Orient-ierung in Tunesien
Auf die Frage, welches die optimale Reisezeit für Tunesien ist, gibt es für mich nur eine passende Antwort: Immer! Zugegeben: Wasserratten sind mit den Sommermonaten von Mai bis September besser beraten und Golfern kommt das milde Klima der Wintermonate entgegen. Kulturinteressierten und Reisenden mit dem gewissen Appetit auf einen Happen Orient bietet Tunesien aber ganzjährig ein abwechslungsreiches Portfolio.
Zu schade wenn jemand glaubt, Tunesien ließe sich auch innerhalb der Hotelmauern, respektive am dazugehörigen Strand, erkunden. Ok, der Tabak in den Wasserpfeifen ist hier der gleiche wie draußen, der Souvenirladen bietet das eine oder andere „Original“ und auf den Büffets finden sich diverse landestypische Köstlichkeiten. Den wahren Zauber Tunesiens gilt es aber hinter der ersten Strandreihe zu entdecken. Zur „Orientierung“ empfiehlt sich ein Ausflug in die Hauptstadt des Landes.
Gut verlaufen
Ist man im Norden des Landes zu Gast, sollte man keinesfalls einen Ausflug nach Tunis verabsäumen. Optimalerweise werden hierfür zwei Tage eingeplant. Tag eins gibt Zeit, sich in den alten, verwinkelten Gassen der Souks von Tunis ordentlich zu verlaufen und selbstständig mühsam wieder herauszufinden. Das gehört einfach dazu und macht, im Nachhinein betrachtet, richtig Spaß. Tipp am Rande: Ist man in der Gruppe unterwegs, nicht vergessen sich einen fixen Treffpunkt ausmachen. Zum Beispiel beim Bab el-Bahr (auch Porte de France), auf der Avenue de la France, ein paar Meter außerhalb der Souks. Zur Übernachtung bietet sich eines der versteckten Boutiquehotels in der Innenstadt an. Der tip-Geheimtipp ist das Hotel „Dar El Medina“ (64 Rue Sidi ben Arous, www.darelmedina.com), ein wahrer Ruhepol und maurischer Augenschmaus inmitten der lebendigen Stadt. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt findet sich auch das Restaurant „Dar Hamouda Pacha“ (56 Rue Sidi ben Arous). Zwar etwas teurer, aber nach einem anstrengenden Tag genau der richtige Ort, um seinen Gaumen mit den feinsten tunesischen Spezialitäten zu verwöhnen und diese (garantiert ohne Magenverstimmung, außer man isst zu viel) kennen zu lernen.
Vom Machtzentrum zum Vorort
Am nächsten Tag lassen sich von Tunis aus bequem das Künstlerstädtchen Sidi Bou Said und die archäologischen Ausgrabungsstätten von Karthago erreichen. Optimalerweise beginnt man mit Karthago. Einst Hauptstadt der gleichnamigen See- und Handelsmacht zählt Karthago heute zu den noblen Vororten von Tunis. Die zu besichtigenden Ausgrabungsstätten liegen etwas verstreut und sind tatsächlich nur ein kleiner Teil dessen, was es zu entdecken gäbe, würden dort nicht die Villen reicher Tunesier stehen. Zu den unverzichtbaren Sehenswürdigkeiten Karthagos zählen der Byrsa-Hügel inklusive dem punischen Wohnviertel und dem Karthago-Museum, das Amphitheater und die Thermen des Antonius. Aber Achtung: Die Ausgrabungen verlangen eine ordentliche Portion Fantasie, will man sich die einst überaus prächtigen Bauten vorstellen. Hat man sich aber einmal auf dieses Spiel eingelassen, ist man dem beschriebenen Zauber Tunesiens ein gehöriges Stück näher gekommen – es lohnt sich.
Durchatmen und genießen
Genussmenschen kommen beim empfohlenen Besuch von Sidi Bou Said voll auf ihre Kosten. Gepflegte Häuschen, deren weiße Mauern von farbenfrohen Bougainvilleas umrankt sind, davor Kunstgeschäfte zum Gustieren (Anmerkung: In den Souks von Tunis kauft man günstiger ein), und einladende Cafés zum Ausspannen. Neben dem Café Nattes zählt das Café des Délices zu den beliebtesten Adressen des Ortes. Verdient, denn sein terrassenförmiger Aufbau gewährt, speziell bei Sonnenuntergang, einen unvergesslichen Blick auf den Yachthafen der Stadt.
Schritt für Schritt
Ist man zu Gast in Hammamet und will man sich lieber in kleinen Schritten an das wahre Tunesien herantasten, bietet sich die alte Medina Hammamets als ideale „Übungsstätte“ an. Klein und überschaubar steht sie den Souks von Tunis in nichts nach. Einmal die feine Kunst des Handelns ausprobiert, mit Tunesiern eine Wasserpfeife geraucht und in einem einfachen Straßencafé den zuckersüßen Pfefferminztee gekostet, wird klar, dass der Mehrwert eines Tunesienurlaubes außerhalb der Hotelmauern zu finden ist.
Janin Nachtweh
Weitere Infos
Tunesisches Fremdenverkehrsamt
office@tunesieninfo.at
www.tunesien-info.at
autor: Christiane Reitshammer
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