Dom.Rep.: Merengue, Brugal und reichlich Caramba
23 April 2009, 17:54
Die Frohnatur der Kariben ist hinlänglich bekannt. Die Rezeptur für die buchstäbliche karibische Lebensfreude unterscheidet sich für den Besucher aus nördlicheren Breiten von Insel zu Insel wohl kaum. Die Zutaten dürften demnach nur unmerklich voneinander abweichen. Unsereins vermutet meist, es läge am „rund-ums Jahr“ - Sonnensschein. Andere wiederum meinen, die wunderbare Gegend ließe kapriziöse Gemütsstimmungen gar nicht erst zu. Das Alltags-Tempo sei gemächlicher, heißt es beiläufig. Müßiggang als Tugend? Nicht in der Dominikanischen Republik!
Eine Insel räumt auf

Allerorts wird gehämmert, gemeißelt, geklopft; Erneuert, revitalisiert und gesäubert. „Ein neues Image muss her“, erklärt Carlos. Die DomRep, wie die Insel lässig genannt wird, räumt ein für alle Mal mit Vorurteilen auf und positioniert sich in der Tourismusindustrie neu. Das Bild der schmuddeligen Billigdestination soll weichen, die baulichen Maßnahmen zur Infrastrukturverbesserung bis 2008 abgeschlossen sein. Neue Hotelprojekte im Vier- und Fünf- Sterne-Bereich sind am Entstehen. Bereits bestehende Anlagen werden renoviert und modernisiert. Auch der Luxus hält in Form exklusiver Boutique Hotels Einzug. Mit Investitionen in Straßenbau, Kanalisation und Revitalisierung der Strände soll eine Basis geschaffen werden, um auch Individualtouristen verstärkt anzusprechen. Die Besucher können ruhig alleine losziehen und mit dem Mietauto das Land erkunden“, erklärt Petra Cruz, Direktorin des FVA in Frankfurt
Knotenpunkt Puerto Plata

Als erstklassiger Ausgangsort für derartige Erkundungstouren an der Nordküste der Dominikanischen Republik erweist sich Puerto Plata. Von hier aus starten auch wir unsere Reise, die uns zuerst ins Landesinnere führt. Geprägt von Tabak-, Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen weist die Gegend auf ihre Jahrhunderte währende landwirtschaftliche Bedeutung hin. Die besten Zigarren der Karibik sollen in Santiago de los Caballeros, kurz Santiago produziert werden. Davon dürfen wir uns beim Besuch der Zigarrenfabrik selbst überzeugen. Zurück in Puerto Plata besuchen wir den Long Beach, der durch die aufwendige Sanierung seiner eigentlichen Bestimmung als Strand zugeführt wurde, und das von kolonialen Bauten geprägte, hübsche Stadtzentrum. An der renovierten, neugestalteten Strandpromenade, dem so genannten Malecon werden zukünftig Konzerte und folkloristische Darbietungen die Urlauberherzen erfreuen. Daneben bietet Puerto Plata weitere Attraktionen und Ausflugsziele wie beispielsweise die Seilbahnfahrt auf den Berg Loma Isabel de Torres. Nicht weit von Puerto Plata befindet sich Sosua. 1938 Zufluchtsort für europäische Juden, über deren Geschichte das jüdische Museum von Sosua informiert, besitzt der Ort heute viele internationale Restaurants, Bars und Geschäfte. In der Altstadt von Sosua, Los Charamicos, spielt sich das typische Leben der Dominikaner ab. Aus den Lokalen schallen die heißen Rhythmen von Merengue und Salsa. Beim Bachata, der musikalischen Wiedergabe leidenschaftlicher Liebesdramen wird auch uns Europäern warm ums Herz.
Hang loose in Cabarete

Die Atmosphäre ist cool. Direkt am Strand reihen sich Restaurants, Bars, Diskotheken und Surfshops aneinander. Die besten Partys der Nordküste werden in Cabarete gefeiert. Hier wird die Nacht zum Tag gemacht. Selbiger startet gemächlich um die Mittagszeit. Noch vor nicht allzu langer Zeit war Cabarete ein touristisch unbedeutender kleiner Fischerort. Gut 20 Jahre ist es her, dass sich aus diesem kleinen Dorf das Surfer Paradies schlechthin zu formen begann. Nunmehr findet sich alljährlich die Surfergemeinschaft ein, um Wind und Wellen von ihrer feinsten Seite zu erleben. Regelmäßig werden Bewerbe ausgetragen wie beispielsweise der „Copa Mundial Kitsurf“, also der Kitesurf Weltcup. Einmal im Jahr wird der „Master of the Ocean“ gekürt. Fesche Surfer aus aller Herren Länder präsentieren ihr Können in einem mehrere Tage dauernden Wettbewerb, der sich aus den Sportarten Windsurfen, Kitesurfen und Wellenreiten zusammensetzt. Auch als „Nichtsurfer“ zahlt sich ein längerer Aufenthalt in Cabarete aus. Ein Augenschmaus ist es allemal. „Wer sich von der Aussicht losreißen kann und es der Hangover der vergangenen Partynacht zulässt hat diverse Möglichkeiten sich selbst sportlich zu betätigen. Sei es beim Mountainbiken, Canyoing oder vielleicht doch bei einem Surfkurs“, meint unser Reiseleiter Carlos spitzbübisch.
Ein Paradies lässt sich entdecken

Unsere Reise setzt sich Richtung Nordosten fort. Die Halbinsel Samaná offenbart sich uns als karibische Traumlandschaft mit sanften grünen Hügeln, kleinen vorgelagerten Inseln und rauschenden Palmenwäldern, die bis an die feinsandigen, weißen Buchten reichen. Schöner und authentischer geht es nicht. Die landschaftliche Vielfalt, von der schon Christoph Columbus vor über 500 Jahren geschwärmt hat, überfällt uns hier förmlich. Plötzlich fühle ich mich selbst wie der Entdecker eines unbekannten, abgelegenen Paradieses. Wir passieren Las Terrenas, einen kleinen ursprünglichen Touristenort, um weiter an die Playa Bonita zu gelangen. Ein inbrünstiges „Caramba“ liegt mir auf der Zunge, wäre mir Carlos nicht zuvor gekommen. Vor uns liegt das palmengesäumte Non plus Ultra eines karibischen Traumstrandes, dessen Existenz ich bis zu diesem Zeitpunkt wohl bezweifelt hätte. Aber es gibt ihn doch und ist dabei mit seiner exotischen Kulisse nicht einmal ein Einzelfall auf der Halbinsel Samaná. Der türkisfarbene Atlantik lädt uns zu sich ein. Die wohltemperierten Fluten unterstreichen das Karibikfeeling und geben uns eine Kostprobe der viel zitierten Lebensfreude. Die touristische Entwicklung der Region steckt in den Kinderschuhen, hat nun aber mit der Eröffnung des internationalen Flughafens von Samaná Anfang November diesen Jahres ihren ersten Schritt getan. Gleichzeitig wird Las Terrenas durch die Sanierung der Abwasserkanalisation und ein verbessertes Abfallentsorgungssystem in neuem Glanz erstrahlen. Eine erneuerte Landstraße von und nach Sanchez soll die Mobilität der Besucher beleben. Die Dominikanische Republik wird zukünftig ihre Besucher noch vielfältiger, abwechslungsreicher und paradiesischer willkommen heißen können.
(PTM)
Highlights der Nordküste

Centro Léon en Santiago Museum für heimische Kunst, Kultur und Geschichte inklusive Zigarrenfabrik in Santiago de los Caballeros
Ocean World Freizeitpark in US-amerikanischem Stil in Confresi Isabel de Torres
Seilbahnfahrt auf den Hausberg von Puerto Plata Stadtzentrum von Puerto Plata viktorianischer Kolonialstil prägt zahlreiche Gassen von Puerto Plata
Fortaleza San Felipe Festung aus dem 16.Jarhundert am Malecon von Puerto Plata
Cabarete und Sosua immer einen Besuch wert; ob für länger oder nur auf ein „Ceveza“
Buckelwale
zu beobachten in der Region Samaná von Januar bis Februar
Cayo Levantado echtes Bacardi Feeling - hier soll der bekannte Werbespot gedreht worden sein
Los Haitises National Park 208 km2 traumhaft exotische, unberührte Natur
Von Las Terrenas nach Sanchez
(oder umgekehrt) erlebnisreiche Fahrt mit atemberaubenden Aus- und Einblicken
Autor: Franz PAUL
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