Indochina: Ein Rucksack voll neuer Erfahrungen
30 Juni 2009, 11:59
Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Individualtouristen mit großem Rucksack und kleinem Budget in Südasien als Pioniere fühlen durften – gerade in Ländern wie Laos, Kambodscha und Thailand stellen junge (und auch ältere) Abenteurer einen beachtlichen Anteil der Touristenzahlen dar. Kein Wunder, denn diese Gegenden locken sowohl mit herausragenden kulturellen Schätzen und eindrucksvoller Natur als auch mit herrlicher, preiswerter Küche und günstigen Übernachtungsmöglichkeiten.
Mit dem Zug nach Chiang Mai
Die Zugfahrt dauert circa 13 Stunden und ist selbst in der 2. Klasse (ca. 20 EUR) sehr komfortabel. Chiang Mai ist eine kleinere Stadt im Norden Thailands, die um einiges gemütlicher und auch zu Fuß leichter zu erschließen ist als Bangkok. Sie eignet sich wunderbar für einen sanften Einstieg ins asiatische Leben, da sie sehr touristisch ist und somit für Asienanfänger einen Sprung ins nur knöcheltiefe kalte Wasser darstellt. Überdies kann man sehr schöne Wandertouren in den nahe gelegenen Nationalpark buchen. Diese dauern meist zwei bis drei Tage und beinhalten neben einer atemberaubenden Landschaft und einem Bad unter naturbelassenen Wasserfällen auch eine Übernachtung bei den Karen, einem traditionell lebenden Bergvolk.
Schifffahrt nach Luang Prabang
Nach einigen Tagen der Akklimatisierung geht es nach Laos: Busse zur Grenze und Bootstickets nach Luang Prabang lassen sich in Chiang Mai an jeder zweiten Ecke buchen (Preise vergleichen lohnt sich allemal). Um sich Mühseligkeiten zu ersparen, sollte man an der Grenze 40 USD und ein Passfoto für das Visum bereithalten – der Grenzübergang ist aufgrund des regen Andrangs Stress genug. Sobald aber das typisch asiatische Langboot ablegt, dessen 60 Sitze wirklich ausgereizt werden, setzt das verloren geglaubte Urlaubsgefühl wieder ein.
Malerische Dschungel wechseln sich mit einsamen Sandbänken ab, die freilaufende Wasserbüffel für sich reklamieren; vereinzelte Bambushütten laden dazu ein, seinem persönlichen Aussteigertraum nachzuhängen. Das monotone Motorengeräusch und hervorragendes Lao Beer runden die meditative Stimmung ab. Ehe man sich versieht, erreicht man am ersten Tag pünktlich zum Sonnenuntergang Pak Beng und am zweiten die Königsstadt Luang Prabang.
Luang Prabang & Vientiane
Der erfolgreichen Quartiersuche folgt ein Besuch des berühmten Nachtmarkts: Zu erstehen gibt es hier duftende Brotsorten, aufregende Gewürze und günstige Mitbringsel für zu Hause. Die kleinen Stände an den Ufern des Mekongs entsprechen zwar nicht westlichen Sauberkeitskriterien, servieren aber köstliche lokale Gerichte – wenn man hier den ersten Löffel höllenscharfe Suppe schlürft, erreicht der Sprung ins kalte asiatische Wasser wohl zum ersten Mal Nabelhöhe. Luang Prabang besticht mit reich verzierten Tempeln und dem alten Königspalast, der zu einem besuchenswerten Nationalmuseum umfunktioniert wurde. Vom zentral gelegenen Berg Phousi aus verschafft man sich einen Überblick über die Stadt.
Dort wo der Fluss Nam Kahn in den Mekong mündet, genießt man den Sonnenuntergang, sieht den Fischern beim Auswerfen der Netze zu oder beobachtet junge Laoten, die sich auf aufgepumpten Reifen ans andere Ufer des Mekongs treiben lassen. Nach einer Nachtfahrt per Bus, deren Gerüttel nicht allen Mitreisenden wohl bekommt, erreicht man frühmorgens die Hauptstadt von Laos, zu deren Sehenswürdigkeiten u. a. das etwas rustikal eingerichtete Nationalmuseum, der Tempel Pha That Luang und Reihen von formvollendeten französischen Kolonialbauten zählen. Wer sich für Boxsport interessiert, kann einem Wettkampf im „Lao Boxing“ beiwohnen, der im Gegensatz zu den Vorstellungen in Thailand fast nur von Einheimischen besucht wird. Hier muss man darauf gefasst sein, unter Umständen auch Zwölfjährige bis zur Bewusstlosigkeit kämpfen zu sehen.
Don Det (Viertausend Inseln) & Angkor Wat
An der Grenze zu Kambodscha, wo der Mekong breiter wird und eine Fülle von Inseln umschließt, entfaltet sich eine üppiggrüne Landschaft, die hervorragend mit dem Rad erkundet werden kann. Der Weg führt an Reisfeldern, kleinen Siedlungen und atemberaubenden Wasserfällen vorbei, genächtigt wird in preiswerten Bungalows, direkt am Wasser. Nach entspannten Tagen reißt man sich schließlich los, um das „achte Weltwunder“ ganz in der Nähe zu erkunden. Die Busfahrt von Don Det nach Siem Reap in Kambodscha (von Don Det aus einfach buchbar) dauert eineinhalb Tage inklusive einer Übernachtung. Auf der TukTuk-Fahrt in die Stadt – unser Fahrer stellt sich als „Happy Walter“ vor und beherrscht sechs Fremdsprachen – wird einem klar, dass man in einem Touristenziel par excellence gelandet ist.
Die Innenstadt ist dicht gesät mit Hotels und Pubs. Angkor mit seinen atemberaubenden Tempeln liegt keine 30 Fahrtminuten von der Stadt entfernt. Der Eintritt für einen Tag kostet stolze 20 USD (halber Monatslohn eines kambodschanischen Durchschnittsverdieners). In den schier unendlich vielen Tempeln kann man sich frei bewegen und alles berühren, was angesichts der Tatsache, dass die detailliert verzierten Gebäude über 1.000 Jahre alt sind, merkwürdig erscheint. Doch diese Freiheiten hat sich auch die Natur genommen, die sich im Laufe der Jahrhunderte dieses einzigartige Zeugnis der Angkor-Kultur zurückerobert hat. Mehr über diese glorreiche Periode der kambodschanischen Geschichte erfährt man im hochmodern eingerichteten Nationalmuseum in Siem Reap.
Tonle Sap, Ko Chang & Bangkok
Etwa eine Stunde von Siem Reap entfernt liegt der (in Khmer-Sprache) „große See“ Tonle Sap, wo schwimmende Dörfer auf zusammengebundenen Bambusstämmen dahin treiben und dadurch vor den Schwankungen des Wasserspiegels in Trocken- und Regenzeit gefeit sind. Diese Landschaft ist Asien pur, ohne Hotels, Pubs und Pool-Tische. Wasser bis zum Hals, auf angenehmste Art. Die letzten Tage vor dem unvermeidlichen Rückfl ug kann man dazu nutzen, auf der thailändischen Insel Ko Chang eine Hängematte zwischen zwei Palmen zu erklettern. Ko Chang selbst ist zwar schon sehr überlaufen, aber von vielen kleineren Inseln umgeben, auf denen man auch preiswert übernachten kann.
Nun ist Zeit für Bangkok: Besichtigt werden der Große Palast und der Wat (Tempel) Phra Kaeo mit dem wunderschönen Smaragd-Buddha, relaxt wird im Lumphini-Park, wo die Thais Taiji praktizieren und katzengroße Echsen frei herumlaufen. Schnell noch die letzten Besorgungen gemacht, darunter Tigerbalsam für die Schläfen der Eltern, die sich in den letzten vier Wochen vermutlich (unnötig) Sorgen gemacht haben. Ihr Sprössling wurde freundlich aufgenommen, bestens verköstigt, problemlos transportiert und mit neuen kalten Wassern gewaschen. (domi schaden)
Über den Autor
Dominik Schaden, 21, ist Student der Politikwissenschaft und lebt in Wien. Zahlreiche Reisen führten ihn schon durch Europa, nach Afrika, Nord- und Südamerika. Durch seine Hobbys Fußball und Musik fi ndet Schaden rasch Zugang zu den Jugendlichen vor Ort.
Autor: Maria Schoiswohl
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