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Graz Airport: Herausforderungen, Entwicklungen und Ausblick
Der Graz Airport hat für den Sommerflugplan 2027 vier neue Airlinepartner gewonnen. Zudem rechnet der Flughafen für 2026 mit rund 810.000 Passagier:innen und baut sein Angebot im Frachtbereich sowie die Anbindung an den öffentlichen Verkehr aus.
Bei einem Pressegespräch am 20. Oktober informierten die Geschäftsführer des Graz Airport, Wolfgang Grimus und Jürgen Löschnig, gemeinsam mit Mark Perz, Vorstandsdirektor der Holding Graz, über die aktuelle Entwicklung des Flughafens. Themen waren unter anderem die Situation der österreichischen Luftfahrt, der Winterflugplan 2026/27, neue Verbindungen im Sommer 2027 sowie Maßnahmen zur CO₂-Reduzierung und bauliche Anpassungen.
Winter: Städteziele und Drehkreuzanbindungen
Der Winterflugplan 2026/27, der am 25. Oktober startet und bis zum letzten Märzsonntag läuft, zeichnet sich in erster Linie durch Städteflüge sowie Anbindungen zu mitteleuropäischen Drehkreuzen aus. So fliegt Eurowings nach Berlin und Hamburg, British Airways verbindet Graz dreimal wöchentlich mit London. Lufthansa und Air Dolomiti bieten mehrmals täglich Verbindungen nach Frankfurt und München an. Durch den Einsatz größerer Flugzeuge wurde die Sitzplatzkapazität auf vielen Flügen gegenüber dem vergangenen Winter erhöht. Swiss stockt die Verbindung nach Zürich auf sieben Flüge pro Woche auf. Somit können Fluggäste des Graz Airport auch im Winter mit nur einmal Umsteigen rund 200 Destinationen erreichen. Mit Sunexpress gibt es außerdem Direktflüge nach Antalya, während Corendon Airlines einmal wöchentlich das Urlaubsziel Hurghada anbietet. Ergänzt wird das Angebot durch einzelne Flüge nach Istanbul, Palma de Mallorca und Malta Ende Oktober und Anfang November. Am 4. Dezember fliegt Springer Reisen außerdem nach Lissabon, am 20. März 2027 bietet Gruber Reisen einen Osterflug nach Madrid mit Kulturprogramm an.
Sommer 2027: Vier neue Airlines
Nach der Auflösung der Eurowings-Station am Graz Airport führte der Flughafen Gespräche mit verschiedenen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, um das touristische Angebot für den kommenden Sommer zu sichern. Inzwischen konnten vier neue Airlinepartner gewonnen werden: Aegean Airlines, Freebird Airlines, Air Cairo und SkyAlps. Eurowings wird neben den Linienverbindungen nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg auch Palma de Mallorca und Karpathos anbieten. Neu im Flugplan ist Aegean Airlines mit zwei wöchentlichen Flügen nach Rhodos. Freebird Airlines ergänzt das Angebot nach Heraklion mit einer weiteren wöchentlichen Verbindung neben Corendon Airlines. Air Cairo fliegt bis zu zweimal pro Woche nach Hurghada, während SkyAlps zweimal wöchentlich Olbia ansteuert. Beliebte Ziele wie Antalya, Brač, Calvi, Skiathos und Paros bleiben ebenfalls im Programm. Bei den Kurzketten und Sonderflügen zeichnen sich zudem Verbindungen nach Catania, Kos, Malta, Monastir, Montpellier, Neapel und Montenegro ab. Der Linienflugplan mit den Drehkreuzen Düsseldorf, Frankfurt, München und Zürich sowie den Städten Berlin, Hamburg und London soll unverändert bleiben. Gespräche mit Pegasus über eine Wiederaufnahme der vorübergehend ausgesetzten Istanbul-Flüge laufen noch.
„Trotz der schwierigen Umfeldsituation ist es uns gelungen, vier neue Airlines vom Standort Graz Airport zu überzeugen und so die Lücke, die durch die Programmreduzierung der Eurowings entstanden ist, weitgehend zu schließen“, erklärt Wolfgang Grimus. Im Sommer 2027 sollen damit rund 30 Destinationen direkt ab Graz erreichbar sein.
Passagierzahlen & Forderung nach Entlastung
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellen die Luftfahrt allerdings weiterhin vor Herausforderungen. Laut Graz Airport haben sich die Kerosinpreise aufgrund der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Zudem seien die staatlich induzierten Steuern und Abgaben in Österreich seit 2019 um 85% gestiegen, während die Flughafenentgelte im selben Zeitraum um 22% erhöht worden seien. Der Kostendruck veranlasst Fluggesellschaften dazu, ihr Angebot anzupassen oder Verbindungen einzustellen.
Der Graz Airport konnte nach eigenen Angaben auf mehreren Strecken gegensteuern und rechnet für 2026 mit rund 810.000 Passagier:innen. Damit dürfte das Ergebnis nur leicht unter jenem des Vorjahres liegen. Grimus fordert eine Abschaffung oder zumindest eine deutliche Reduzierung der Flugabgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Luftfahrtstandorts zu stärken. Die vom Verkehrsministerium angekündigten Entlastungsmaßnahmen in Höhe von jeweils 30 Mio. EUR für 2027 und 2028 seien ein Schritt, reichten aus Sicht des Flughafens aber nicht aus.
Frachtbereich & Bahnverbindungen
Die Fracht entwickelt sich positiv: Von Jänner bis September verzeichnete der Graz Airport ein Plus von 9,5%. Für 2026 hält der Flughafen erstmals ein Jahresvolumen von mehr als 20.000 Tonnen für möglich. Zusätzliche Kapazitäten entstehen durch den Einsatz größerer Flugzeuge auf den Strecken nach Frankfurt und München. An Werktagen stehen dadurch jeweils bis zu zwei tägliche Transportmöglichkeiten zur Verfügung.
Auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr wird erweitert. Ab Dezember gibt es eine tägliche Direktverbindung zwischen Kärnten und dem Graz Airport mit Ankunft um 5:15 Uhr sowie eine Verbindung vom Flughafen nach Kärnten mit Abfahrt um 23:33 Uhr. Zudem halten ab Mitte Dezember mehr als 20 Züge pro Tag aus Maribor direkt am Flughafenbahnhof. Mehr als zehn davon ermöglichen eine Fahrt zwischen Graz und Maribor in rund 50 Minuten ohne Umsteigen.
Investitionen in Nachhaltigkeit und Infrastruktur
Bei der Reduzierung des CO₂-Ausstoßes setzt der Flughafen weiterhin auf HVO 100 und ersetzt bei Neuanschaffungen, wo möglich und sinnvoll, dieselbetriebene Geräte durch elektrische Varianten. Zu den jüngsten Anschaffungen zählen mobile Bodenstromgeräte, Gepäckförderbänder, Passagiertreppen mit integrierter Photovoltaikanlage sowie mehrere Fahrzeuge für den Flughafenbetrieb. In diesem Jahr erhält der Graz Airport zudem zum 27. Mal die Ökoprofit-Auszeichnung.
Bauliche Anpassungen betreffen unter anderem die Grenzkontrollstellen für ankommende Passagier aus Nicht-Schengen-Staaten. Die Flächen werden erweitert, ein flexibles Passagierleitsystem installiert und neue WC-Anlagen errichtet. Auch die Räumlichkeiten für das Notfallinformationszentrum und den Sammelraum des Führungsstabs wurden angepasst. (red)
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Autor/in:
Julia Trillsam
Redakteurin
Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.
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