Dertour sieht Reiselust ungebrochen, die Preise steigen


Strandfeeling in der Türkei - Foto: Denis Belitsky / shutterstock.com
Trotz des Kriegs im Nahen Osten bleibt die Reiselust hoch – steigende Kosten könnten Urlaub aber verteuern.

„Im Moment geht der Kerosinpreis nach oben. Wenn das auf diesem Niveau bleibt, wird sich das über die Zeit auch auf die Reisepreise auswirken", sagte der Chef des Reiseveranstalters Dertour, Christoph Debus, der Deutschen Presse-Agentur. „Kleinere Kostensteigerungen lassen sich im Moment für zukünftige Buchungen nicht ausschließen." Der nach eigenen Angaben größte deutsche Veranstalter in der Nahostregion beobachtet derzeit eine Verschiebung bei den Buchungen. „In der betroffenen Region sehen wir Stornierungen, Umbuchungen und eine gewisse Verunsicherung", sagte Debus. Insgesamt bleibe die Nachfrage jedoch stabil: „Die Reiselust der Deutschen und der Europäer ist ungebrochen." Viele Urlauber:innen wichen auf andere Ziele aus. Für Spanien und Griechenland gebe es weiter gute Buchungseingänge.

Austauschbare Ziele

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude, sagte, dieses Ausweichverhalten sei nicht ungewöhnlich. Viele klassische Warmwasserziele seien für Tourist:innen austauschbar. „Reisende wechseln schnell zu einem anderen Ziel, wenn Unsicherheit entsteht." In der Branche spreche man vom sogenannten 3-S-Tourismus – Sun, Sand, Sea –, bei dem die Austauschbarkeit von Destinationen besonders groß sei.

Fragezeichen hinter der Golfregion

Für die Golfregion sei die Lage schwer einzuschätzen, sagte Debus. „Im Moment steht hinter der Region ein Fragezeichen. Das ist so." Zugleich könne das Sicherheitsempfinden der Kund:innen schnell wiederhergestellt werden. „Diese Destinationen haben sich über Jahre ein sehr gutes Image aufgebaut. Wenn der Konflikt befriedet ist, kann dieses Vertrauen auch wieder zurückkehren."

Auch Ägypten bleibe gefragt, spüre aber die aktuelle Lage. Ägypten sei bei Dertour eine der Gewinnerdestinationen, so Debus. Zwar habe sich das Wachstum seit Beginn des Kriegs abgeschwächt. Nichtsdestotrotz würden die Buchungszahlen in Summe zweistellig über dem Vorjahr liegen. Hintergrund sei auch ein Wahrnehmungseffekt: „Wenn es einen Konflikt in einem arabischen Land gibt, werden häufig andere arabische Länder in Mithaftung genommen."

Infolge des Kriegs saßen Tausende Urlauber im Nahen Osten fest. „Gerade in so einer Krise zeigt sich, wie hoch der Wert einer Pauschalreise ist", sagte Debus. Man habe Flüge und sichere Unterkünfte organisiert – ohne Mehrkosten für Pauschalreisegäste. Zu den Kosten der Rückholaktion machte Debus keine Angaben, sprach aber von einem erheblichen Aufwand. (APA / red)


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