America Unlimited: USA haben sich verzockt


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Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft sollte den USA zusätzliche Besucher bescheren und das Land als modernes und weltoffenes Reiseziel präsentieren. Nach Einschätzung des Nordamerika-Spezialisten America Unlimited bleiben die erhofften Impulse für den Tourismus bislang jedoch aus.

Statt steigender Nachfrage würden vielerorts sinkende Buchungszahlen, Preiskorrekturen bei Hotels und eine zurückhaltende Reiselust das Bild prägen. „Die USA haben sich mit der WM verzockt“, sagt Timo Kohlenberg, CEO von America Unlimited. Viele Hoteliers hätten offenbar darauf gesetzt, während des Turniers deutlich höhere Zimmerpreise durchsetzen zu können. Teilweise seien die Raten in den Austragungsorten um mehr als 200% angehoben worden. Diese Kalkulation sei vielerorts jedoch nicht aufgegangen.

Nach Angaben des Unternehmens hätten zahlreiche Hotels ihre zuvor erhöhten Preise inzwischen wieder deutlich reduzieren müssen. Teilweise seien die Raten um bis zu 50% gesenkt worden. Zudem seien größere Zimmerkontingente wieder auf den freien Markt gelangt, nachdem die erwartete Nachfrage ausgeblieben sei.

Großereignisse verdrängen oft klassische Reisende

Für Kohlenberg kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Bereits im Vorfeld habe America Unlimited darauf hingewiesen, dass Mega-Events wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften häufig klassische Urlauber:innen abschreckten. „Viele Reisende meiden bewusst Regionen, in denen sie überfüllte Hotels und hohe Preise erwarten. Genau diesen Effekt sehen wir aktuell“, erklärt Kohlenberg. Die Buchungen für die USA lägen während der WM derzeit rund 25% unter dem Vorjahresniveau. Statt zusätzliche Gäste anzuziehen, habe das Turnier vielerorts eher für Zurückhaltung gesorgt.

Verpasste Chance für das Image der USA

Kritisch bewertet das Unternehmen auch die Wirkung auf das internationale Image der Gastgebernation. Die Weltmeisterschaft hätte aus Sicht von America Unlimited die Möglichkeit geboten, die USA als gastfreundliches und attraktives Reiseland zu präsentieren. „Die USA hätten mit dieser Weltmeisterschaft weltweit Sympathiepunkte sammeln können. Stattdessen dominieren Diskussionen über hohe Kosten und enttäuschte Erwartungen. Das ist eine vertane Chance und könnte dem touristischen Image des Landes schaden“, so Kohlenberg.

Als weiteren Hinweis auf die verhaltene Nachfrage verweist America Unlimited auf eine Analyse der American Hotel & Lodging Association (AHLA). Demnach lägen die Buchungen in vielen Austragungsorten deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen. Nach Angaben des Verbandes seien in mehreren WM-Städten erhebliche Teile - bis zu 70%, so America Unlimited in der Pressemeldung - der ursprünglich für die FIFA reservierten Zimmerkontingente wieder freigegeben worden. Betroffen seien unter anderem Boston, Dallas, Los Angeles, Philadelphia und Seattle.

„Viele Marktteilnehmer haben mit einer deutlich höheren internationalen Nachfrage gerechnet. Die Realität zeigt nun, dass die Erwartungen vielerorts zu optimistisch waren“, sagt Kohlenberg. Die hohen Preisforderungen hätten zahlreiche Urlauber abgeschreckt. Wer eine Reise in die USA plane, weiche dann häufig auf einen anderen Zeitraum aus. Nach Einschätzung von America Unlimited bestätige die Entwicklung einen bekannten Effekt großer Sportveranstaltungen: Während Veranstalter und Anbieter auf zusätzliche Besucher hofften, blieben klassische Urlauber oftmals aus. Dadurch könne statt eines Nachfragebooms sogar eine temporäre Nachfragelücke entstehen.

Kritik an hohen Verkehrskosten

Für Diskussionen sorgten zudem die Kosten für die Anreise zu einzelnen Spielorten. Insbesondere rund um das MetLife Stadium im Großraum New York standen die Preise für den öffentlichen Nahverkehr in der Kritik. Nachdem Fahrpreise von bis zu 150 USD für eine Zugfahrt zu WM-Spielen international für Aufmerksamkeit gesorgt hätten, seien die Tarife nach Angaben von America Unlimited inzwischen reduziert worden. Der Preis für eine Fahrt liege nun bei rund 105 USD. „Wenn selbst die Anreise zum Stadion für viele Fans zum Luxus wird, läuft etwas grundlegend falsch“, sagt Kohlenberg. „Eine Weltmeisterschaft sollte Menschen zusammenbringen und Begeisterung schaffen – nicht durch überhöhte Preise abschrecken.“

Erwartungen und Realität klaffen auseinander

Aus Sicht von America Unlimited wurden die wirtschaftlichen Erwartungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft vielerorts zu hoch angesetzt. Zwar habe die FIFA bereits Millionen Tickets verkauft, die erhofften Zusatzeffekte für die Tourismuswirtschaft blieben nach Einschätzung des Unternehmens bislang jedoch hinter den Prognosen zurück.

„Viele Hotels haben jahrelang auf diesen Sommer hingearbeitet und mit einem außergewöhnlichen Nachfrageboom gerechnet. Die Realität sieht anders aus“, so Kohlenberg. Wenn Hotelpreise nach massiven Aufschlägen wieder gesenkt werden müssten und große Zimmerkontingente zurück in den Markt kämen, deute dies darauf hin, dass Angebot und tatsächliche Nachfrage nicht im erwarteten Verhältnis stünden.

Kohlenbergs eher nüchternes Fazit: „Die WM sollte ein Fest für die Welt werden und gleichzeitig Werbung für die USA machen. Bislang zeigt sich vor allem, dass viele Erwartungen deutlich zu hoch waren. Für zahlreiche Anbieter geht die Rechnung aktuell nicht auf.“ (red)


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Redakteur / Managing Editor

Dieter ist seit 25 Jahren wichtiger Teil des Profi Reisen Verlag-Teams. Fast jedes geschriebene Wort, das die Redaktion verlässt, geht über seinen Schreibtisch.





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