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Flughafen BER: Ryanair schließt Basis und halbiert Angebot
Ryanair reduziert sein Flugangebot am BER deutlich und schließt die dortige Basis. Der Flughafenverband sieht darin ein strukturelles Warnsignal.
Ryanair wird sein Flugangebot am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) im Winterflugplan halbieren. Zusätzlich plant die Airline die Schließung der dortigen Basis zum 24. Oktober sowie den Abzug aller sieben stationierten Flugzeuge. Das Unternehmen begründet den Schritt mit den aus seiner Sicht zu hohen Standortkosten sowie einer angekündigten Erhöhung der Flughafenentgelte für den Zeitraum 2027 bis 2029 um weitere 10%. Der BER widerspricht dieser Darstellung und betont, dass eine derartige Erhöhung der Entgelte nicht vorgesehen sei. Aktuell befinde man sich weiterhin in Gesprächen mit Ryanair und weiteren Fluggesellschaften.
Auch in Österreich fordert Ryanair eine Abschaffung der Flugverkehrsabgabe und stellt in diesem Zusammenhang zusätzliche Investitionen in Aussicht. Gleichzeitig hatte die Airline zuletzt weitere mögliche Angebotskürzungen am Standort Wien in Aussicht gestellt.
Marktanteil und Bedeutung für den BER
Ryanair hält nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 15 bis 16% am BER. Die Bedeutung der Airline für den Standort verdeutlichen auch die Zahlen des Flughafens: Demnach war Ryanair im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2026 gemessen am Passagieraufkommen knapp vor easyJet die größte Einzelgesellschaft am Airport.
Sollte Ryanair seine Ankündigung voll umsetzen, wäre dies Branchenexperten zufolge ein schwerer Schlag für den Airport. Denn im vergangenen Jahr zählte der BER trotz 2,3% Wachstum nur 26 Mio. Passagiere und hängt damit noch weit hinter der Vor-Corona-Zeit zurück. Zum Vergleich: 2019 und damit vor der Pandemie hatten die Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen noch 35,65 Millionen Menschen abgefertigt.
Verband sieht strukturelles Kostenproblem
Der deutsche Flughafenverband bewertet die angekündigte Reduktion als Hinweis auf ein strukturelles Problem im Luftverkehrsstandort Deutschland. Laut Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel verhinderten hohe staatliche Abgaben eine stärkere Beteiligung am Wachstum des europäischen Luftverkehrs. Genannt werden insbesondere die Luftverkehrsteuer, Sicherheitsgebühren sowie Flugsicherungs- und Flughafenentgelte. Während die reinen Flughafenentgelte im europäischen Vergleich im unteren Durchschnitt lägen, machten staatliche Abgaben einen wesentlichen Anteil der Gesamtkosten für Airlines aus.
Der Verband nannte auch Beispiele: Während ein Flug von Berlin nach Palma Fluggesellschaften rund 7.600 EUR an Steuern und Gebühren koste, seien es ab Warschau nur etwa 4.400 EUR. Für einen Flug nach New York würden von einem deutschen Flughafenstandort rund 25.300 EUR fällig, an einem vergleichbaren europäischen Standort nur etwa 13.900 EUR. Deutschland habe beim Passagieraufkommen nur ein geringes Plus seit zehn Jahren, Nachbarländer aber teils große Zuwächse. (APA / red)
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Autor/in:
Julia Trillsam
Redakteurin
Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.
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