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Offener Brief 2: VSV Kolba antwortet P. Weitzer


Foto: Lightspring / shutterstock.com
Ebenfalls mit einem Offenen Brief reagiert VSV-Obmann Peter Kolba auf das Schreiben Patrik Weitzers zum Thema „Reisegutscheine statt Rückzahlung“.

Peter Kolba, Obmann des Verbraucherschutzvereins (VSV) betont dabei seine Rolle als Interessensvertreter für Verbraucher, insbesondere für die Mitglieder des Vereins. Zudem kritisiert er, dass „Reiseveranstalter, Fluglinien und Hoteliers nicht mit offenen Karten spielen“, da die bestehende Rechtslage bei Stornos nicht ausreichend erklärt würde.

Gleichzeitig betont Kolba, dass er die Argumente aus Sicht eines Reisebüros nachvollziehen könne und dass er den Eindruck habe, dass „die Vermittler z.T. durchaus um Lösungen für ihre Kunden bemüht sind“.

Der Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Weitzer!

Ich bin als Obmann des Verbraucherschutzvereines (VSV) ein Interessensvertreter für Verbraucher und insbesondere für unsere Mitglieder. Das unterscheidet mich heute auch von meiner Rolle als Angestellter des VKI, auf den früher die Sozialpartner und dann nur mehr die Arbeiterkammer Einfluss ausübten und wo ich in einigen Fällen keine konsequente Interessensvertretung mehr sah bzw sehe.

Ich habe feststellen müssen:

  • dass Reiseveranstalter, Fluglinien und Hoteliers von Kunden bei einem kostenlosen Rücktritt ernstlich eine Stornogebühr einfordern, obwohl es außer Zweifel sein sollte, dass man in diesen Tagen sicher keine Reise antreten müsste.
  • dass Reiseveranstalter, Fluglinien und Hoteliers Ihren Kunden gegenüber nicht mit offenen Karten spielen. Es wäre mE fair, den Kunden zum einen die bestehende Rechtslage darzulegen und dann neben einer Rückzahlung von mir aus auch Gutscheine anzubieten und dafür zu argumentieren. Statt dessen sind einige schlicht nicht erreichbar, in den Medien wird fälschlich behauptet, dass es ein kostenloses Rücktrittsrecht nur im Fall einer Reisewarnung der Stufe 6 gäbe und es wird in vielen Fällen – ohne weitere Erklärung – nur ein Gutschein angeboten, der – wenn er statt einer Pauschalreise angeboten wird – im Gegensatz zu dieser nicht insolvenzversichert ist.
  • dass Reiseveranstalter wie etwa die TUI bereits im Lichte der Pleite von Thomas Cook ihr Veranstaltergeschäft wohl deshalb nach Deutschland verlegt haben, um die dortige für sie günstigere Rechtslage im Hinblick auf eine Insolvenzversicherung auszunützen – im Fall der Fälle zum Schaden ihrer Kunden. Ich habe die WKÖ Fachgruppe Reisebüros darauf hingewiesen und habe dort kein besonderes Interesse gespürt, diese Lage zu verändern oder die Kunden darüber aufzuklären.
  • dass die Reisebranche fälschlich behauptet, dass bereits einige Staaten „Gutschein statt Geld“ gesetzlich geregelt hätten, obwohl – und mir liegt der Text des internen Rundschreibens vor – Sie sich im Klaren sind, dass das nichts nützt, da sich Verbraucher auf die Pauschalreiserichtlinie berufen können und daher – gegen diese Schnellschuss-Regelungen – Geldersatz durchsetzen könnten.
  • dass die ECTAA bei der EU-Kommission dafür lobbyiert, deshalb die Pauschalreiserichtlinie zu ändern und den Verbraucherschutz damit deutlich zu schwächen, während man in der Öffentlichkeit von „Solidarität“ redet.

Alle diese Punkte sehe ich nicht als „an einem Strang ziehen“ und an einer „gemeinsamen Lösung“ arbeiten. Ich möchte aber klar zum Ausdruck bringen, dass ich Ihre Argumente aus der Sicht eines Vertreters der Reisebüros durchaus verstehe. Ich habe auch mit einigen Ihrer Kolleg*innen Kontakt gehabt und den Eindruck gewonnen, dass die Vermittler zT durchaus um Lösungen für Ihre Kunden bemüht sind.

Ich habe in der Vergangenheit häufig auf den Nutzen der Reisebüros bei der Vermittlung von Pauschalreisen hingewiesen. Ich sehe auch den wirtschaftlichen Druck, dem die Reisebranche ausgesetzt ist. Doch Stornogebühren kassieren, um Staatshilfe ansuchen und an die Solidarität der Kund*innen zu appellieren – das kann ich nicht nachvollziehen.

Ich nehme an, dass die Sozialpartner auch hier einen „Runden Tisch“ einberufen mögen, alleine ich werde dazu wohl kaum eingeladen. Konsequente Interessensvertreter sind bei einem Konflikt zwischen den Schutzzielen Arbeitsplätze kontra Verbraucherschutz nicht gewünscht. Das habe ich sehr konkret erlebt und deshalb bin ich auch nicht mehr Angestellter des VKI.

Ich hoffe Ihnen meine Motivation dargestellt zu haben und ich bleibe auch gerne im Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Kolba

Verein zum Schutz von Verbraucherinteressen
Dr. Peter Kolba (Obmann)
www.verbraucherschutzverein.at
www.klagen-ohne-risiko.at
www.allianz-gegen-ignoranz.at

 


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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