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Deloitte & ÖHV Tourismusbarometer 2022: Vorsichtiger Optimismus


Foto: Minerva_Studio / shutterstock.com
Wie der aktuelle Tourismusbarometer von Deloitte und der ÖHV zeigt, blickt die Mehrheit der österreichischen Betriebe dem Sommer zwar positiv entgegen, haben aber gleichzeitig mit akutem Mitarbeitermangel und steigenden Kosten zu kämpfen.

Eine aktuelle Studie von Deloitte und ÖHV bestätigt: Heimische Touristiker setzen große Hoffnungen in die bevorstehende Sommersaison. Insbesondere Unternehmen in der Bundeshauptstadt erwarten eine spürbare Verbesserung. Der wachsende Optimismus wird jedoch von aktuellen Herausforderungen überschattet: Der akute Mitarbeitermangel, der allgemeine Kostenanstieg sowie die Folgen des Ukraine-Krieges beeinflussen den heimischen Tourismus stark. Generell werden die Rahmenbedingungen herausfordernder: Kreditfinanzierungen sind schwerer zu bekommen und Investitionen stocken. Abhilfe könnte eine neue tourismusspezifische Investitionsprämie schaffen.

Tourismusbarometer 2022

Im Rahmen des Tourismusbarometers untersuchen das Beratungsunternehmen Deloitte und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) jährlich die Stimmung in der Tourismusbranche. Im April und Mai 2022 wurden rund 300 Unternehmen aus ganz Österreich um ihre Einschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Lage sowie zu ihrer individuellen betriebswirtschaftlichen Situation gebeten. Das Ergebnis: Der Tourismusindex stagniert nach Schulnotensystem auf 3,1 – aber mit leichter Tendenz nach oben.

Optimistischer Ausblick

Im österreichischen Tourismus keimt nach zwei Pandemiejahren ein Hoffnungsschimmer: Die Studienteilnehmer blicken nach einem durchwachsenen Winter wieder optimistischer in die Zukunft. Insbesondere in Wien überwiegt für das restliche Jahr die Zuversicht. Nahezu 90% der Wiener Tourismusunternehmer erwarten eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: In den anderen Bundesländern rechnen rund zwei Drittel mit einer positiven Geschäftsentwicklung.

„Österreichs Touristiker blicken nach zwei harten Jahren erwartungsvoll in den Sommer. Allerdings schwebt die Pandemie wie ein Damoklesschwert über dem kommenden Herbst“, betont Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte Tirol. „Es braucht umfassende Konzepte, um eine zukünftige Coronawelle eindämmen zu können und den aufkeimenden Aufschwung abzusichern.“

Großer Arbeitskräftemangel

Neben der anhaltenden Pandemie spitzt sich die Situation am Arbeitsmarkt weiter zu. Das bekommt der Tourismus besonders zu spüren. So beschäftigt der Mangel an verfügbaren Mitarbeitenden die Branche, für drei Viertel der Befragten ist er jetzt spürbarer denn je. Laut Studie setzen viele Betriebe Maßnahmen, um hier gegenzusteuern: Diese reichen von verstärkter Digitalisierung, Bezahlung über Kollektivvertrag bis hin zu schönen Unterkünften und Fortbildungen für die Mitarbeitenden.

Deloitte Experte Andreas Kapferer erklärt, welche Schritte es seitens der Politik braucht: „Erhöhte Leistungsanreize in der Besteuerung von Dienstnehmern sind ein wichtiges Element, um die Arbeit im Tourismus attraktiver zu machen. Die Einführung der steuerfreien Gewinnbeteiligung war ein erster Schritt, dem aber weitere folgen müssen.“
Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV, ergänzt: „Die Arbeit im Tourismus muss seitens der Politik für die Angestellten erleichtert werden - beispielsweise durch den Ausbau der Kinderbetreuung und die Förderung der Mitarbeiterunterkünfte.“

Steigende Kosten

Neben dem Arbeitskräftemangel bereitet auch der derzeitige Kostenanstieg, insbesondere die Steigerung der Energiekosten, den Betrieben Sorge. Die Hälfte der befragten Unternehmer wird die Preissteigerungen teilweise bis ganz an die Gäste weitergeben.

Hinzu kommt die Steuer- und Abgabenlast, die 2022 durch die Gesamtsituation belastender wirkt. Für viele Teile der Branche gilt seit Jänner wieder ein bis zu viermal höherer Umsatzsteuersatz. Die städtischen Betriebe befürchten zudem Einbußen durch das Ausbleiben von Gästen aus Fernmärkten aufgrund des Ukraine-Krieges. Betriebe am Land fürchten hingegen viel mehr die gestiegenen Baukosten.

Benötigte Investitionsanreize

Die anhaltende Krisensituation mache es für 43% der Betriebe auch schwieriger, Kreditzusagen zu erlangen. Vor Corona gab nur ein Drittel an, der Zugang zu Kreditfinanzierungen habe sich erschwert. Seit Ausbruch der Pandemie ist dieser Wert um 10% angestiegen.

Bei der Investitionstätigkeit zeigt sich, dass die Mehrheit der Unternehmen am Land (57%) heuer trotz der derzeitigen Preissteigerungen Investitionen wie geplant durchführt. 37% werden allerdings ihr Investitionsverhalten zurückschrauben. Bei den Betrieben in der Stadt zeigt sich ein ambivalentes Bild: Die eine Hälfte will ihre Investitionen planmäßig durchführen, die andere Hälfte will sie reduzieren.

„Aktuell belasten vor allem Lieferengpässe und Preissteigerungen als Folge des Ukraine-Krieges die Wirtschaft. Die Touristiker bekommen das unmittelbar zu spüren. Die Wiedereinführung einer Investitionsprämie wäre jetzt ein positiver Impuls“, so Markus Gratzer.

Positive Lösungsansätze

Neben all den Herausforderungen ziehen die Betriebe auch positive Schlüsse aus den Krisenjahren: Die Pandemie hat den Tourismus spürbar digitaler gemacht. Mehr als die Hälfte der Befragten hat in dieser Zeit digitale Hilfsmittel eingesetzt und will dies auch zukünftig beibehalten. Zudem haben rund 40% in der Pandemie neue Vertriebswege gewählt.

Auch das Thema Klimawandel steht aktuell im Fokus der Touristiker: „Mehr als die Hälfte der Befragten will zukünftig eigenen Strom produzieren und eben so viele wollen weg von fossilen Brennstoffen. Die Branche hat die Zukunftsthemen erkannt und geht diese offensiv an“, betont Deloitte Experte Andreas Kapferer abschließend.

Zum Download: Studie Deloitte und ÖHV Tourismusbarometer 2022

(red) 


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Autor/in:

Redakteurin

Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.





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