Moritz Luft: "Sylt ist, was du draus machst"


Moritz Luft, Geschäftsführer Sylt Marketing
Von Mai bis September bedient Austrian zweimal pro Woche die Strecke Wien – Sylt. Die Insel ist nicht nur für Reich und Schön geeignet, sondern zieht auch Natur- und Genusssuchende an, punktet mit Festivals und Outdoor-Aktivitäten und lockt Unerschrockene ganzjährig zum Sprung in die kalte Nordsee. Über diese und weitere Themen unterhielt sich Moritz Luft, Geschäftsführer Sylt Marketing, mit tip-daily. 

Im Sommer fliegt Austrian wieder die Strecke Wien – Sylt (GWT). Was erwarten Sie sich davon?
Moritz Luft: Wir bearbeiten den Markt Österreich seit zehn Jahren, ähnlich wie auch die Schweiz. Über die wöchentliche Verbindung von Juli bis September 2025 waren wir sehr glücklich. So konnten wir Sylt als klassisches Sommerferienziel vermarkten. Wir spekulieren allerdings auch auf die Monate Juni und September, die waren im Vorjahr extrem gut gebucht.

Wie wurde der Sylt-Flug im Vorjahr angenommen?
M. L.: Im Vorjahr gab es nur einen Flug pro Woche. Insgesamt hat Austrian etwas mehr als 2.000 Passagiere befördert, die durchschnittliche Auslastung lag bei 80%. Daher wurde für den Sommer 2026 auf zwei wöchentliche Verbindungen, mittwochs und samstags, von Mitte Mai bis September, aufgestockt. Mein Wunsch wäre, auch Amrum einzubinden. Mit der Fähre ist das ca. 45 Minuten von Sylt entfernt. Bereits jetzt besteht eine Kooperation zwischen Sylt, Amrum und Föhr. Die drei Inseln ergänzen sich sehr gut.

Eine Melange von Action und Ruhe

Welche Zielgruppe steht im Vordergrund?
M. L.: Nicht nur der klassische Bade-/Strandurlauber, allein wegen des typischen Nordseewetters und der Wassertemperatur von maximal 22 Grad. Sylt ist geeignet für Gäste, die Coolcation suchen, Natur, raue Brandung, Outdoor-Urlaub und Aktivitäten in der Natur. Dazu haben wir einen Schwerpunkt auf Genuss gelegt. „Junge Wilde“ bereichern das Kulinarik-Angebot um einen kreativen Aspekt.

Wie vermarktet sich Sylt in Österreich?
M. L.: Wir setzen auf die Kombination von Natur und Kulinarik, eine Melange von Action und Ruhe, nordischem Flair mit guter Erreichbarkeit und rauem Klima, besonders in den Monaten Dezember bis Februar. Am Abend des 21. Februar findet traditionell das Biikebrennen statt, bei dem der Winter verabschiedet wird. Das zieht Gäste wie Einheimische gleichermaßen an.

Wie entwickeln sich die Nebensaisonen?
M. L.: Wirklich gut. Auch regional verzeichnen wir viele Kurzurlauber, ebenso wie aus Skandinavien, da ist die Nachfrage groß. Knapp ein Drittel aller Gäste kommt in der Zeit zwischen März und Oktober. Das hat sich in den letzten 15 Jahren entwickelt. Hotellerie und Restaurants haben mitgezogen und ganzjährig geöffnet. Das ist auch wichtig, um die Mitarbeitenden zu halten. Die Anreisen im November lagen 2005 bei 20.000, 2024 sind sie auf 36.000 gestiegen. Die Nebensaison gewinnt also. Zur klassischen Hochsaison zählen auch Weihnachten und Sylvester. Im November ziehen das Island Food Festival oder die Literaturwoche der Privathotels Besucher an.

Wie haben sich die Gästezahlen in den letzten Jahren entwickelt?
M. L.: 1990 war der Standardurlaub zwei Wochen Sommerfrische bzw. eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von zehn Tagen. Da hielten wir bei 521.835 Gästen und 5,3 Mio. Nächtigungen. 2024 blieben die Gäste im Schnitt 7,35 Tage, ihre Anzahl stieg auf 918.668 bzw. auf 6,7 Mio. Nächtigungen. Der Trend geht also klar in Richtung Kurzurlaub.

Was sind die relevanten Quellmärkte?
M. L.: 97% unserer Gäste kommen aus Deutschland. Aus der Schweiz verzeichneten wir 2024 90.000 Nächtigungen, aus Österreich 37.000. 2009 lagen die Zahlen noch bei 34.480 bzw. 15.325. Dänemark ist auch ein wichtiger Markt, allerdings liegt da die Aufenthaltsdauer im Schnitt bei zwei Tagen. Aus Österreich erwarten wir eine starke Steigerung, ähnlich wie bei der Schweiz.

"Wenn es uns gut geht, geht es auch unseren Gästen gut."

Eine Tourismusstrategie für Sylt ist angedacht – wie sehen die Details aus?
M. L.: Wir wollen Weichen für das nächste Jahrzehnt stellen und dabei das Heft wieder mehr selbst in die Hand nehmen, ohne Einflussnahme von außen. Und wir wollen auf neueste Angebots- und Nachfrageentwicklungen eingehen. Wenn es uns gut geht, geht es auch unseren Gästen gut. Wir versuchen, den Fokus also auch mehr auf die Einwohner zu legen. Eine Befragung unter 1.200 Gästen hat ergeben, dass mehr als 70% öfter als sechsmal auf Sylt waren. Das ist eine sehr hohe Anzahl an Stammgästen.

Gibt es einen Plan zur Lenkung der Besucherströme?
M. L.: Wir haben als Insel relativ wenig Tagesausflügler und daher auch keine Notwendigkeit zur Lenkung größerer Besucherströme. Allerdings müssen wir die Infrastruktur ausbauen und mehr Bewegungsräume schaffen. Das ist ein Thema der Tourismusstrategie. Wir wollen Einwohner und Gäste stärker zusammenbringen, z.B. im Winter bei der Sylter Sturmwoche oder dem Biikebrennen am 21. Februar, oder den vielen Sport- und Kulturevents im Sommer.

Sind neue Investitionen in den Tourismus angedacht?
M. L.: Ja, in die Verkehrsinfrastruktur. Auch in die Ausrichtung der Promenade in Westerland als Begegnungszone. Der Hafen von Hörnum, der Heimat der Ausflugsschiffe und Muschelfischer auf Sylt, soll durch die Kommune saniert werden.

Wetterextreme nehmen zu – was bedeutet das für eine Insel wie Sylt?
M. L.: Die Insel ist sturmerprobt und richtet sich permanent entsprechend aus: Das Land sichert die Insel beispielsweise als Küstenschutz für das Festland. Sand wird auf der Westseite aufgespült, das funktioniert relativ gut. An der abnehmenden Südspitze jedoch können die Gezeiten durch den Bahndamm nicht ihren natürlichen Lauf nehmen, so dass diese Region durch stärkere Strömungen naturbelassen bleibt. Unser aktuelles Thema ist Abfallvermeidung auf der Insel. Bei der Wasserversorgung sind wir autark. Optimale Ressourcennutzung ist ein wichtiges Thema für unsere Gastgeber.

Was erwarten Sie sich touristisch gesehen für dieses Jahr?
M. L.: Dass wir eine anhaltende Konsumzurückhaltung erleben. Ich bin dennoch froh, dass wir auch in 2025 die Nächtigungszahlen halten konnten, und ich plane mit einem ähnlichen Aufkommen in diesem Jahr. Wir sind attraktiv. Unser großes Kapital ist die Natur. Es ist nicht alles „schön und reich“. Sylt ist vielmehr das, was du daraus machst. Es gibt kaum einen anderen Ort, wo auf 100km² so viele unterschiedliche Interessen zusammentreffen. Neben den vielen Veranstaltungen ist ein extremes Highlight, dass man das ganze Jahr ins Wasser gehen kann.

Das Gespräch führte Elo Resch-Pilcik


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach mehr als 30 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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