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Offener Brief von ÖRV und WKÖ: Irankrieg belastet Reisebranche
Eine aktuelle Umfrage zeigt deutliche wirtschaftliche Auswirkungen des Irankriegs auf die österreichische Reisebürobranche. WKÖ und ÖRV fordern in einem offenen Schreiben konkrete Unterstützungsmaßnahmen.
Der Fachverband der Reisebüros der Wirtschaftskammer Österreich und der Österreichischer Reiseverband haben sich in einem offenen Brief an Staatssekretärin Elisabeth Zehetner gewandt. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs für die Branche, die laut einer aktuellen Umfrage bereits einen Großteil der Reiseunternehmen betreffen.
Gleichzeitig zeigt sich eine leichte Verbesserung der Sicherheitslage in den Vereinigte Arabische Emirate und Katar mit wichtigen internationalen Drehkreuzen. Das Auswärtiges Amt hat seine Reisewarnung teilweise aufgehoben, zudem gibt es im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten Überlegungen, die Sicherheitsstufe für nicht direkt betroffene Standorte wie Doha und Dubai auf Stufe 3 zu senken.
Offener Brief:
Aktuelle Situation der Reisebranche
Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,
die österreichische Reisebürobranche weist rund 2.300 Unternehmen mit rund 8.000 Mitarbeiter:innen auf. Insbesondere ihr starker Incoming-Bereich ist ein essenzieller Multiplikator für den heimischen Tourismus. Durch die Situation im Nahen Osten sieht sich die Branche dramatischen Auswirkungen ausgesetzt.
In einer aktuellen Umfrage unter Reiseunternehmen, die insgesamt rund 70% bis 80% des touristischen Umsatzvolumens hierzulande repräsentieren, geben 75% der Befragten an, durch die Auswirkungen des Krieges stark oder sehr stark betroffen zu sein. Kein einziges Unternehmen gibt an nicht beeinflusst zu sein. 80% der Betriebe befürchten eine weitere Verschlechterung der Situation in den nächsten 6 Monaten (Umfrage des österreichischen Reiseverbands (ÖRV), April 2026).
Während Reisebüromitarbeiter:innen zu Beginn des Irankrieges massiv mit der Organisation von alternativen Rückbeförderungen, Umbuchungen von Reisen und Stornierungen befasst waren, hat sich die Lage mittlerweile drastisch verändert. Die Branche ist aktuell mit einem massiven Einbruch an Buchungen belastet – dies in einer Zeit, die normalerweise als Hauptbuchungszeit gilt. Gründe dafür sind ein totaler Ausfall gewisser Destinationen, stark gestiegene Flugpreise und eine allgemein spürbare Verunsicherung sowie daraus resultierende Konsumzurückhaltung von Kunden.
Gefragt nach einer Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr rechnen 75% der Reiseunternehmen mit einem zumindest zweistelligen Umsatzrückgang, knapp die Hälfte sogar mit einem Rückgang von mehr als 20 %. In einem von fünf Unternehmen wird ein Rückgang zwischen 5 und 10% erwartet. Kein einziges der befragten Unternehmen prognostiziert für heuer ein ausgeglichenes Ergebnis.
Die genannten Prognosen gehen von einem sicheren Fortbestand der Kerosinversorgung für Airlines aus. Sollte sich die Verfügbarkeit von Kerosin in Europa als auch global massiv verschlechtern – 50% des europäischen Kerosinbedarfs wird über die Straße von Hormus gedeckt – wären die wirtschaftlichen Auswirkungen ungemein schlimmer. Die Folge wären der Ausfall von hunderttausenden Flügen und die damit verbundene Nichtdurchführbarkeit von Reisen. Die Reisebürobranche wäre massiv in ihrer Existenz bedroht.
Im Sinne es verlässlichen staatlichen Krisenmanagements braucht daher bereits heute einen klaren Fahrplan, welche Unterstützungsmaßnahmen für die Branche ergriffen werden können.
Essenziell ist dabei die Kurzarbeit, welche sich auch in der Vergangenheit als wirksames Mittel erwiesen hat, um Fachkräfte in der Branche zu halten. Zusätzlich regen wir steuerliche Entlastungen, gezielte Marketingimpulse sowie eine aktive Krisenkommunikation mit staatlichen Stellen an. Auch mögliche Fördermodelle für den „Familienurlaub aus dem Reisebüro“ sowie Haftungs- und Garantielösungen sollten angedacht werden.
Für einen Austausch dazu stehen wir gerne zur Verfügung und verbleiben
Herzliche Grüße, Mag. Gregor Kadanka - Obmann, Mag. Eva Buzzi - Präsidentin Österr. ReiseVerband, Mag. Daniel Frings Geschäftsführer und Mag. (FH) Andreas Sturmlechner - ÖRV Generalsekretär
(red)
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Autor/in:
Julia Trillsam
Redakteurin
Julia Trillsam hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Jetzt ist sie bereit, die Welt zu bereisen. Je sonniger die Destination, desto schneller sind ihre Koffer gepackt.
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