Was hier alles duftet!
21 Juni 2010, 07:30
tip war unterwegs auf der duftenden Blumeninsel Madeira.
Nach spätestens einer Stunde betrachtet man das schmale Rinnsal zu seiner Linken mit anderen Augen: Ca. einen halben Meter breit und ebenso tief, begleitet der Kanal den Wanderer mit der Treue eines braven Hundes, der ganz für sich schon liebenswert wäre, darüber hinaus aber noch eine wichtige Funktion erfüllt. Bei meist flachem Gefälle verläuft der Wasserweg durch Berg und Tal, lässt sich mit Brücken über Schluchten helfen und taucht durch Tunnels hindurch, um jenseits des Felsens in neuer Munterkeit wieder ans Tageslicht zu treten.
"Levadas“ werden die Bewässerungskanäle Madeiras genannt, die mit einer Länge von mehreren tausend Kilometern vom gebirgigen, niederschlagsreicheren Norden in Richtung des trockeneren Südens verlaufen, um die dort gelegenen Felder und Obstplantagen zu bewässern. Bereits im 15. Jahrhundert begann der Bau des Kanalsystems, für den arabische und afrikanische Sklaven herangezogen wurden, und noch im 20. Jahrhundert wurden Verlängerungen gebaut, um das kostbare Nass nutzbringend zu verteilen. Leicht kann sich so ein schmales Rinnsal verstopfen oder durch Murenabgänge verschüttet werden, weshalb es stete Instandhaltungsarbeiten braucht, um den Wasserfluss zu gewährleisten. Deshalb verlaufen meist schmale, nur an den steilsten Stellen von Geländern gesäumte Pfade entlang der Kanäle, die heute von Besuchern der Insel als Wanderwege genützt werden. In allen Schwierigkeitsgraden bieten sich die Wege für eine genussreiche Erkundung der Landschaften der Insel dar, von rollstuhlgerechten, ebenen Pfaden bis zum steilen Klettersteig, der Bergerfahrung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Bevor man sich auf Wanderung begibt, ist unbedingt mit einem Wanderführer abzuklären, welche Anforderungen an die Kondition gestellt werden.
Wichtig ist auch, eine Wind- oder Regenjacke einzupacken, feste Wanderschuhe zu tragen – Turnschuhe sind zwar bequem, aber längst nicht für alle Wege geeignet – und eine Taschenlampe mitzunehmen: Diese wird man dankbar in pechschwarzen Tunnels auspacken und anknipsen, die unterwegs zu durchqueren sind. Unsere dreistündige Wanderung durch die zauberhafte Bergwelt Madeiras endete nach dem Durchtasten durch einen 600m langen Tunnel, was trotz Taschenlampe eine gewisse Herausforderung darstellte. Beruhigend war es zwar, die treue Levada in einem Rohr an seiner Seite zu wissen, doch an den modrigen Felswänden den Kopf anstoßen, wollte man partout vermeiden.
Bunte Augenweiden
Von seiner Madeira-Reise wird man nicht nur Impressionen von tiefgrünen Bergen und Schluchten und von herrlichen Ausblicken auf den glitzernden Ozean mit nach Hause nehmen, sondern auch eine Fülle von bis dahin noch nie gehörten Blumennamen – die „Blumeninsel“ beherbergt Gattungen aus aller Welt, die von Seefahrern und internationalen Besuchern mitgebracht wurden und im milden Klima prächtig gedeihen. Vorrangig war es der britische Jetset, der auf dem fruchtbaren Boden blühende Gärten anlegte und darin Arten aus allen Erdteilen heimisch machte, wodurch der Bummel durch das gepflegte Grün zur kleinen botanischen Weltreise wird. Schon entlang der Levadas hat sich Menschenhand zu schaffen gemacht, um die Pfade mit Zierblumen wie Agapanthus, Hortensien, Spornblumen, Wandelröschen und Co. zu schmücken bzw. zu befestigen. Noch viel bunter geht es in den Parks und Gärten zu, die sich in und um Funchal gruppieren, aber auch in kleineren Orten wie Santana und Machico zum Schnuppern vielfältigster Düfte einladen.
Eine überbordende Fülle von verschiedenen Pflanzenarten von stattlichen, Schatten spendenden Bäumen bis zu winzigen Blumen, die erst im Bouquet zur Geltung kommen, beherbergt etwa der 3.600m2 große St. Catarina-Park in der Bucht von Funchal, der zudem mit einem wunderbaren Blick auf den Hafen besticht. Prominente Blickfänge bilden Araukarien, Korallenbäume, Flaschenputzerbäume oder afrikanische Tulpenbäume mit ihrem leuchtendroten Blütenschmuck, zwischen denen Kamelien, Goldkelche, Flamingoblumen, Mittagsblumen und Strelizien bunte Tupfen setzen. Nur selten meint das Wetter es nicht gut mit der Insel: In die Schlagzeilen geriet Madeira im vergangenen Februar, als ein dramatisches Unwetter über dem Eiland niederging und zahlreiche Geröll- und Schlammlawinen auslöste, doch war schon beim Lokalaugenschein im Mai davon nicht mehr die leiseste Spur zu sehen.
Nun zum Gaumen
Nicht nur Zierpflanzen haben ihren Weg nach Madeira gefunden und sich in der neuen Heimat glänzend eingerichtet, auch Obst aus aller Welt gedeiht in Hülle und Fülle: Neben Bananen und Weintrauben türmen sich Cherimoyas, Maracujas, Tamarillos, Philodendron-Früchte und Papayas in der Markthalle „Mercado dos Lavradores“ appetitlich arrangiert in Körben – auch hier kann man das eine oder andere neue Wort dazulernen, um die aromatische Vielfalt korrekt zu benennen. Bei den Blumen, die von Händlerinnen in typischen Trachten in entzückenden Gebinden verkauft werden, tut man sich nach dem Besuch mehrerer Gärten und Parks schon leichter, schwieriger wird es aber wieder bei den Fischständen, die vielgestaltige, fangfrische Köstlichkeiten aus dem Meer präsentieren. Der Blick bleibt an einem besonders hässlichen Vertreter der Spezies hängen, einem schwarz-violetten Ungetüm von beeindruckender Länge mit hervorquellenden Augen – ist ein Degenfisch den Fischern ins Netz gegangen, so darf sich der Besucher auf ein wunderbares Fischmahl freuen, das mit Bananen garniert zur Delikatesse wird. „Lapas“ werden auf Madeira die Napfschnecken genannt, eine Art kleiner, offener Muscheln, die gern mit Knoblauch und Kräutern kredenzt werden – diesen sieht man schon im Rohzustand an, dass sie hervorragend munden werden.
Auch weitere Spezialitäten der Inselküche verdienen eine eigene Erwähnung darunter das „Carne Vinho d‘alho“, Schweinefleisch mit Wein und Knoblauch, das ursprünglich als Weihnachtsessen serviert wurde, heute aber überall als deftige Vorspeise zu haben ist. Wer eine Schwäche für Fleisch hat, wird auch an „Espetadas“ seine Freude haben, gegrillten Rindfleischstücken am Spieß, die mit frittierten Maiswürfeln und rundem Fladenbrot gereicht werden.
Vergnügliche Unternehmungen
Auf Schritt und Tritt charmiert die Hauptstadt Funchal ihre Besucher bei einem Spaziergang mit Kopfsteinpflastern und verwinkelten Gässchen, mit einladenden Cafés, idyllischen Parks und immer wieder mit dem Blick auf das Meer, auf Fischerboote und noble Jachten. Immer wieder rückt der Hausberg der Stadt in den Blickwinkel, schlicht „Monte“ genannt, zu dem man mit einer Seilbahn hochfahren kann, um die berühmte Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte zu besichtigen, die das Grabmal des österreichischen Kaisers Karl I. beherbergt. Wagemutige können den Abstieg vom Berg in einem auf Holzkufen montierten Korbschlitten antreten, der von zwei routinierten Bremsern in haarsträubendem Tempo durch enge, kurvige Straßen gelenkt wird und auch stoischen Naturen einen Angstschrei oder aber ein Jauchzen entlocken kann. Nervenkitzel einer ganz anderen Art erlebt man im Casino da Madeira an Spieltischen und -automaten, kann stattdessen aber auch Kabarett-Aufführungen genießen oder sich in der Disko amüsieren.
Auch Kulturinteressierte finden einen guten Grund für einen Besuch des weitläufigen Gebäudekomplexes, dem auch ein Kongresszentrum und ein Hotel angehören: Die Pläne für die Anlage stammen von keinem Geringeren als Oscar Niemeyer, der mit Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, ein von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkanntes Denkmal hinterlassen hat. Für die Gestaltung schwungvoller Abende ist auch das Theatercafé am Stadtgarten eine geeignete Adresse, das gern von Einheimischen frequentiert wird und daher erst nach Mitternacht zur Hochform aufläuft – der Portugiese hält nichts von einem frühen Abendessen, wodurch sich auch die Abendunterhaltung entsprechend nach hinten verschiebt. Ein Pflichtpunkt jedes Madeira-Aufenthalts ist allerdings nachmittags zu absolvieren, wenn das noble Traditionshotel The Reid‘s (nicht Ritz, wie viele glauben!) zum High Tea bittet (Vorausreservierung wird empfohlen), zu dem Sandwich, Scones mit Clotted Cream, einer Art Schlagobersbutter und Marmelade sowie Canapés in allen Varianten serviert werden, begleitet von einer Schwarztee-Mischung, die eigens für The Reid‘s hergestellt wird.
Unterwegs mit Blaguss
Im Mai lud Blaguss Reisen zum Lokalaugenschein auf die Blumeninsel ein, die mit Fly Niki angesteuert wird. Die Unterbringung erfolgte in der auf dem Gipfel eines Hügels gelegenen 5-Sterne-Quinta das Vistas Palace Gardens in Funchal, die wunderbare Blicke auf die Hauptstadt, den Atlantik und in die Berge eröffnet.
Kurzes Fazit der Reise: Die Insel hat zu Unrecht den Ruf einer Seniorenresidenz. Zwar macht das angenehme Klima sie zur idealen Destination für Langzeiturlauber, die das ganze Jahr hindurch auf milden Sonnenschein bauen können, doch gibt es auch für Junge und Aktive mehr als ausreichend Möglichkeiten, sich zu betätigen oder einfach nur zu genießen. Für Entdeckernaturen (Mietwagen ist essenziell) empfehlen sich eine Inselrundfahrt und ein Abstecher zur kleinen Schwesterinsel Porto Santo, die mit traumhaft schönen Stränden aufwartet.
Blaguss-Top-Angebot:
Madeira-Urlaub im 3-Sterne-Hotel
23. Juli – 29. Oktober (letzter Retourflug)
Flug jeden Freitag mit Niki ab Wien
Pauschalpreis: 499 EUR pro Woche und Person im Doppelzimmer mit Frühstück einschließlich Flug, Transfers, Flugzuschläge, Flughafentaxen und Sicherheitsgebühren
Autor: Maria Schoiswohl
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