Jordanien: Nach Norden geblickt
23 April 2009, 17:41
Sei es bei der Passkontrolle am Flughafen von Amman oder am Schalter, wo das zur Einreise nach Jordanien benötigte Visum erstanden werden kann; beim Check-in im Hotel natürlich auch: Jeder, der hier meinen Reisepass in die Hände bekommt sieht mich verklärten Blickes, mit wohlwollendem Kopfnicken an, um mich freudestrahlend in seinem Land willkommen zu heißen.
Tradition meets Moderne
Nach einem gut dreieinhalbstündigen Flug mit Royal Jordanian landen wir in der Haupstadt Jordaniens. Im Le Meridien Amman erwartet man uns bereits, denn wir sollen unbedingt der Feier zur Ankunft des neuen Beaujoulais beiwohnen. Die Party sei das Society Event des Jahres, teilt uns Gerhard Mansbart, der Kärtner Hoteldirektor mit. Morgens weckt mich der Muezzin. Der Beaujoulais hat meine persönliche Qualitätsprüfung bestanden. Der erwartete Kopfschmerz bleibt trotz immer wiederkehrenden lautstarken Aufforderungen zum morgendlichen Gebet aus. Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von Rabbat-Ammon, wie Amman in seiner frühesten Geschichte hieß. Von den Griechen, die nach den Ammoniten, den Assyrern und den Persern Amman eroberten, wurde Jordaniens Hauptstadt für einige Zeit Philadelphia genannt. Danach kamen die Nabatäer, die schließlich 106 v. Chr. von den Römern abgelöst wurden, Amman wurde Teil der Dekapolis. Die Spuren der geschichtsträchtigen Epochen Ammans erkunden wir in der alten Zitadelle, die hoch über der Stadt thront und eine großartige Aussicht auf die Hügel der Stadt bietet. Am Fuße der Zitadelle befindet sich das bestens erhaltene römische Amphitheater, dessen Erklimmung zwar kräfteraubend aber lohnenswert ist. Nun befinden wir uns auch schon mitten im Balad, wie die Downtown auf Arabisch heißt. Gerade endet das Freitagsgebet und die Straßen füllen sich mit Menschen. Wir werden Zeugen des traditionellen Alltags von Amman. An den Verkaufsständen, die die Straßen säumen, werden Waren jeglicher Art feilgeboten. Bald fühle ich mich wie in einem Ameisenhaufen. Die Erkundungstour führt uns weiter ins moderne Amman. Am vierten Kreisverkehr biegen wir in den Bezirk Abdoun, dem momentan hippsten Bezirk der Stadt ein. Nachdem uns als Lunch ein ausgezeichnetes arabisches Essen gereicht wurde, ziehen wir gestärkt in Richtung Mecca Mall in der Mecca Street im Stadtteil Umuthaina. Dieses Shoppingparadies bietet alles, was das westlich orientierte Herz begehrt - passender Weise befinden sich diese modernen Bezirke allesamt in „West-Amman“.
Die spinnen die Römer
Ebenso wie Amman zählten Jerash, das ehemalige Gerasa, und Gadara oder Antiochia, heute als Umm Qais bekannt, zu den Städten der Dekapolis. Mit Blick auf das Jordantal, den See Genezareth und die Golanhöhen war Umm Qais in antiker Zeit Heimat zahlreicher Poeten und Philosophen. Wir spazieren über die bis dato gut erhaltene mit Säulen flankierte Hauptstraße, bewundern die Ruinen zweier Theater und genießen den überwältigenden Ausblick auf die drei Länder Jordanien, Syrien und Israel. Zu den besterhaltenen römischen Provinzstädten zählt Jerash, das auf eine 6.500 Jahre alte Geschichte menschlicher Besiedlung zurückblicken kann. Gepflasterte Straßen, die Wagenspuren erkennen lassen, ein wunderbar erhaltenes Nymphaeum, Säulen wohin das Auge reicht und das Hippodrom, das als Kulisse für eine sensationelle Aufführung dient. Die Jerash Heritage Company organisiert hier tägliche Vorstellungen, um den Besuchern einen Teil des römischen Lebens von anno dazumal näher zu bringen. Ein absolutes „Must See“, denn spätestens jetzt, wenn die römischen Legionen exerzieren, die Sklaven auf Leben und Tod gegeneinander antreten und die Pferdewagen um die Kurven rasen, fühlt man sich endgültig ins Römische Reich zurückversetzt. Das wirklich lebensnah dargebotene Schauspiel verleitet dazu, „Asterix dem Gallier“ am Ende beizupflichten.
Per Anhalter durch die Wüste
Das Jordanien ein sicheres Reiseland ist, beweist unser Autostopp. Ein spontaner Beschluss, dem ein nicht einkalkulierter Boxenstopp irgendwo im Niemandsland auf der Hauptstraße Amman – Azraq - Irak voranging. Nabil, ein freundlicher Lastwagenfahrer, bleibt stehen. Zu dritt setzen wir uns zu ihm ins Führerhaus, der Rest der Mannschaft findet auf der Ladefläche Platz. Mit Händen und Füßen können wir uns soweit verständlich machen, dass wir gut zehn Minuten später in einem Lokal sitzen und nach allen Regeln der Gastfreundschaft verwöhnt werden. Abgesehen von der sprachlichen Barriere ist es einfach, mit den Leuten Kontakt zu knüpfen. Wild gestikulierend und mit dem arabischen Wort „nemsa“ – wie mir gesagt wurde, bedeutet das auf Arabisch „Österreich“ – ausgestattet, können wir uns doch ein wenig mitteilen. Schließlich werden wir vom wiederhergestellten Bus bzw. unserem Guide Mohammed eingesammelt, und unsere Tour setzt sich laut Programm fort. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir die Wüstenschlösser Qasar Azraq, Qasar Amra und Qasar Kharana. Im letzteren soll Lawrence von Arabien im Jahr 1917 den Winter verbracht haben, bevor er Damaskus angriff. Alle drei Wüstenschlösser sind ohne weiteres an einem Tag zu besichtigen und auf jeden Fall einen Ausflug wert.
Ganz schön gesalzen
Auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erdoberfläche kommen wir nach Madaba, der „Stadt der Mosaike“, deren Hauptattraktion eine byzantinische Mosaikkarte aus dem 6.Jhd. n. Chr. ist. Zu bestaunen ist diese aus rund zwei Millionen farbigen Mosaiksteinchen zusammengesetzte Landkarte, die Jerusalem und andere Heilige Stätten des Christentums zeigt, in der St. Georgs Kirche von Madaba. Nicht mehr als zehn Minuten von Madaba entfernt besuchen wir schließlich den Berg Nebo, wo Gott Moses das Gelobte Land gezeigt haben soll. Der Überlieferung nach hat Moses Israel nie betreten. Sein Grab soll sich an den Hängen des Berges befinden.
Weiter geht es zum tiefsten Punkt der Erdoberfläche, dem Toten Meer. Dieser 600 km2 große See mit einem Salzgehalt von durchschnittlich 28% liegt knapp 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir checken im eleganten, vom Schweizer Vollblut- Hotelier Bruno Huber geführte Mövenpick Hotel ein. Für den restlichen Tag widmen wir uns voll und ganz unserem Wohlbefinden und unserer Schönheit. Angefangen bei der obligatorischen Schlammpackung vor Betreten des kühlen Nass bis hin zum Ganzkörper-Peeling im hoteleigenen Spa. Aber Vorsicht! Es ist überhaupt nicht empfehlenswert, sich die im Gesicht befindlichen Schlammreste im Toten Meer abzuwaschen. Worüber ich mich anfangs noch wundere, macht plötzlich Sinn: Die Lifeguards sind nicht etwa hier, um die Badenden vor dem Ertrinken zu bewahren, sondern dazu, um schönheitsbewusste Damen vor dem Erblinden zu retten.
„Your name is Petra?“
Bei der Ausreise schreite ich neuerlich, begleitet vom Lächeln des Beamten der meinen Reisepass inspiziert über einen unsichtbaren roten Teppich. Natürlich werde ich wieder nach Jordanien kommen! Ganz ohne Petra geht es doch nicht. PTM
Autor: Franz PAUL
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