Himmlisches Südafrika
27 April 2009, 11:10
„Der Himmel in Afrika ist höher!“ Unsere ehemalige Kollegin und Afrika- Kennerin Susanna Hagen entließ mich vor einigen Jahren mit diesen Worten auf meine erste Reise ins südliche Afrika. Die Provinz KwaZulu-Natal, auch Zululand genannt, birgt den Himmel sogar in ihrem Namen. Des Himmels noch nicht genug, bedeutet Zululand für das stolze Volk der Zulus soviel wie:„Wo die Menschen wie im Himmel leben“. Kurzum- himmlische Aussichten für unsere Reise in die östlichste Provinz der „Rainbow Nation“.
Abenteuer im Gepäck
Ganz ehrlich, am liebsten packe ich meinen Koffer, um nach Afrika zu reisen. Khakifarbene Cargohosen, Windjacke, festes Schuhwerk, Kappe, Sonnenschutz, Fernglas etc. versprechen schon im Voraus neue Abenteuer. Der Flug mit South African Airways von Frankfurt nach Johannesburg ist nicht nur kurzweilig sondern auch komfortabel. Sei es in der Economy Class mit ihrem sehr lobenswerten Sitzabstand oder aber in den bequemen Skybeds der Business Class. In gut zehn Stunden haben wir Südafrika erreicht, wo wir schon erwartet werden und weitere 420km im Auto, quer durch die Provinz Mpumalanga in Richtung KwaZulu Natal zurücklegen. Die wenig aufregende Aussicht auf Kornfelder und kalorische Kraftwerke, die ganz Mpumalanga zu vereinnahmen scheinen, macht bald den hügeligen Buschlandschaften entlang der Grenze zu Swasiland und rund um den Pongola See Platz. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die Shayamoya Lodge, unsere Unterkunft für die erste Nacht. Sogleich werden wir zu Tisch gebeten und mit schmackhaften Spezialitäten vom Grill verwöhnt.
Schaumbad unter Sternen
Nach rätselhaften Geräuschen während der Nacht, die auf Grund eindeutiger Spuren auf Zebras schließen lassen, die sich wohl ganz nah an unser Quartier heranwagten bin ich vollen Mutes auf unserem vormittäglichen Bushwalk etliche heimische Tiere anzutreffen. Diese scheinen jedoch in der Nacht weitaus aktiver zu sein und so bleibt zumindest eine fantastische Aussicht auf das uns zu Füßen liegende weite Tal mit dem Pongola Stausee, den wir später per Hausboot erkunden. Die Entspannung am lodge-eigenen Pool tut uns nach dem anstrengenden Marsch gut. Bereit für neue Abenteuer checken wir mit Sack und Pack am Shayamanzi Hausboot ein, um hier eine Nacht, mitten am Pongola See zu verbringen. Ein hervorragendes Dinner, erstklassige Weine, eine Einführung in die Astronomie der südlichen Hemisphäre und hunderte Sternschnuppen, die, während wir im wohltemperierten, mit Schaum gefüllten Jacuzzi plantschen, auf uns zu fallen scheinen, bleiben unvergesslich. Ein Angelausflug am kommenden Morgen – der riesige und bei passionierten Anglern sehr begehrte Tiger Fish soll sich hier fangen lassen – blieb ohne entsprechendes Ergebnis. Wir verabschieden uns somit ohne Tiger Fish im Gepäck vom Pongola See und fahren weiter in Richtung Mkuze Falls Lodge.
Morgenstund` hat Gold im Mund
Das Aufstehen, so würde ich meinen, fällt grundsätzlich schwer. Umso härter erscheint es, wenn der Weckruf – sei er auch noch so liebevoll und charmant vorgetragen - um 04:30h erfolgt. Doch völlig unüblich, springe ich hier förmlich aus den Federn, um die morgendliche Wildbeobachtung, sprich den Game Drive inklusive Sonnenaufgang, Buschfrühstück und Zusammentreffen mit allen nur erdenklichen afrikanischen Wildtieren, ja nicht zu verpassen. Abgesehen von unseren exklusiven, luxuriösen Zelten, die mit einer viktorianischen Badewanne ausgestattet das koloniale Flair noch unterstreichen, werden uns ???zum alleine hier sein, viel zu romantische Sonnenuntergänge sowie spektakuläre Aussichten auf den afrikanischen Busch und kulinarisch, exzellente Gerichte geboten. Der Aufenthalt von zwei Tagen ist uns definitiv zu kurz, doch das Programm hält noch den Besuch eines traditionellen Zulu Dorfes für uns bereit. Die Sitten und Gebräuche der Zulus werden uns hier ausführlich erklärt. Zulu-Krieger und Zulu-Mädchen vollführen ihre traditionellen Tänze. Eine Sangona, die Wahrsagerin im Clan entlarvt den Kollegen der FVW als Ziegendieb und Werner Gordes, seines Zeichens Organisator der Reise und Repräsentant von KwaZulu-Natal im deutschsprachigen Raum, wird zum Vorkoster des frisch gebrauten Zulu Bieres auserkoren.
Prost Mahlzeit
Zulu Bier – ich sag’s wie es ist - erinnert mich an Magensäure. „Was soll´s - weg damit“, denk ich mir als mich der stattliche Chief im einschüchternden Kriegeroutfit besonders eindringlich beäugt. Schließlich nickt er zustimmend und setzt ein breites Grinsen auf, als ich unter erheblicher Anstrengung mir den Ekel durch entsprechende Mimik nicht anmerken zu lassen, den Becher zur Gänze leere. Zu meiner eigenen Überraschung schaffe ich es die Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben zu ziehen und manierlich zu nicken, um meine zugegebenermaßen geheuchelte Zustimmung kundzutun. Jedenfalls scheint es, als ob ich dem Chief damit eine besondere Freude bereitet hätte. Weil aber Afrikaner ganz große Spaßvögel sind, ist davon auszugehen, dass er mich während des gesamten Szenarios elegant ausgelacht hat. Einige Kaugummis später ist der eigentümlich, sauer – bittere Geschmack glücklicherweise aus meinem Mund verschwunden. Beim abschließenden Zulu Lunch bin ich schon etwas vorsichtiger und stürze mich nur halb so mutig auf die kredenzten Speisen, die jedoch – zu meiner Erleichterung - mit weniger aufdringlichen Geschmacksrichtungen aufwarten lassen. Der Bus bringt uns nach Durban. Zu unserer Rechten ziehen Zuckerrohrplantagen vorbei, links von uns lässt sich der indische Ozean vermuten. Ich blicke noch einmal Richtung Himmel – nur um sicher zu gehen. Petra Telebo-Mörth
Autor: Christiane Reitshammer
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