aufgrund einer Saisonbeschäftigung bereits in Österreich aufhält. Diesen Maßnahmen sollen zusätzliche Anreize schaffen, um Arbeitskräfte verstärkt ganzjährig in Beschäftigung zu halten.“

"Tourismusbetriebe suchen verzweifelt Mitarbeiter"

WKÖ-Bundesspartenobmann Robert Seeber zeigt sich erfreut über die Erhöhung des Saisonierkontingents um 1.000 Personen: „Jeder zusätzlicher Mitarbeiter hilft den Betrieben während der Saison und entlastet die Stammbelegschaft. Wer schnell hilft, hilft doppelt! In diesem Sinne ist es wichtig, dass die Genehmigungsverfahren jetzt rasch abgewickelt werden!“ 
Die Buchungslage sei aktuell gut, die Nachfrage groß, so Seeber, aber: „Wir lassen wertvolles Potential liegen, da immer noch viele Tourismusbetriebe verzweifelt Mitarbeiter:innen suchen, egal ob in der Küche, im Service oder an der Rezeption. In manchen Betrieben geht der Mangel an Mitarbeitern so weit, dass es nur noch eingeschränkte Speisekarten gibt oder zusätzliche Ruhetage eingelegt werden müssen.“

Auch Hans Spreitzhofer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie, unterstreicht: „Die Anhebung des Saisonkontingentes ist ein wichtiger Schritt, um dem Arbeitskräftemangel in der Branche zu entschärfen. Ergänzt durch die heute im Nationalrat zur Beschlussfassung vorliegende Novelle der RWR-Karte wird diesen Mitarbeiter:innen auch eine Perspektive auf eine dauerhafte Beschäftigung in Österreich gegeben.“ Denn damit können sich regelmäßig beschäftigte Saisonmitarbeiter nach fünf Jahren als „Stammsaisonier“ registrieren lassen und so ohne Anrechnung auf das Saisonkontingent saisonal beschäftigt werden. Nach weiteren zwei Jahren wird der Status „Stammmitarbeiter:in“ erreicht und ermöglicht eine ganzjährige Beschäftigung in Österreich. Spreitzhofer: „Es ist besonders erfreulich, dass die Politik hier unseren Vorschlag aufgegriffen hat, der mittelfristig dauerhafte Beschäftigung ermöglicht.“

Positiv beurteilt auch Mario Pulker, Obmann des WKÖ-Fachverbandes Gastronomie, die Anhebung des Saisonkontingents und ergänzt: „Mit den heute gefassten Beschlüssen kommen Kellner und Gaststättenfachleute auf die bundesweite Mangelberufsliste, womit für Drittstaatsangehörige der Erhalt der Rot-Weiß-Rot-Karte und damit verbunden eine dauerhafte Beschäftigung im Inland erleichtert wird. Auch diese Maßnahme ist ein weiterer Schritt zur Bekämpfung des Arbeitskräftemangels in der Gastronomie.“ 

Langfristige Maßnahmen setzen

Auch Barbara Neßler, Tourismussprecherin der Grünen, zeigt sich mit der kurzfristigen Lösung zufrieden, verweist allerdings darauf, dass es sehr dringend strukturelle Änderungen brauche. „Wir benötigen Unterstützungen zum Umstieg auf einen Ganzjahrestourismus und Ganzjahresbeschäftigungsmodelle, die den Arbeitnehmer:innen durchgehende Beschäftigung bieten. Es sind dort bessere Arbeitsbedingungen sicherzustellen, wo es sie bislang noch nicht gibt, bzw. braucht es Rahmenbedingungen, wie der Tourismus als Arbeitsort besonders für jüngere Menschen wieder attraktiv wird. Genauso müssen wir den Ausbau von touristischen Betriebskinderbetreuung forcieren.“

„Es macht keinen Sinn, strukturelle Probleme jedes Jahr mit kurzfristigen Maßnahmen auszugleichen, daher setzen wir uns im Herbst mit den Sozialpartnern, Stakeholdern zu einem Gipfelgespräch zusammen. Das Ziel ist, einen konkreten Maßnahmenplan zu erarbeiten, mit dem dann die bestehenden Probleme längerfristig gelöst werden können“, sagt Neßler. (APA / red) 


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Foto: privat

Autor/in:

Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.





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