Ecuador: Ein Land - viele Gesichter
30 Juni 2009, 13:17
Ecuador ist Meerschweinchen essen und Kakao direkt vom Baum kosten. Im Dschungel nach Taranteln suchen. In großen, chaotischen Städten spanisches Weltkultur-Erbe entdecken und auf Vulkanen ganz schwindelig werden. An der Küste im warmen Meer planschen, auf den Galapagos Inseln riesige Schildkröten berühren und mit Einheimischen auf Spanisch über das Leben reden. Das alles – ist Ecuador.
Hier mitzuhalten verlangt Kondition. Oder Coca-Tee. Ein altbewährtes Mittel gegen Höhenkoller, das am besten bei guter Aussicht und in Schwindel erregender Höhe schmeckt. Wie auf 4.100 Metern Höhe, am Vulkan Pichincha: Quito zu Füßen, perfekte Vulkankegel des Cotopaxi, Antisana oder Cayambe auf Augenhöhe. Dazu wolkenlos blauer Himmel – inmitten der Anden scheint die Spitze der Welt erreicht.
Iss die Ameise!
Das Dickicht der Welt eröffnet sich im bis zu 100 Jahre alten Dschungel bei Cotococha: braungrüner, blätterbedeckter Boden, wandernde Bäume, Potenz spendende Wurzeln und armdicke Lianen, deren halluzinogene Wirkung noch heute von den ecuadorianischen Schamanen genutzt wird. Dazwischen die grünen, fächerförmigen Blätter der Toquillapalme, Grundmaterial für den berühmten Panamahut, süße Kakaofrüchte und jede Menge Gewurrle. Riesige Conga-Ameisen – sehr giftig, geschäftige Termiten, rot-gelbschwarz gefärbte Spinnen und elegante Taranteln kriechen durch den Regenwald. Eine kleine Ameisenart ist essbar und schmeckt nach Zitrone.
Am Rande des Dschungels nahe dem Río Napo leben Washington und Estella mit ihren fünf Kindern. Im Garten wachsen Bananenbäume und Ananas. Dazwischen scharren die Hühner. Zum Haus – ein wellblechüberdachter Raum mit drei Betten und einer Küche ohne Kühlschrank – gehören 13 Hektar Land. Washington baut Mais an. Die weite Welt kennt er: „Mein Bruder hat nach Zürich geheiratet“, sagt er auf Spanisch. Selbst bleibe er lieber im Dschungel. Er hat alles, was er braucht. Um die Familie zu versorgen, arbeitet er als Wächter in der nahen Lodge. Seine Frau Estella kümmert sich um den Haushalt und töpfert kleine Keramikschüsseln für Touristen. Wenn das Wasser des Flusses seinen Höchststand erreicht hat, wird Gold gewaschen. Für ein Gramm gibt es 18 USD. Ein guter Lohn für einen Tag Arbeit.
Der einsame George
Er ist knapp 70 Jahre alt und trottet gemächlich durch das Gras. Ob der Grashalm wohl schmeckt? Der einsame George ist die weltweit einzige überlebende Landschildkröte seiner Art. Er lebt auf der Isla Santa Cruz, dem touristischen und wissenschaftlichen Zentrum der Galápagos Inseln. 1.000km vor der ecuadorianischen Küste, gemeinsam mit Albatrossen, Seelöwen und Hammerhaien, Meeresschildkröten, Landleguanen und Pelikanen, Pinguinen, Walen, Blaufußtölpeln und Kormoranen. Um die Vielfalt auch nur im Ansatz zu erfassen, ist hier Inselhopping angesagt. Auf einer Yacht. Wanderschuhe, Gucker, Fotokamera, Badeanzug und Taucherausrüstung mit dabei.
Auf der Isla San Cristobal zeigen sich Seelöwen am weißen Sandstrand Playa Ochoa und Elefantenschildkröten in der Bucht La Galapaguera. Die Isla Bartolomé eröffnet die Aussicht auf den bekannten Pinacle Rock und die Lavafelder der Isla Santiago, deren kaffeebrauner Strand Playa Espumilla, Schauplatz der neuesten Bademode ist. Während Albatrosse über der ältesten aller Inseln, Española, ihre Kreise ziehen, tummeln sich um die Isla Darwin Schwarzspitzen- und Walhaie, Muränen und tropische Fische. Spätestens jetzt zahlt sich die Taucherausrüstung aus.
Eine andere Welt
Schick und schnell. Das ist Guayaquil an der Pazifikküste. Heimat für fast drei Millionen Menschen. Wirtschaftliches Zentrum des Landes. Ausgangspunkt für Touren auf die Halbinsel Santa Elena und in den weiteren Norden. Hier gibt es bunte Bars und nächtelange Partys in Salinas, lange Wellen in Montañita für braungebrannte Surfer und weite Mangroven-, Trocken- und Feuchtwälder. Der Nationalpark Machalilla bei Puerto Lopez zieht sich bis zum einstigen Piratenversteck Isla de la Plata.
Im Wasser turteln im Mai Buckelwale. An den nahen Stränden von Los Frailes tun es ihnen die Menschen gleich. Der verführerische und gleichwohl begehrte Panamahut Montecristi Superfino wird im nördlichen Montecristi von der Hutmacherfamilie von José Chávez Franco hergestellt. Das örtliche Museum erzählt die Geschichte des liberalen Revolutionärs Eloy Alfaro, während das Museo de Bahía in Bahía de Caráquez noch tiefer gräbt: bis zu 11.000 Jahre alte Exponate, damit die ältesten in Ecuador gefundenen geschichtlichen Zeugnisse, werden hier ausgestellt. (sam)
Ecuador-Wissen
Fläche: 256.370qkm
Hauptstadt: Quito
Einwohner: rund. 13,5 Mio.
Sprache: Spanisch, Kichwa
Geld: USD
Landesvorwahl: +593
Religion: mehrheitlich katholisch (rd. 80%)
Flora & Fauna: Eines der artenreichsten Länder der Erde. Die Landschaft gliedert sich in Andenhochland, Pazifikküste, amazonischer Regenwald und die Inselwelt mit den Galápagos Inseln. Insgesamt sind hier über 20.000 Pflanzenarten zu finden. Die Tierwelt ist so vielfältig und einzigartig wie in kaum einem anderen Land – 130 Kolibriarten, knapp 800 Amphibien- und Reptilienarten sowie über 700 Fischarten in Binnengewässern leben etwa hier. Viele davon sind endemisch.
Klima: Das Klima variiert je nach Höhenlage und Tageszeit und ist deshalb sehr unberechenbar. An der Küste hat es das ganze Jahr über durchschnittliche 29°C mit Wassertemperaturen von 22°C, in den Anden hat es stetige 21°C.
Speis & Trank: Die Küche variiert mit der Landschaft. Im Andengebiet gibt es viel Schwein, Rind und Meerschweinchen (Cuy), eine Festtagsspezialität. Dazu Getreide, Kartoffeln, Bananen, Reis. An der Küste werden frischer Fisch und Meeresfrüchte serviert. Die Ceviches, Meeresfrüchtecocktails mit Limone, sind ein Nationalgericht. Typisch für Ecuador sind frische Fruchtsäfte, etwa aus Lulo-Früchten, oder Chicha, ein bierartiges Maisgetränk. Der Hochlandkaffee ist zudem zu empfehlen.
Ein-/Ausreise: Einreise mit Reisepass, der mind. sechs Monate nach Abreise noch gültig ist. Bei der Ausreise sind für das Exit-Visa rund 40 USD zu entrichten.
Autor: Maria Schoiswohl
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