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Kommt Direktinkasso auch in Österreich?


Ein Schlag ins Gesicht - Foto: KieferPix / shutterstock.com
Nachdem einige Veranstalter in den vergangenen Wochen durchblicken haben lassen, dass sie das Direktinkasso in Österreich einführen möchten, reagieren Reisebüro-Partner mit Verärgerung.

Bei den großen Konzernveranstaltern gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, in Österreich von Agentur- auf Direktinkasso umzustellen. Bei den Überlegungen dahingehend am weitesten ist Rewe Austria Touristik, die bereits ein Schreiben zu diesem Thema an die Vertriebspartner verschickt hat. Dem Vernehmen nach bereiten auch TUI und FTI diesen Schritt bereits vor. Als Argument für die Einführung nennen Veranstalter die gestiegene Gefahr durch Insolvenzen bei Reisebüros, die sich durch die andauernde Pandemie noch weiter zuspitzen dürfte. „Es gibt auch andere Möglichkeiten, Kundengelder abzusichern, dafür braucht es kein Direktinkasso. Wir akzeptieren das nicht”, erklärt Walter Krahl, Geschäftsführer Ruefa Reisen, im Gespräch mit tip-online.

Eine Absicherung könnte etwa ähnlich wie bei der IATA ablaufen, mit dem Nachweis über ausreichend Eigenkapital oder mit einer Bankgarantie.

Wem gehört der Kunde?

Während die Veranstalter - und andere Leistungsträger - die Absicherung vor Reisebüro-Insolvenzen in den Vordergrund stellen, fürchten viele Reisebüros, dass dieser Schritt vielmehr dazu dienen soll, die Kontaktdaten der Kunden zu erhalten bzw. den Kunden jeweils auf die eigene Buchungswebseite zu dirigieren. „Die Kunden sind unsere. Wir empfehlen den Veranstalter”, so Walter Krahl, und fügt hinzu: „Die Frage ist, welcher Veranstalter hat heute denn noch wirklich einen USP, durch den er sich vom Mitbewerb abheben kann?”

Auch für Reisewelt-Geschäftsführer Felix König ist das Dirketinkasso „ein absolutes No-Go”. Ein Veranstalter müsse sich entscheiden, ob er mit Reisebüros und Ketten zusammenarbeiten will, die das Direktinkasso ablehnen, so König weiter. Bereits drei große Veranstalter - Rewe Touristik, TUI und FTI - haben bei der Travelstar-Gruppe angeklopft. „Es ist schon ein großer Zufall, dass alle zur gleichen Zeit mit diesem Thema daherkommen”, so König weiter. Wichtig sei, dass sich kleine bzw. Einzel-Reisebüros durch die mögliche Einführung des Direktinkassos nicht unter Druck gesetzt fühlen.

Loose-Loose-Situation?

„Wir werden uns sicher nicht wie Lämmer zum Schlachthof führen lassen”, formuliert Walter Krahl drastisch. Dennoch betont er: „Bisher hatten Veranstalter und Reisebüros eine gute Kooperation. Die sollte man nicht aufs Spiel setzen. Das ist nur eine Loose-Loose-Situation.” Einen Veranstalter nicht zu buchen, sei ein probates Mittel. „Das wünschen wir uns nicht”, zeigt sich Krahl konziliant. Für ihn stelle sich auch die Frage, ob ein Veranstalter das Risiko eingehen wolle, alles allein zu stemmen.

„Kein Husch-Pfusch“

Dass gerade in einer für alle Existenz bedrohenden Situation Überlegungen zum Direktinkasso angestellt würden, kritisiert Felix König und weiter: „Wir brauchen keine Husch-Pfusch-Lösung und wir brauchen eine einheitliche Vorgangsweise am Markt”.

Sollte das Direktinkasso auch in Österreich kommen, würde das für Reisebüros jedenfalls Mehrarbeit bei den Prozessen bedeuten, da jeder Veranstalter seine eigenen Richtlinien hätte. Was bei Bausteinreisen besonders stark ins Gewicht fallen würde. “Wir sehen beim Direktinkasso nur Nachteile”, fasst König zusammen.

Gesprächsbereitschaft

Martin Fast, Geschäftsführer Rewe Austria Touristik, der den Stein ins Rollen gebracht hat, sieht in der Ankündigung „nur einen ersten Schritt, bei dem noch nichts in Beton gegossen ist.” Direktinkasso sei immer ein Thema, besonders in Zeiten wie diesen. „Wir haben jetzt einmal die Information rauschgeschickt. Fix ist dabei nichts. Wir werden gerne Gespräche dazu führen”, versucht Fast Emotionen zu glätten.

Nach einem ersten Rundruf heute, Freitagmittag, zeigt sich, dass die Skepsis im Vertrieb besonders wegen der Frage der Kundendaten sehr groß ist. Mehr zu den Fürs und Widers zum Thema Direktinkasso lesen Sie nächste Woche auf tip-online. (Red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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