25 Elefanten und der Luxuszug
5 Juni 2009, 11:20
Schon einmal von Elefanten aus einem Mittagsschläfchen geweckt worden? Nein? Wir schon! Vielleicht ist hier die Erwähnung angebracht, dass derlei Nickerchen in dieser Gegend durchaus berechtigt sind. Denn üblicherweise beginnt der Safari-Alltag im afrikanischen Busch vor Sonnenaufgang gegen fünf Uhr morgens, manchmal sogar noch früher.
Die Legende
Mateya, so heißt es, wäre eine überaus fürsorgliche Königin gewesen. Eine große Dürre brachte viel Leid über ihr Volk. Sie hörte von einer sehr mächtigen Regenkönigin namens Modjadji. Mit dem feinsten Schmuckstück als Geschenk machte sich Mateya auf den langen Weg durch Afrika um Modjadji zu fi nden. Der Legende nach habe Mateya in der Gegend, die heute als Madikwe bekannt ist, einen Kraal errichtet. Schließlich traf Mateya auf die mächtige Regenkönigin, die angesichts des exquisiten Geschenks schnell überzeugt war. Im Königreich von Mateya hat es zu regnen begonnen. Mateyas Volk war wieder glücklich. Doch die Königin selbst erfuhr niemals davon, denn, wie erzählt wird, hat sie es nie zurück geschafft. In der Mateya Safari Lodge, die ausschließlich aus natürlichen Materialien der Gegend erbaut wurde, soll die Legende um diese sagenumwobene Herrscherin weiterleben. Stil, Ambiente und Atmosphäre lassen dabei keine Zweifel aufkommen.
Gezählte 25
Der Morning Game Drive hat uns einen löwenjagenden Büffel, zahlreiche Giraffen, Zebras, Nashörner und allerlei andere afrikanische Wildtiere beschert. Mit einem stärkenden Frühstück und der freudigen Erwartung auf die Tierbeobachtung am späteren Nachmittag ziehen wir uns in das zugegebenermaßen wirklich umwerfende Chalet zurück. Ruhe, nichts als Ruhe. Fernab von zivilisationsbedingtem Lärm mit dem Blick in den viel höheren afrikanischen Himmel werden die Lider immer schwerer. Womit wir nun wieder bei unserem wohlverdienten Schläfchen auf unserer Veranda mit eigenem Pool unter der schattenspendenden Sala angelangt wären. Schlagartig wird die unendliche Ruhe von recht lautem Getröte durchbrochen. Ich schrecke hoch und möchte meinen Augen nicht trauen. Sind das tatsächlich eins, zwei, drei, vier… 25 Elefanten? Keine 100m von unserer Terrasse entfernt spazieren die Giganten in Reih und Glied – wie es sich für eine anständige Elefantenherde geziemt - zielsicher Richtung Wasserloch.
Zwischenstopp vor der Abfahrt...
Mit einem Besuch des von der Mateya Lodge unterstützten Kindergartens im nahegelegenen Dorf verabschieden wir uns vom afrikanischen Busch und von der Einmaligkeit des Madikwe Naturreservats. Eine Cessna bringt uns zurück in die Zivilisation, zurück nach Johannesburg. Als nächstes Ziel steht Pretoria, die Hauptstadt Südafrikas auf dem Programm. Eine Stadtrundfahrt, inklusive Besuch des Voortrekker Monuments, des Krüger Museums und des Union Buildings, informiert mich über eine zweifellos durchwachsene Vergangenheit und die bislang recht friedliche – Mandela sei Dank – Gegenwart der „Rainbow Nation“.
... mit dem „Stolz Afrikas“
„Wie man sich täuschen kann“, denke ich mir. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich total sicher, dass unsere Begegnung mit den Elefanten nicht überboten werden kann. Mit dem Betreten des eleganten, im Kolonialstil erbauten Bahnhofs Capital Park Station, fühle ich mich zurückversetzt in die 20-er und 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Spätestens als mir ein Glas Champagner in die Hand gedrückt wird, steht fest, dass ich begeistert bin. Ich beschließe diese außergewöhnliche Reise mit der „Pride of Africa“ von Rovos Rail – dem vielleicht luxuriösesten Zug der Welt – vollends zu genießen. Die Bescheidenheit kommt nicht mit an Bord. Ich lasse mich von der Belle Epoque empfangen und ergebe mich den Annehmlichkeiten dieser Zugfahrt. Ganz nach dem Motto: „Och, ein Gläschen Champagner in der elf Quadratmeter großen Deluxe Suite geht schon noch vor dem exquisiten mehrgängigen Abendessen.“ Pünktlich um 15:00 Uhr ertönt das Signal zur Abfahrt. Zwölf Waggons für insgesamt 23 Passagiere setzen sich in Bewegung. Ich lehne mich zurück und lasse Pretoria an mir vorbeiziehen.
Tagsüber leger, abends fein
Nun soll dieser Luxus aber genauer unter die Lupe genommen werden. Das gediegene Interieur des gesamten Zuges und die Ausstattung der Suiten lässt mich in einer längst vergangenen Zeit verweilen. Am Zugende befi ndet sich das so genannte Observation Car mit verglaster Aussichtsplattform. Eine eigene Raucherlounge ist im davor gelegenen Waggon zu fi nden. Im vorderen Teil des Rovos Rail gibt es den Lounge Waggon mit Souvenir Shop und den Speisewagen. Womit wir beinahe beim Dinner angelangt sind. Im Vergleich zum entspannten, legeren Tagesgeschehen wird das Dinner besonders zelebriert und hat seine ganz eigenen formellen Vorgaben. Pünktlichkeit ist das Wichtigste. Oder vielleicht ist den Gastgebern doch mehr an der vornehmen Abendkleidung gelegen? Wir genießen es jedenfalls außerordentlich, uns für diesen Abend besonders fein zu machen.
Die Landschaften
Nach einer ruhigen Nacht – der Zug hält nämlich für sechs Stunden – rollen wir wieder gemächlich dahin. Für den weiteren Verlauf des noch jungen Tages haben wir uns vorgenommen, mit bedingungsloser Hingabe aus dem Fenster zu schauen. Ein Privileg, möchte ich meinen, in unserer viel zu hektischen Zeit. Die Landschaften ziehen an uns vorüber. Sanfte goldfarbene Hügel, dazwischen kleinere Städte und noch kleinere Dörfer. Die sich ändernde Vegetation deutet das baldige Ende unserer Reise an. Das Zugsignal, das mich nun doch ein bisschen an das Tröten von Elefanten erinnert, kündigt die Einfahrt in den belebten Bahnhof von Durban an und beschließt damit eine aufregende Tour voller fantastischer Erlebnisse. Petra Telebo-Mörth
Autor: Maria Schoiswohl
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