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LH-Gruppe: Mit NDC und Vertrieb auf gemeinsamer Reise


Stephan Linhart
NDC, Direct Connect, Content-Diversifizierung, Continuous Pricing – die Liste der aktuellen Themen bei der Lufthansa Group – und auch anderen Airlines - ist lang. Bei den Herausforderungen, die dem stationären Vertrieb daraus entstehen, will Austrian die Partner unterstützen, erwartet allerdings auch Eigeninitiative. 

NDC sei hier und es werde auch nicht mehr weggehen, leitet Stephan Linhart, Head of Sales Austria & Slovakia bei Austrian Airlines, das Gespräch ein. Ihm ist bewusst, dass das neue Datenformat dem stationären Vertrieb alles andere als viel Freude bereitet. Dass damit der Verlust von Full Content und somit auch der Vergleichbarkeit unterschiedlicher Anbieter einhergeht, ist ein weiteres Ärgernis für die Reisebüros. Dennoch betont Linhart, dass die Lufthansa Gruppe den „Drittvertrieb“ unterstützen möchte. Auch, oder gerade weil, das Thema sehr komplex ist. Derzeit gibt es 50 verschiedene NDC-Standards, die alle unterschiedliche API (Schnittstellen) verlangen. Das ist eine der großen Herausforderungen für das „Front End“, also die Reisebüros. Auch die Light Tarife, die seit Anfang des Jahres nur noch auf Direktkanälen der LH-Gruppe buchbar sind, sind demnach nicht mehr über GDS zu haben. Eine – gratis - Ausweichmöglichkeit für TMCs und Reisebüros ist SPRX von Farelogix, das allerdings derzeit nur Basisfunktionen erfüllt. „Wir wissen, dass das nicht das Gelbe vom Ei ist“, zeigt Linhart Verständnis für den Fremdvertrieb.

Ist „Lucy“ dIe Lösung?

Als Lösung nennt Linhart „Multisource“, wie in den Lufthansa City Centers mit „Lucy“ bereits erfolgreich umgesetzt wird. Dabei werden verschiedene Quellen auf einem Schirm dargestellt, was zumindest „Rich Content“ ermöglicht. Auch bei „Lucy“ gebe es noch ein paar „Bugs“ (Fehler), die noch ausgemerzt werden müssten, so Linhart weiter, aber: „Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut“. Wann GDS voll funktionierende NDC-Produkte anbieten können, scheint derzeit noch offen. „Bei der technologischen Weiterentwicklung bewegt sich einiges. Das ist durchaus begrüßenswert“, so der AUA-Manager weiter. Er ortet derzeit Druck auf alle Beteiligten, die Airlines, die GDS / Distributoren und die Reisebüros. Wie sich das Verhältnis der Player zueinander verändern wird, werde, so Linhart, davon abhängen, wer den besten Content hat.

Geschäftsmodell hinterfragen

Angesichts dieser Entwicklung geht Linhart davon aus, dass Reisebüros ihr Geschäftsmodell hinterfragen werden müssen. Wer bezahlt sie künftig für ihre Leistung? Gleichzeitig betont der AUA-Manager, dass in den USA der Trend wieder in Richtung stationären Vertrieb geht, „weil Zeit am kostbarsten ist“. Der Kunde wolle jemand, der seine Wünsche erfüllt, egal, ob ein Countermitarbeiter im Büro oder am Telefon oder ein Chatbot. Das jedenfalls sei eine Chance für die Reisebüros, weil das eine Leistung ist, die Airlines nicht bieten können. Auch wenn die LH Gruppe den GDS-Content künftig nicht weiter reduzieren will, so werden neue Produkte nur noch in Direct Connect-Kanälen platziert werden. Als Beispiel nennt Linhart „Continuous Pricing“, das vorerst in traditionellen GDS nicht dargestellt werden kann.

Eine gemeinsame Reise

Unterstützung bietet die LH Gruppe den Reisebüros mit dem NDC-Partnerprogramm, das Ende letzten Jahres in Kraft getreten ist. Auch bei der Implementierung von Distributionslösungen, etwa welches der 50 NDC-Modelle, berät die Airline ihre Vertriebspartner und leistet Hilfestellung, teilweise auch bei den erforderlichen Investitionen. Das Partnerprogramm besteht aus drei Punkten: dem NDC Smart Offer, das den Content umfasst, der Unterstützung bei der NDC-Anbindung und der Incentivierung für NDCBuchungen.

„Die Lufthansa Gruppe ist dem Drittvertrieb gegenüber definitiv ‚committed‘. Eine Marktkonsolidierung wird nicht angestrebt“, betont Linhart.

Seine Botschaft an den stationären Vertrieb lautet: „Die Reise geht weiter. Wir wollen sie mit euch machen, aber ihr müsst mitgehen, mit gemeinsamer Planung und gemeinsamer Finanzierung.“ (red)


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Autor/in:

Herausgeberin / Chefredakteurin

Elo Resch-Pilcik, Mitgründerin des Profi Reisen Verlags im Jahr 1992, kann sich selbst nach 24 Jahren Touristik - noch? - nicht auf eine einzelne Lieblingsdestination festlegen.





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