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E. Kneissl: Bilaterale Grenzöffnungen für den Sommer?


Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin Kneissl Touristik - Foto: Kneissl Touristik / Ilse
Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin Kneissl Touristik, plädiert für bilaterale Grenzöffnungen, um das Outgoing-Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Eine wichtige Rolle dabei sollte die EU spielen. 

In einem Interview mit tip Anfang März hat Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin Kneissl Touristik, ihr breites Portfolio liebevoll als „Bauchladen“ bezeichnet. Diese breite Aufstellung könnte ihr jetzt zugutekommen. Als gelernte Touristikerin ist sie zweckoptimistisch und geht im besten Fall davon aus, dass einzelne Länder ab den Sommermonaten wieder bereist werden können. Allen voran Deutschland, das, als wichtigster Herkunftsmarkt für den österreichischen Tourismus als eines der ersten Länder wieder geöffnet werden könnte. Große Hoffnung setzt sie auch auf die Länder Skandinaviens samt Island sowie auf Irland, für den Herbst auch auf Israel. Kritik übt auch sie an den Regierungsvertretern in Bezug auf das Dauer-Ignorieren der Reisebüros. „Wäre ich ein Fiaker-Ross, würde man mich mehr wahrnehmen als als Reisebüro“, ärgert sie sich. Um das zu ändern, wendet sie sich nun auch an die Landeshauptleute, die Interesse an einer sukzessiven Grenzöffnung haben müssten.

5 Fragen an Elisabeth Kneissl-Neumayer

tip-online: Wie siehst du die aktuelle Lage für den Outgoing-Tourismus?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Würde ich die Regierenden einschätzen können, täte ich mich leichter. Man macht viel für die Hotels in Österreich, daher denkt man auch an eine Grenzöffnung für Deutschland. Das muss dann auch in der Gegenrichtung funktionieren. Auch Babis (Anm.: Tschechischer Ministerpräsident) verhandelt mit Kroatien. Das zeigt, dass es bilaterale Abkommen geben könnte. Ich hoffe, dass von Seiten der EU und der österreichischen Hotellerie genug Druck kommt, die Grenzen zu öffnen, wo es geht. Was bei den Pressekonferenzen der Regierung fehlt, ist das Wort „Reisebüro“, das kann sichtlich keiner aussprechen. Es gab gerade mal die Erwähnung, dass „Reisebüros geholfen haben, die Leute heimzuholen“. Nein, wir haben alles selbst gemacht, alle unsere Kunden selbst zurückgeholt. Wir sind die, die seit Jahren den Menschen helfen, ihren Horizont zu erweitern, sie vor und nach ihrer Reise umsorgen. Die vielen Reisenden, die von Repatriierungsflügen profitiert haben, haben größtenteils selbst im Internet gebucht, nicht über einen Veranstalter oder ein Reisebüro.

tip-online: Was ist dein Best Case-Szenario für die kommenden Monate?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Im besten Fall könnte es mit manchen Destinationen im Juli wieder losgehen. Wenn die Shopping Center-Öffnungen uns nicht in eine zweite Covid-Welle treiben. Der Druck von EU und EWR gegen die generellen Grenzschließungen muss stärker werden. Ich glaub nicht, dass Italien, Spanien oder Frankreich schon im Sommer bereisbar sein werden, auch bei Großbritannien ist nicht daran zu denken. Aber Länder wie Polen, Norwegen, überhaupt ganz Skandinavien halten sich sehr gut. Auch in Irland sind die Zahlen der Infizierten nicht sehr hoch. Als „best case“ könnte man im Juli und August wieder in diese Länder fahren. Auch die Isländer würden uns einreisen lassen, trotz Ischgl. Aber das kann ich schwer einschätzen, da hängt auch viel davon ab, was mit der AUA passiert. Es gab zwei Charterflüge nach Island für Ende Juni, die wurden von der Regierung abgesagt. Auch Kroatien ist auf gutem Weg, da könnte man bilateral was bewegen. Das ist das Strohhälmchen, an das ich mich klammere.

tip-online: Und wie sieht das Worst Case-Szenario aus?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Da können wir erst ab Oktober mit Reisen in Europa langsam wieder anfangen. Ich habe gerade gelesen, dass Emirates bei Flügen Dubai – Tunis im Wartebereich Corona-Schnelltests durchführt. Das ist ein guter Ansatz. Ich bin auch zweckoptimistisch, dass das bald im breiten Rahmen möglich ist.

tip-online: Habt ihr neue Produkte ausgearbeitet bzw. Termine verschieben können?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Ja, wir planen jetzt auch Studienreisen in Österreich, das hatten wir schon vor Jahren. Wir präsentieren sie ab 1. Mai für Juli und August. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Museen wieder geöffnet sind. Außerdem haben wir Termine aus dem Frühjahr verschoben, wie etwa eine Reise zum Blumenfest in Madeira, das auf den Herbst verschoben wurde. Ich glaube, auch Angebote für die Herbstferien sollten funktionieren, in Europa oder auch in Israel, als eine der ersten Destinationen außerhalb Europas. Auch Jordanien, Marokko oder der Oman könnten dann wieder geöffnet sein.

tip-online: Wie bereitet ihr auch auf die nächsten Wochen und Monate vor?

Elisabeth Kneissl-Neumayer: Im Moment wissen wir einfach nicht, was wir tun dürfen. Wir haben für den Mai alle Reisen abgesagt. Aber was ist mit Juni? Gibt es Teillösungen? Ich hab zum Beispiel eine total reisewillige Gruppe nach Island mit der Lufthansa im Juni, aber ich weiß nicht, ob die Reise durchgeführt werden darf. Für uns gibt es null Szenario. Wäre ich ein Shopping Center oder ein Friseur, dann wüsste ich, was ich ab 2. Mai tun darf. Bei uns ist das anders. Was dürfen wir verkaufen? Wie können wir vorausplanen? Das ist alles offen. Ich würde die Regierenden gerne verstehen. Sie verstehen uns jedenfalls nicht, sondern sehen uns als Gefahr, dass wir als Reisebüros Covid-19 wieder ins Land holen. Das stimmt aber nicht. Wenn ich ein Fiaker-Ross wäre, würde man sich meiner mehr wahrnehmen als als Reisebüro. Drei Monate Kurzarbeit werden nicht reichen. Ohne Reisefreiheit können wir nicht arbeiten. Will man uns sterben lassen? Es kann nicht Sinn und Zweck sein, nur deutsche Unternehmen nach Österreich hereinzuholen. Ich bezweifle, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen, aber wir werden hervorgehen. (red.)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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