ECTAA: EU Passenger Package mit Verbesserungspotenzial


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Die Europäische Kommission hat im Mai ein neues Fahrgastpaket (Passenger Package) vorgelegt, das das Buchen von Bahn- und multimodalen Reisen in Europa vereinfachen soll. Die ECTAA, die Vereinigung der europäischen Reisebüros und -veranstalter, unterstützt nach eigenen Angaben die Zielsetzung, sieht aber Nachbesserungsbedarf.

Das von der Kommission vorgelegte Paket umfasst drei Gesetzesvorschläge. Sie sollen unter anderem ermöglichen, Verbindungen mehrerer Bahnunternehmen über eine Plattform zu finden, zu vergleichen und mit einem Ticket zu buchen. Gleichzeitig sollen Reisende bei solchen Verbindungen von durchgehenden Fahrgastrechten profitieren. Auch für Reisen, die verschiedene Verkehrsmittel kombinieren, sind bessere Informationen und einfachere Buchungsmöglichkeiten vorgesehen.

Die ECTAA unterstütze das Ziel, Bahn- und multimodale Reisen leichter auffindbar, vergleichbar und buchbar zu machen. Unabhängige Reisevermittler:innen – darunter Reisebüros, Reiseveranstalter, Online-Reisebüros, Ticketplattformen und andere Vertriebspartner – seien dafür unverzichtbar, heißt es in der Pressemitteilung des  Verbandes. Damit sie diese Rolle auch erfüllen könnten, brauche es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen.

Zugang zu unverzichtbaren Inhalten

Ein zentraler Punkt ist für die ECTAA der Zugang zu Inhalten, die für den Vertrieb unverzichtbar sind. Reisevermittler:innen könnten schließlich nur jene Angebote vergleichen und verkaufen, auf die sie Zugriff haben. Deshalb müssten Tarife, Verfügbarkeiten, Zusatzleistungen und Funktionen zur Bearbeitung von Buchungen zu fairen und diskriminierungsfreien Bedingungen zugänglich sein. Andernfalls könnten Verbraucher:innen nur einen Teil des Marktes sehen und dadurch eine günstigere oder besser geeignete Option verpassen.

Das gelte nach Ansicht der ECTAA nicht nur für die Bahn. Die Regeln für multimodale Reisen müssten für alle Verkehrsträger greifen – unabhängig davon, ob eine Reise mit der Bahn, dem Flugzeug, dem Fernbus oder einer Kombination verschiedener Verkehrsmittel erfolgt. Wo Verkehrsunternehmen über Inhalte verfügen, die für den Vertrieb unverzichtbar seien, müssen daher faire, angemessene und diskriminierungsfreie (FRAND) Bedingungen gelten. Je größer die Marktmacht, desto wichtiger seien klare und einheitliche Spielregeln, unabhängig vom Verkehrsträger, so die ECTAA.

Mehr Transparenz, aber keine Einheitsdarstellung

Auch bei der Reihung von Reiseangeboten spricht sich die Branchenvertretung für mehr Transparenz aus: Verbraucher:innen sollten nachvollziehen können, warum Angebote in einer bestimmten Reihenfolge angezeigt würden und wann für eine bessere Platzierung bezahlt werde. Dies sei bereits heute durch das EU-Verbraucherrecht vorgeschrieben.

Gleichzeitig sollte die Gesetzgebung nach Ansicht der ECTAA nicht vorgeben, wie die Standarddarstellung der Vermittler:innen auszusehen habe. Verbraucher:innen hätten unterschiedliche Prioritäten – vom Preis und der Reisedauer bis hin zu Zuverlässigkeit und Komfort. Reisevermittler:innen sollten deshalb weiterhin eigene Vergleichsinstrumente entwickeln können, die auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen. Der Fokus sollte auf Transparenz liegen, ohne Auswahlmöglichkeiten und Innovation einzuschränken.

Keine neuen "Riesen" im Bahnvertrieb

Kritisch sieht die ECTAA schließlich die mögliche Stärkung marktbeherrschender Bahnplattformen. Diese könnten dadurch zu noch stärkeren Gatekeepern werden und den Zugang zu Kund:innen und Daten kontrollieren, warnt der Verband. Würden etablierte Bahnanbieter verpflichtet, die Angebote ihrer Wettbewerber auf den eigenen Plattformen bereitzustellen, könnte dies ihre Position im Vertriebsmarkt weiter stärken.

Eine bessere Sichtbarkeit konkurrierender Bahnangebote lasse sich aus Sicht der ECTAA auch anders erreichen: durch die vorgeschlagene Verpflichtung, Inhalte zu FRAND-Bedingungen mit Plattformen anderer Verkehrsanbieter und unabhängigen Reisevermittler:innen zu teilen. Die Botschaft des Verbands lautet daher: Inhalte öffnen, statt die Position der Gatekeeper weiter zu stärken.

„Für Verbraucher:innen sollte der eigentliche Nutzen des Fahrgastpakets einfach sein: mehr Möglichkeiten zum Vergleichen, mehr Transparenz und ein leichterer Weg, die für sie am besten geeignete Reise zu finden. Ein echter Vergleich ist jedoch ohne Zugang zum gesamten Angebot an Verkehrsinhalten nicht möglich. Ein starker unabhängiger Vertriebsmarkt ist entscheidend, um die Auswahl und den Wettbewerb zu gewährleisten, die europäische Reisende erwarten“, sagte ECTAA-Präsidentin Heli Mäki-Fränti.

ECTAA fordere daher das Europäische Parlament und den Rat auf, diese vier Prioritäten in den anstehenden Gesetzgebungsverhandlungen zu berücksichtigen. Gelinge es der EU, den richtigen Rahmen zu schaffen, könne das Fahrgastpaket für mehr Wettbewerb, bessere Vergleichsmöglichkeiten und eine größere Auswahl sorgen – und Bahn- sowie multimodale Reisen für europäische Verbraucher:innen tatsächlich einfacher machen, so der Verband abschließend. (red)


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Autor/in:

Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit 25 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlag-Teams. Fast jedes geschriebene Wort, das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.





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